Oberwart

Erstellt am 17. August 2016, 04:36

von Vanessa Bruckner

Auf Messers Schneide. Armin Bundschuh graviert Jagdwaffen. Wie kleinste Details auf noch kleineren Flächen Platz finden und warum ein Großteil seiner Kunden Kopftuch trägt – ein Bericht.

Künstler. Der Oberwarter Armin Bundschuh fertigt in seiner Werkstatt Gravuren der ganz besonderen Art. Seine Kunden kommen aus der ganzen Welt. Foto: zVg  |  zVg

Er ist einer derjenigen, der sich auf der Oberwarter Inform wirklich informiert hat – im wahrsten Sinne. Als 17-Jähriger besucht Armin Bundschuh den Stand der Kärntner HTL Ferlach auf der Messe und ist begeistert von den Handfertigkeiten der Schüler. Nach der „Das will ich auch lernen“-Erkenntnis absolvierte Armin Bundschuh die vierjährige Ausbildung an der Schule zum Graveur.

Heute zählt er zu den Besten seines Faches und Menschen aus aller Welt zu seinen Kunden. „Meine Gravuren auf Waffen jeglicher Art sind alles Handarbeiten, jedes Stück wird damit zum Unikat“, erklärt Bundschuh im Gespräch mit der BVZ und fügt an, „dadurch werden die Waffen selbst zu Schmuckstücken.“ Zwischen drei und unglaublichen 600 Arbeitsstunden sitzt der Oberwarter beispielsweise an der Gravur eines Gewehres.

Sein Kundenstock ist ebenso breit gefächert wie das Repertoire seiner handwerklichen Fähigkeiten. „Manchmal ist ein schlichtes Monogramm für einen Jäger aus dem Nachbarort gewünscht, das nächste Mal eine kunstvolle Arbeit für eine ganze Waffensammlung, die beispielsweise einem Scheich aus Abu Dhabi gehört“, sagt Bundschuh.

Arbeitstag hat oft bis zu vierzehn Stunden

Gut 60 Prozent seiner Kunden tragen Kopftuch und sind auch anderweitig wohlbetucht. Der Kontakt in arabische Länder entstand auf einer Messe in der Schweiz, bei der Bundschuh, gemeinsam mit einem Büchsenmacher, vertreten war. „Da kam ein Scheich an unseren Stand und testete die Schärfe der Klinge des Jagdmessers kurzerhand an seinen eigenen Haaren. Scharf genug war es und meine Gravuren haben ihm sehr gefallen. Das Messer war einzeln nicht zu haben. Es gehörte zu einem Set und wurde passend zur Jagdwaffe verziert. Der Preis des Sets lag weit im sechsstelligen Bereich, aber der Scheich zuckte nicht einmal mit der Wimper und sagte nur >I will have it.<“

Bundschuh weiter: „Grundsätzlich haben die Scheichs genug Geld für Spielereien dieser Art, aber auch sie überlegen sehr gut, wofür sie es ausgeben. Ich bin bei jedem Projekt gefordert, meine Kunden durch außergewöhnliches Design und die Anwendung verschiedener Techniken aufs Neue zu beeindrucken.“

Der 38-Jährige erzählt weiter: „Auch Russen oder Amerikaner zählen zu meinen Kunden. Im Bezirk selbst hab ich wiederum eher weniger Klientel.“

Genauso bunt wie die Kundschaft, sind auch die Motive und Preise des Graveurs. „Das fängt bei 20 Euro an und ist nach oben hin offen.“ Anregungen für Motive holt sich Armin Bundschuh aus Büchern, aus der Natur und den Eindrücken im täglichen Leben. Beliebt sind Ornament-Gravuren oder Tiermotive.

Dass aller Anfang schwer ist, weiß aber auch der, der es mittlerweile geschafft hat. „Zu Beginn bekam ich einen Stundenlohn von fünf Euro und meine ersten beiden Arbeiten hat mir mein Vater abgekauft“, erinnert sich Bundschuh schmunzelnd, der oft bis zu 14 Stunden täglich arbeitet. „Bei manchen Stücken ist man am Ende schon froh, sie nimmer sehen zu müssen“, gesteht er lachend. Einen Hang zur Einsamkeit braucht es beim Beruf des Graveurs auch: „Oft sitzt du den ganzen Tag in der Werkstatt, da ist das Radio mein einziger Begleiter, aber das hat auch etwas Schönes.“