Erstellt am 19. März 2014, 09:00

von Elisabeth Kirchmeir

„Gehe ins Gefängnis“. Bezirk Oberwart, Bezirk Güssing / Gert Dieter Imre fasste für den Knochendiebstahl milde Geldstrafe aus, dennoch will er die Ersatzhaftstrafe antreten.

Gert Dieter Imre bei seinem Auftritt im Gerichtssaal. Der 47-jährige Oberwarter wurde in einigen Punkten frei gesprochen, fasste aber dennoch eine Strafe von 480 Euro aus: »Ich kaufe meinen Hals nicht frei, sondern gehe ins Gefängnis.« Foto: Kirchmeir  |  NOEN, Kirchmeir
Von Elisabeth Kirchmeir

111 Skelettteile, darunter 56 Totenschädel, holte der 48-jährige frei schaffende Künstler („hauptsächlich Musiker“) Gert Dieter Imre im Juli 2013 aus einem Karner der Pfarrkirche Maria Weinberg.

Nur zum Suchtgift-Thema schuldig bekannt

Dadurch hat er, und dafür musste er sich am Montag dieser Woche vor Gericht verantworten, die Totenruhe gestört. Zusätzlich wurden ihm Verstöße gegen das Waffengesetz und der Besitz von illegalen Suchtmitteln vorgeworfen. Ebenfalls angeklagt wurde ein gehbehinderter Mann, der Gert Dieter Imre beim Bergen der Knochen geholfen haben soll.

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Schuldig bekannte sich Imre nur zum Thema Suchtgift - die Polizei hatte auf der Terrasse seines Hauses zwei Cannabispflanzen gefunden. Sichergestellt wurden bei ihm auch eine Pistole und eine Schrotflinte sowie Munition - wegen eines aufrechten Waffenverbotes war der Besitz der Waffen illegal.

Knochen aus dem alten Karner geholt

Illegal war auch, was Imre in Sachen Karner unternahm, obwohl er den Tatbestand in schöne Worte fasst. Er habe eine „Bestandsaufnahme“ gemacht, habe „Bergen, Retten und Restaurieren“ wollen. „Vom Ausräumen war nie die Rede“, sagte er vor Gericht. Das Unternehmen sei sowieso ein „Himmelfahrtskommando“ gewesen, zumal der Mesner ihm mitgeteilt habe, dass zuvor 200 Jahre lang niemand mehr den Karner betreten habe.

Deswegen habe er sich mit einem Seil sichern lassen, weil niemand wusste, welche Gase sich in dem tiefen Karner befinden würden. „Ich sagte: Wenn ihm etwas passiert, kann ihm keiner helfen“, berichtete der Mesner vor Gericht. Er hatte sich damals ebenso vor Ort befunden, wie der ebenfalls wegen der Störung der Totenruhe angeklagte Freund von Gert Dieter Imre.

Neben Müll holte Imre damals 56 Schädel- und 55 Oberschenkelknochen aus dem Karner. Einige davon stellte er kurze Zeit später am Flohmarkt in Kemeten aus. Um für sein Privatmuseum zu werben, wie Imre behauptet.

Schädel zu verkaufen? Eine Frage des Geldes...

„Davor lag ein Zettel mit der Aufschrift ‚unverkäuflich‘“, berichtete jener Polizeibeamte, der damals den Flohmarkt in Zivil inspizierte. „Ich fragte ihn, ob die Schädel zu verkaufen seien. Er sagte: Ja, das sei nur eine Frage des Geldes“, so der Kriminalbeamte.

Dem Mesner und dem mitangeklagten Helfer hatte Imre erzählt, die Knochen würden im Stadtmuseum Oberwart ausgestellt. Dieses Museum existierte aber nur in den Wunschvorstellungen des Knochendiebes.

Er habe den 83-jährigen Mesner mit dem Schmäh gepackt, hielt Staatsanwalt Mag. Roland Koch dem freischaffenden Künstler vor. Dieser habe ein paar Knochen zuhause ausstellen und den Rest verkaufen wollen.

Drohende Haft: „Ich kaufe meinen Hals nicht frei“

Richterin Dr. Karin Lückl verurteilte Imre wegen Verstößen gegen das Waffen- und das Suchtmittelgesetz und wegen der Störung der Totenruhe zu einer Geldstrafe in der Höhe von 480 Euro, im Falle der Uneinbringlichkeit könne diese auch durch gemeinnützige Arbeiten beglichen werden.

Zu einigen Fakten erfolgten Freisprüche. „Ich werde ins Gefängnis gehen“, kündigte Gert Dieter Imre nach der Verhandlung an. „Ich kaufe meinen Hals nicht frei. Wenn ich schuldig bin, soll man mich einsperren.“ Der gehbehinderte Mitangeklagte wurde freigesprochen.