Erstellt am 18. Januar 2012, 00:00

hatten Todesangst“. rechtzeitig von Bord: „Wir sind froh, dass wir überlebt haben.“

Ein Urlaubsbild der anderen Art: Vom Strand aus fotografierte der aus dem Mittelburgenland stammende Stefan Haller das Wrack.HALLER  |  NOEN
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+ITALIEN / BURGENLAND /  Es war am Freitagabend der Vorwoche, als das Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ vor der Küste der Toskana auf Grund lief. Das Unglück kostete zumindest sechs Menschenleben; bis Redaktionsschluss galten noch weitere 16 Passagiere als vermisst.

Der Kapitän des Kreuzfahrtschiffes betont zwar seine Unschuld, ihm könnte jetzt dennoch ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung drohen, denn das Schiff soll zu nahe an die Küste gesteuert worden sein. An Bord der „Costa Concordia“ befanden sich 3200 Urlauber – darunter auch Burgenländer, die sich im Gespräch mit der BVZ an das folgenschwere Unglück erinnern.

„Wir sind glücklich, überlebt zu haben“, atmete etwa Familie Berto nach ihrer Rückkunft aus Italien auf. Der in Ebenfurth lebedende Alfred Berto, der im Rang eines Vizeleutnants im Militärkommando Burgenland tätig ist und seine Ehefrau Gabi Berto waren mit Tochter Tanja und Enkel Bruno auf dem Kreuzfahrtschiff, als am Freitagabend plötzlich das Licht ausging.

„Dann gab es einen Rumpler und das Schiff stoppte“, erzählt Alfred Berto. „Anfangs wurde durchgesagt, es handle sich nur um ein technisches Gebrechen, doch das Schiff hat schnell Schlagseite bekommen.“

Familie Berto schnappt sich das Notwendigste zum Anziehen und läuft zu den Rettungsbooten. „Eine dreiviertel Stunde lang standen wir da, weil uns die Besatzung nicht ohne Anweisung in die Rettungsboote ließ.“ Bange Minuten, in denen die Panik wächst, denn es gibt zu wenig Boote, da einige bei dem Unglück zerstört wurden. Statt 150 Personen müssen sich jetzt 250 Menschen in ein Boot quetschen, „da hatte ich zum ersten Mal richtig Todesangst,“ erinnert sich Alfred Berto.

Schließlich schaffen es die Urlauber in ein Rettungsboot und werden damit zur Küste gefahren. Dort werden sie von Privatpersonen versorgt, „von der Besatzung war niemand zu sehen“, ärgert sich Gabi Berto. „Keine Organisation, keine Information, Chaos!“ Auf dem Schiff hat Familie Berto alles verloren: „Die Pässe, die Führerscheine, alles. Aber das Ganze ist nebensächlich. Hauptsache, wir sind am Leben.“ Trotzdem wurden mit anderen Passagieren Adressen ausgetauscht. Jetzt überlegt man eine Sammelklage.

Kritik an der Crew: „Chaos  und Panik brachen aus …“

 

Mit an Bord waren auch der aus dem Mittelburgenland stammende Stefan Haller mit seiner Gattin Elfriede. Obwohl es seitens der Besatzung anfangs hieß, dass die Situation „im Griff“ sei, erinnert sich auch Haller an wilde Szenen auf Deck: „Chaos und Panik brachen aus. Einige Urlauber standen im Pyjama oder mit einem Tanzkleid und Stöckelschuhen in der eisigen Kälte.“ Um 23 Uhr wurde schließlich evakuiert. „Wir hatten das Glück, in einem der ersten Rettungsboote zu sitzen.“ Innerhalb der Crew habe es laut Haller keinen Verantwortlichen für die Einteilung der Passagiere und Rettungsboote gegeben: „Alles verlief unkoordiniert. Wir wurden in die Irre geführt.“ Die Angst des Ehepaares Haller hielt sich zu diesem Zeitpunkt dennoch in Grenzen. Am Ufer angelangt, fassten die Passagiere auf der Insel Giglio Fuß und waren in Sicherheit.

Als die „längsten Stunden“ ihres Lebens empfand auch die aus Jennersdorf stammende Familie Seiler das Warten nach dem Unglück: „Wir hatten Todesangst!“ Alexandra Seiler war gemeinsam mit ihrem Ehemann Wolfgang zur Kreuzfahrt aufgebrochen. Sie sparen im BVZ-Gespräch ebenfalls nicht mir Kritik: „Es war eindeutig menschliches Versagen. Noch vor dem Aufprall auf den Felsen standen ich und mein Mann an Deck und haben uns gewundert, warum das Schiff so nah am Festland unterwegs war“, meint Alexandra Seiler. Weitaus gelassener reagierte hingegen Johann Hochwarter aus Kemeten. Der 50-Jährige war mit seiner Freundin auf dem Schiff, bei der Kollision mit dem Felsen waren beide gerade in ihre Kabine gekommen: „Alles ist herumgeflogen, zuerst hatten wir keine Information, was passiert ist. Dann gab es eine Durchsage, dass das Schiff Navigationsprobleme habe.“

Nach der akustischen Alarmierung zog das Pärchen ihre Schwimmwesten an und begab sich auf Deck vier: „Zuerst wurden alte Menschen und Kinder evakuiert, wir mussten warten. Zum Glück haben wir dann das letzte Rettungsboot erwischt. Dort war aber ein total unfähiges Crewmitglied am Steuer, er schaffte es nicht, das Boot vom Schiff wegzubekommen.“

Erst als ein „zwei Meter großer, sehr aufgebrachter Spanier“ das Kommando übernahm, gewann das Rettungsboot Abstand vom Schiffswrack. „Da war es kurz kritisch, weil sich das Schiff immer weiter über unsere Köpfe gesenkt hat“, erzählt Hochwarter.

„Es geht so schnell – man  kommt nicht zum Denken“

 

Todesangst habe er aber nicht gehabt, denn: „Das geht alles so schnell, da kommt man gar nicht zum Denken.“ Ob er noch einmal seinen Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff verbringen will? „Natürlich! Ich habe für heuer sogar noch eine Reise gebucht – aber nur eine Wolga-Kreuzfahrt. Alles in allem war auch diese Kreuzfahrt eine schöne Reise, die am Schluss halt turbulent war.“