Erstellt am 27. November 2015, 04:38

von Vanessa Bruckner

Hand aufs Holz: Unikat Nicole Fleck in Männerdomäne. Nicole Fleck ist die einzige Tischlermeisterin im Bezirk. Wie es ist, in einem Männerjob die Frau zu stehen – ein Bericht.

Ungewöhnlich. Nicole Fleck leitet mit 29 Jahren eine Tischlerei und ist selbst Meisterin in diesem Fach. Die »Frau Chefin« ist für die Männer im Betrieb längst eine Selbstverständlichkeit. Foto: Vanessa  |  NOEN, Vanessa Bruckner
„Zu Weihnachten ist sie hereinmarschiert und hat verkündet, dass sie nicht weiter in die Schule gehen will und wir sie im Betrieb als Lehrling anmelden sollen“, erinnert sich Karl Fleck schmunzelnd.

Ein bezeichnender Schritt für den Charakter seiner Tochter Nicole, die Dinge schon immer gerne selbst in die Hand genommen hat. Holz allerdings am liebsten.

Schon als Kind in Werkstatt herumgehüpft

Die 29-Jährige ist Tischlermeisterin und leitet in Stuben bei Bernstein den Familienbetrieb, in dem derzeit drei Gesellen und ein Lehrling beschäftigt sind. Lauter Männer - typisch für diese Berufssparte.

Nicole Fleck ist darin die große Ausnahme. Nicht nur, dass sie den Beruf ausübt, die taffe junge Frau ist auch die einzige Tischlermeisterin im ganzen Bezirk Oberwart. „Es bereitet mir noch immer Spaß, wie Kunden auf mich reagieren, wenn ich mich als die Chefin der Tischlerei vorstelle“, erzählt Fleck lachend.

Sie sei schon als Kind stets lieber beim Vater in der Werkstatt herumgehüpft und habe mitgeholfen als vor den Schulbüchern zu sitzen, so die Stubenerin. Der Geruch des Holzes, seine Wärme und das Gefühl, wenn man ein Stück endlich fertig hat - all das macht für Nicole Fleck die Faszination dieses Materials aus.

Über Nacht heimischen Betrieb übernommen

„Bei der Arbeit selbst gibt es keine Grenzen für mich, ich packe überall mit an. Ob Platten abladen oder Decken montieren. Das Einzige, was ich nicht so gern mache, sind Fußböden verlegen“, gesteht die Tischlermeisterin, der aber leider auch immer weniger Zeit in der Werkstatt bleibt.

Ihr Vater erkrankt schwer und so muss die Handwerkerin quasi über Nacht den heimischen Betrieb übernehmen.

„Das war schon hart, da wird man ordentlich ins kalte Wasser gestoßen. Seither verbringe ich die meiste Zeit im Büro und bin mit der Organisation beschäftigt. Die Arbeit in der Werkstatt fehlt mir schon sehr“, so Fleck.

x  |  NOEN, Vanessa Bruckner


Zuhause hat sich Nicole selbstverständlich ihre komplette Einrichtung selbst gezimmert. Küche, Wohnzimmer, Vorraum - alles gefertigt von zierlichen Frauenhänden. Nagellack oder Kunstnägel haben darauf freilich keinen Platz, demonstriert die Tischlerin augenzwinkernd.

„Wenn man ein Stück für sich selber fertigt, dann wird´s richtig schlimm, denn dann kommt die Perfektionistin ganz und gar zum Vorschein“, gesteht die quirlige Frau lachend.

Schule: Lieber Handwerken statt Stricken

Das kleine Qualitätsunternehmen in Stuben arbeitet fast ausschließlich mit einheimischen Hölzern. Die Chefin selbst sieht zwar, dass sich heute auch immer mehr junge Menschen wieder echte Handarbeit vom Tischler gönnen, es sei aber trotzdem vorwiegend die ältere Generation, die sie zu ihren Kunden zähle. „Bei uns im Burgenland ist Holz als Baumaterial einfach nicht mehr so populär wie beispielsweise im Westen Österreichs. Dabei gibt es kein schöneres Baumaterial. Holz lebt, das ist doch ein schöner Gedanke.“

Obwohl Nicole Fleck erst mit 17 Jahren ihre Lehre begonnen hat, ist für Vater Karl, rückblickend betrachtet, eigentlich immer klar gewesen, dass „des Mädl einmal in (m)einer Tischlerei arbeiten wird“.

„Nicole war in der Schule stets das einzige Mädchen, dass lieber am Handwerksunterricht der Burschen teilgenommen hat, als Stricken zu lernen. Fußball hat sie auch eine Zeit lang gespielt und aus der Werkstatt war sie schon als Kind einfach nicht rauszubekommen“, erzählt der Papa.

Für die Angestellten von Nicole Fleck - lauter Männer, wie das eben meistens so ist in dieser Branche - ist die „Frau Chefin“ längst nicht nur vollkommen akzeptiert, sondern auch eine Selbstverständlichkeit. Das Einzige, das für die junge Tischlermeisterin nicht immer selbstverständlich ist: „Arbeitsschuhe in meiner Größe zu finden.“