Erstellt am 11. April 2012, 00:00

Hartes Duell um Verkehr: Bahn als Sorgenkind. WARNUNG / Endloses Duell um Verkehr geht weiter. Franz Glaser erneuert Kritik, stellt Forderung und fürchtet um Güterverkehr.

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VON MICHAEL PEKOVICS

OBERWART / Dem Bezirk Oberwart könnte ein ähnliches Schicksal wie dem Bezirk Güssing drohen. Nein, die Rede ist nicht von der Modellregion Ökoenergieland (siehe Seite 9), sondern davon, dass Güssing der einzige Bezirk im Burgenland ist, der über keinen einzigen Meter Bahngleis verfügt.

Gleise gibt es zwar noch, aber ein ähnliches Szenario scheint möglich. Denn laut ÖVP-Nationalrat Franz Glaser könnte nach der Einstellung des Personenverkehrs auf der Strecke Oberwart-Friedberg demnächst auch der Güterverkehr betroffen sein. Und das hätte massive Auswirkungen auf große Unternehmen im Bezirk. So muss zum Beispiel schon jetzt das Betonwerk Kölbl in Rechnitz die Produktion mit dem Lkw nach Oberwart bringen und dort auf die Bahn umladen – höhere Kosten inklusive.

Der Güterverkehr zwischen Rechnitz und Oberwart wurde schon vor längerer Zeit wegen der desolaten Gleisanlagen eingestellt. Der Eigentümer, die Südburgenländische Regionalbahn (SRB), hat nicht die finanziellen Mittel, um die Strecke zu sanieren. SRB-Chef Schuch hat bereits bei Bund und Land um zwei Millionen Euro Anschlussbahnförderung angesucht. Die bekomme er aber deswegen, weil er einige Auflagen nicht erfüllen könne. Ähnlich ist die Situation auf der (Museumsbahn)strecke Oberschützen-Oberwart: Die Anlage ist im Eigentum der SRB, die die Strecke abbauen will, um Schulden zu zahlen. Es gibt aber einen Pachtvertrag mit dem Verein „Frowos“ (Freunde der Bahnlinie Oberwart-Oberschützen, siehe links unten). Die „Frowos“ sind der Meinung, dass ein Abbau rechtswidrig sei, weil der Pachtvertrag nach wie vor gültig ist. Sollte Schuch dennoch abbauen, droht ein Rechtsstreit.

Tonnagen müssen steigen:  Wie hoch ist nicht bekannt

So weit, so gut – und so zerfahren ist die Situation also. Welche Optionen gibt es aber nun für den Bahnverkehr im Bezirk? Schon seit einiger Zeit laufen vom Land unterstützte Verhandlungen zwischen Unternehmen und der ÖBB-Tochter Railcargo über die Frage, wie viel Tonnen pro Jahr transportiert werden müssen, damit die Strecke weiter bestehen kann. Hinter den Kulissen ist von einer Verdoppelung von aktuell rund 125.000 Tonnen auf 250.000 Tonnen die Rede. Bestätigen will diese Zahlen aber niemand. Seitens der ÖBB heißt es nur: „Derzeit bleibt der Güterverkehr bestehen, mittel- und langfristig wird mit Land und Kunden nach einer Lösung gesucht.“ Auf die Frage, in welchem Ausmaß die transportierte Menge steigen müsste, um die Strecke aufrecht zu erhalten, gab es keine Antwort.

Laut Oberwarts Bürgermeister Gerhard Pongracz hat sich das Transportaufkommen zuletzt „vervielfältig“, ob das aber reiche, die Strecke zu erhalten, wisse er nicht: „Ich hoffe, dass die Strecke für den Frachtverkehr erhalten bleibt.“ Schon im August meinte Pongracz im Zuge der Schließung der Strecke für den Personenverkehr, dass er „der erste sein wird, der auf die Barrikaden geht, sollte der Güterverkehr eingestellt werden“. Kein Wunder, braucht doch der Oberwarter Vorzeigebetrieb Unger Steel die Bahn für den Transport der Produktion.

Glasers Forderung bringt  SPÖ und FPÖ in Rage

Die Forderungen von Glaser (siehe Bildtext) wie „Wiederaufnahme des Personenverkehrs“ und „ein gerechteres öffentliches Verkehrssystem im Burgenland“ rufen bei SPÖ und FPÖ zum Teil heftige Reaktionen hervor. „Glaser macht im Burgenland einen auf dicke Hose und blockiert Anträge im Bund“, sagt FP-Parteisekretär Géza Molnár. Und die SPÖ fordert Glaser auf, „Querschüsse gegen sinnvolle Projekte im Landessüden einzustellen“.

Franz Glaser schlägt ein dreistufiges Modell vor: Mit Bus und Bahn in die überregionalen Zentren, getaktete Busverbindungen von der Peripherie in die regionalen Zentren und lokale Nahverkehrsangebote wie Ruf- und Sammeltaxis.