Erstellt am 16. Mai 2012, 00:00

Hut ab, Frau Dietrich!. STIL /  Helene Dietrich ist Hutmacherin. Zwar nicht so verrückt wie jener aus Alice im Wunderland aber nicht weniger kreativ.

Besonderen Wert legt Helene Dietrich auf die Qualität der Stoffe. VANESSA  |  NOEN
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VON VANESSA BRUCKNER

EISENZICKEN / Sie erinnert an ihre berühmte Namensvetterin, die Dietrich. Und auch ein bisserl an Coco Chanel. Alle drei Frauen eint zumindest eines: das einzigartige Gespür für Mode und die Liebe zu Hüten. Helene Dietrich fertigt letztere allerdings noch immer selbst. Wie es ist, ein „gut behütetes“ Leben zu führen erzählt Burgenlands einzige Hutmacherin.

Immer auf der Suche  nach dem perfekten Hut

Die 55-Jährige designt und fertigt Hüte noch von Hand. Beigebracht hat sich die gebürtige Kärntnerin das Handwerk autodidaktisch, also „learning by doing“. Ausschlaggebend dafür war allerdings ein Mann. „Mein damaliger Lebensgefährte war Goldschmied. Zu Weihnachten hatten wir einen Stand am Christkindlmarkt. Der Winter war streng und niemand dort hat Kappen verkauft. Also haben wir noch während des Marktes damit begonnen, welche zu nähen. So wie wir sie nachts produzierten, haben wir die Kappen am nächsten Tag am Markt verkauft. Es war unglaublich“, erzählt Helene Dietrich. Die darauf folgenden Jahre hat die gelernte Bankkauffrau damit verbracht, am „perfekten Hut“ zu arbeiten. „Durch einen glücklichen Zufall fiel mir auf einem Dachboden eine Modezeitschrift aus dem Jahr 1915 in die Hände. Darin fand ich eine Anleitung wie man einen Hut selber fertigt, von A bis Z.“ Und damit war der Startschuss für Helene Dietrichs Nähmaschinen endgültig gefallen.

An ausgefallenen Modellen arbeitet die Hutmacherin schon einmal 20 Stunden und länger. Was sie an ihrem Beruf liebt? „Die Kreativität, die ich darin ausleben darf. Am glücklichsten macht mich aber immer jener Moment, in dem eine Frau ihren Hut findet.“

Geheimnisse und  Modeerscheinungen

Dass Hüte nie aus der Mode kommen werden, davon ist Helen Dietrich fest überzeugt: „Schon gar nicht Unikate wie meine, die noch von Hand gefertigt werden.“ Die konkrete Bezeichnung für die Tätigkeit von Frau Dietrich lautet übrigens Modistin. Der Beruf selbst scheint allerdings überhaupt nicht mehr modern zu sein. In Österreich gibt es, wenn überhaupt, vielleicht noch zehn Personen die in diesem Job tätig sind. Lehrstellen gibt es gar keine mehr. Die 55-Jährige erklärt diesen Umstand wie folgt: „In den 70ern war im Leben der Frauen plötzlich immer weniger Platz für Hüte. Die Frau wurde berufstätig, der Hut war im Alltag oft nicht mehr praktisch genug.“

Helene Dietrich selbst hat ihr Leben lang Hüte getragen. Die Leidenschaft „gut behütet durchs Leben zu gehen“ sei immer schon da gewesen. Niemand Geringerer als die schrille Nina Hagen hat sich in einen Hut aus Frau Dietrichs Werkstatt verliebt. Auch Nationalratspräsidentin Barbara Prammer besitzt ein handgefertigtes Unikat der Eisenzickenerin. Das Klientel der Hutmacherin ist bunt gemischt.

Ob Frau denn ein gewisses Alter erreichen muss, um Hut tragen zu können? Die Antwort der Expertin: „Nein! Das richtige Modell zu finden, das ist das Entscheidende.“ Und das sagt sie nicht nur so, das lebt Helene Dietrich – stilvoll versteht sich.