Erstellt am 31. Juli 2013, 00:00

Hitze - kein Ende in Sicht. Wetter / Rotes Kreuz im Stress, zahlreiche Einsätze wegen Kreislaufversagen. Laut Meteorologen bleibt uns die Hitzewelle erhalten. Sturm am Montag sorgte für Stromausfall.

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REGION / Auch wenn die Hitzerekorde vorerst noch nicht geknackt wurden, stöhnt dennoch das ganze Land unter Temperaturen von weit über 35 Grad Celsius. Vor allem für ältere Menschen ist die aktuelle Wetterlage ein akutes Problem. Das lässt sich an der Anzahl der Einsätze des Roten Kreuz ablesen.

x  |  NOEN, zVg/STF Güssing

Für die Feuerwehren hingegen gab es erst am Montagabend viel zu tun. Vor allem im Bezirk Güssing, aber auch in Oberwart und Jennersdorf, sorgten die starken Windböen für umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste. In der Stadt Jennersdorf fiel sogar der Strom für 30 Minuten aus. Insgesamt waren rund 30 Feuerwehren mit Bergeeinsätzen beschäftigt.

Laut Auskunft der Landessicherheitszentrale kam es aber zu keinen größeren Einsätzen. „Die meisten Einsätze betrafen blockierte Straßen“, sagte ein Mitarbeiter. Im Gegensatz dazu werden sich die hauptberuflichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Roten Kreuz noch länger an dieses Wochenende erinnern.

So viele Einsätze wie seit Jahren nicht mehr

Allein im Bezirk Oberwart wurden insgesamt 32 hitzebedingte Einsätze des Roten Kreuz verzeichnet – so viele wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. „Wir hatten jede Menge zu tun“, bestätigt Dienstführer Erwin Hanzl von der Oberwarter Bezirksstelle. „In Winten (Bezirk Güssing) mussten wir sogar ein Kind nach einem Hitzekollaps ins Spital bringen.“

Die größten Probleme hatten aber dennoch ältere Menschen. Sowohl das Spital in Güssing als auch jenes in Oberwart verzeichnete am Wochenende einen Anstieg an Patientenbesuchen. So waren im Krankenhaus Oberwart in der Internen Abteilung alle Plätze belegt, am Wochenende kamen um rund ein Drittel mehr Patienten in die Notfallambulanz als üblich.

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Dass die hohen Temperaturen auch in den lauen Sommernächten zu gesundheitlichen Problemen führen können, zeigte sich am Mittwoch der Vorwoche bei der Premiere des Stücks „Sherlock Holmes“ der Burgspiele Güssing. Einige Minuten vor der Pause erlitt ein Mann einen Zusammenbruch, das Stück wurde kurz unterbrochen, der Theatergast vom Roten Kreuz versorgt (siehe oben).

x  |  NOEN, Foto: Pekovics

„Die typischen Beschwerden waren Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen, Herzrasen und Austrocknung“, heißt es dazu aus dem Krankenhaus Oberwart. Um das zu vermeiden, rät Hanzl zu „viel Flüssigkeit – aber Fruchtsäfte und keinen Alkohol —, im Schatten bleiben und anstrengende Arbeiten in der Sonne vermeiden“. Dazu gehöre zum Beispiel auch Unkraut jäten: „Ich sehe immer wieder vor allem ältere Menschen, die es nicht lassen können, etwas in ihrem Garten zu tun. Aber das ist bei diesen Temperaturen wirklich nicht notwendig.“

In den Bezirken Güssing und Jennersdorf hielten sich die Einsätze in Grenzen. Laut Landessicherheitszentrale musste das Rote Kreuz sowohl in Güssing als in Jennersdorf nur je zwei Mal zu Hitze-Einsätzen alarmiert werden.

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Trockenheit verschärft Lage für die Landwirte

Andere, die Bauern nämlich, würden gerne auf ihren Feldern arbeiten. Im Moment haben sie aber andere Sorgen. Laut Richard Matyas vom landwirtschaftlichen Bezirksreferat Oberwart, spitzt sich die Lage derzeit „drastisch“ zu: „Wir befürchten massive Ernteausfälle beim Mais und bei den Sojabohnen. Die Maiskolben rollen sich ein und verlieren ihre Körner. Wir hoffen, dass es in den kommenden Tagen regnet.“

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Danach sieht es aber nicht aus, wie ZAMG-Expertin Kathrin Götzfried im Gespräch mit der BVZ meint: "In den kommenden Tagen kühlt es zwar etwas ab, es bleibt aber sommerlich warm. Ich gehe davon aus, dass sich die Temperatur unter 30 Grad bewegen wird, am Wochenende sind wieder 35 Grad und mehr möglich – die Hitze bleibt also."

Was allerdings vor allem für die Landwirtschaft problematisch werden könnte: Im Osten Österreichs sind in den kommenden Tagen kaum Niederschläge zu erwarten. So wie Landtagsabgeordneter Reinhard Jany (ÖVP) befürchtet auch Landesrat Andreas Liegenfeld „erhebliche Schäden“: „Wir haben bereits einen Antrag an den Bund gestellt, um in von der Trockenheit betroffenen Gebieten eine Nutzungsfreigabe für Blühflächen erhalten, damit unsere Bauern aufgrund der Futterknappheit nicht teuer Tiernahrung zukaufen müssen.“

Weiters gebe es bereits Gespräche von Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich mit der EU, um mit Geldern des Katastrophenfonds zu helfen. Derzeit wird erhoben, wie groß die Schäden überhaupt sind. Die anhaltende Trockenheit ist für die Landwirte nach dem langen Winter und den zahlreichen Niederschlägen im Frühjahr und im Frühsommer damit quasi noch das Tüpfelchen auf dem i.

Hitze fordert auch die Pannenfahrer

Aber nicht nur Menschen oder Pflanzen haben ein Problem mit der Hitze, auch Maschinen sind betroffen. So verzeichnete etwa der ÖAMTC von Freitag bis Sonntag burgenlandweit 350 Einsätze – das sind rund doppelt so viele wie an „normalen“ Sommerwochenenden. Laut ARBÖ seien die häufigsten Probleme „heiß gelaufene Motoren, Startschwierigkeiten und Reifenplatzer“.

Keinen Grund zur Sorge gibt es aber was die Wasserversorgung betrifft. Auch wenn der Verbrauch beim Wasserverband Südliches Burgenland derzeit um rund die Hälfte höher liegt als an normalen Wochenenden, ist keine Wasserknappheit zu erwarten. „Derzeit verbrauchen wir pro Tag rund 8.000 Kubikmeter, normal sind es 5.500“, sagt Alfred Imre. „Zuletzt war der Verbrauch im Jahr 2002 so hoch.“ Aber auch wenn die Trockenheit noch einige Zeit anhält, wird es zu keinen Engpässen kommen. „Uns ist egal, ob es regnet oder nicht. Wir werden keine Probleme bekommen, das Wasser wird uns definitiv nicht ausgehen.“