Erstellt am 08. Dezember 2010, 00:00

Gemeinden stimmen für Aus des „Roten Bus“. VERKEHR / Nach Aus für „Roten Bus“ entbrennt jetzt politische Auseinandersetzung. ÖVP kritisiert SPÖ im Bund, für Dunst sind ÖVP-Ortschefs schuld.

Das waren Zeiten! Bei der Eröffnung des Nahverkehrsprojektes im Jahr 2002 strahlten die Verantwortlichen über das ganze Gesicht. Am Dienstag der Vorwoche beschlossen die Bürgermeister einstimmig das Ende.  |  NOEN
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VON SARAH WAGNER UND

MICHAEL PEKOVICS

REGION / Am Dienstag der Vorwoche beschlossen die Bürgermeister der beteiligten Gemeinden in der Hauptversammlung einstimmig das Aus für den „Roten Bus“. Sechs Tage später (am Montag, dem 6. Dezember) waren stattdessen schon Südburg-Busse auf der Route im Einsatz – allerdings nicht im gleichen Ausmaß wie früher (siehe Fahrplan rechts).

SPÖ: „Verhandlungen  wären sinnvoll gewesen“

Über die Gründe für die Einstellung gehen die Meinungen auseinander. Während die ÖVP-Bürgermeister der Gemeinden Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) und dem Land die Schuld aufgrund der vorgenommenen Budgetkürzungen geben, sieht SPÖ-Landesrätin Verena Dunst das „mangelhafte Gesprächsklima“ als Problem. Sowohl sie als auch Landtagsabgeordneter Wolfgang Sodl (SPÖ) sind der Meinung, dass „Verhandlungen mit Land und Bund das Ende des Roten Bus eventuell noch abwenden hätten können. Wir verstehen nicht, warum das nicht passiert ist.“

ÖVP: „Dunst verdreht Zahlen,  Behauptungen sind falsch“

Das wiederum lassen die ÖVP-Bürgermeister nicht auf sich sitzen (siehe dazu auch „Stimmen und Sprüche“ links). Bundesrat Walter Temmel meint in einer Aussendung, dass „Dunst Zahlen verdreht – sei es mit Absicht oder aus Unwissenheit“.

Konkret geht es um gestrichene Förderungen. Laut Dunst fehlen 22.500 Euro, die Bürgermeister sprechen von 53.500 Euro. Geld, das in Zeiten der akuten Finanznot – vor allem für Gemeinden – derzeit schlicht und einfach nicht vorhanden sei. „Für regelmäßige Linien reichen die finanziellen Mittel nicht“, bringt Peter Vadasz, Obmann und Bürgermeisterin in Güssing, die Problematik auf den Punkt. „Die Beteiligung von Güssing mit 56.000 Euro übersteigt eigentlich schon jetzt unsere Möglichkeiten.“

Für Geschäftsführer Karl-Heinz Winkler ist sowohl das Ende des Roten Bus als auch der jetzt folgende politische Kleinkrieg „schmerzlich“. Für ihn seien immer die Interessen der Menschen im Unteren Pinkatal vorrangig gewesen. „Da geht es nicht um rot und schwarz oder gelb – sondern darum, den Menschen neue Lebensqualität zu geben. In Gesprächen habe ich immer wieder bemerkt, dass das Projekt für viele Menschen aus der Region eine gute Sache war, die sie gerne angenommen haben“, sagt Winkler gegenüber der BVZ. Davonlaufen werde er jetzt nicht, sondern „ich werde so lange bleiben, solange das die Gemeinden wollen. Wir möchten eine Alternative schaffen, die von den Gemeinden auch finanziert werden kann“. Aktuell werde überlegt, wie man die Grundbedürfnisse abdecken könne, etwa mit einem Sammeltaxi. „Wenn es keine Alternative gibt, dann brauchen viele Haushalte wieder ein Zweitauto: etwa um die Kinder abzuholen oder einfach nur, um einkaufen fahren zu können“, sagt Winkler.

Die Schülerfahrten wurden mittlerweile von der Südburg übernommen. Die Vereinbarung gilt zumindest einmal bis Jahresende. Wie es danach weiter geht, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar.

Bundesrat und Bürgermeister Walter Temmel zeigt sich auf jeden Fall kämpferisch: „Diese Ungerechtigkeit geht auf Kosten der Schwächeren in der ohnehin bevölkerungsarmen Region. Betroffen sind nicht mobile Bürger, aber Kinder, Jugendliche und ältere Personen. Das lassen wir uns nicht gefallen.“ Auch Dunst hat angekündigt, dass künftig auch Mittel aus der Dorferneuerung für Nahverkehrskonzepte freigemacht werden können. variante finden. Die Gemeinde Strem hätte 18.500 Euro dazu gezahlt – nach den Kürzungen wäre die finanzielle Belastung doppelt so hoch gewesen – das hätte unser Budget gesprengt.“

Bernhard Deutsch, Bürgermeister Strem

„Für regelmäßige Linien ist zu wenig Geld vorhanden. Aber wir werden versuchen Mittel und Wege zu finden, wie wir dem Unteren Pinkatal weiterhin helfen können. Die Post hat uns auch im Stich gelassen, wir haben schon am Dienstag eine Postwurfsendung in Auftrag gegeben, die bis heute nicht verteilt wurde. Viele Leute wissen also gar nicht, dass der ‚Rote Bus‘ nicht mehr unterwegs ist.“

Peter Vadasz, Bürgermeister Güssing, der im Gespräch mit der BVZ „vom Fenster aus Menschen sieht, die an der Bushaltestelle auf den ,Roten Bus’ warten“.

„Ohne öffentliche Gelder ist der Bus nicht lebensfähig. Das Ende des Projekts ist schade, schließlich haben sich zahlreiche Menschen schon darauf eingestellt. Im Unteren Pinka- und Stremtal gibt es keine öffentlichen Verkehrsanbindungen – da wird auch ein eventuelles Nachfolgeprojekt nicht kostendeckend arbeiten können.“

Franz Wachter, Bürgermeister Dt. Schützen