Erstellt am 07. November 2012, 00:00

Geld für Geisterbahn. Grotesk / ÖBB investieren in Bauarbeiten an einer Bahnstrecke, auf der künftig vielleicht bald kein Zug mehr fahren wird. Verkehrskoordinator Peter Zinggl bleibt trotzdem optimistisch.

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Von Michael Pekovics

REGION / Die ÖBB bestätigte in der Vorwoche, was schon lange als Gerücht die Runde machte: Die Verladestellen in Oberwart und auch in Altpinkafeld werden bis Ende des Jahres nicht mehr betrieben, sie sind wirtschaftlich nicht mehr rentabel. Im gesamten Burgenland sind zehn von 14 Verladestationen betroffen. Argumentiert wird die Maßnahme mit „hohen Kosten, die in keinem Verhältnis zu den Einnahmen stehen – diese Verladestationen sind schwer defizitär“.

Damit steht nach dem Personen- auch der Güterverkehr auf dem Abstellgleis. ÖBB-Pressesprecher Christoph Posch betont aber, dass „die Infrastruktur vor Ort bleibt. Sollten sich andere Eisenbahnunternehmen finden, die die Verladestationen übernehmen wollen, ist das natürlich möglich“. Und laut Landesverkehrskoordinator Peter Zinggl stehen die Chancen dafür nicht schlecht: „Im Bezirk Oberwart laufen konkrete Gespräche mit anderen Güterverkehrdanbietern, die Interesse an der Übernahme der Strecke haben.“ Darauf hoffen auch die Mitglieder der Initiative „Pro Bahn“, die sich schon länger für den Erhalt der Bahnstrecke stark machen: „Das Betonwerk Kölbl in Rechnitz hat seinen Standort schon geschlossen. Was werden in Zukunft Unternehmen wie ‚Stahlbau Unger‘ oder das ‚Holzwerk Kern‘ machen?“, fragt Sprecher Dietrich Wertz.

Ein ganz besonders Zeichen für den Erhalt der Bahnstrecke gab es am vergangenen Samstag, als ein Sonderzug mit Sportklub-Fans in Oberwart eintraf (siehe Bild oben rechts). Für Verwunderung sorgen derzeit auch Gleisbauarbeiten, die an der Strecke im Stadtgebiet durchgeführt werden. So war zum Beispiel am Freitag die Schlainingerstraße komplett für den Verkehr gesperrt (siehe Foto rechts). „Bei meinen Hausbesuchen haben mich viele Bürger gefragt, warum da so viel Geld verschwendet wird. Das ist auch für mich unverständlich, schließlich geht es um Steuergelder“, ärgert sich Neo-Bürgermeister Georg Rosner, der sich immer wieder als Befürworter der Bahnstrecke stark gemacht hatte. Für ÖBB-Pressesprecher Posch haben die Sanierungsarbeiten aber einen ganz konkreten Hintergrund und sind unbedingt notwendig, weil „Strecken, die sich im Eigentum der ÖBB befinden, in befahrbaren Zustand gehalten werden müssen. Damit ein Privatunternehmen die Strecke jederzeit übernehmen kann“.

Kampf für den Erhalt der Bahn. Oberwarts neuer Bürgermeister Georg Rosner und Dietrich Wertz von der Inititative „Pro Bahn Südburgenland“ fragen sich, warum Geld in eine bald stillgelegte Bahnstrecke investiert wird.

zVg

Fußballfans kamen mit dem Zug. Am Samstag reiste der Sportklub-Anhang mit dem Zug an, einen Tag zuvor wurde noch saniert.