Erstellt am 17. Oktober 2012, 00:00

„Ich war völlig weg“. Betäubt I / Erste Vorfälle von K.o.-Tropfen im Bezirk. Zwei Frauen können sich nach Besuch auf Veranstaltungen an „nichts mehr erinnern“.

Bachblütenfläschchen  |  NOEN, Christian Ammering (www.press-photo.at)
Von Vanessa Bruckner

BEZIRK / Dass bei einer „Panscherei“ selten etwas Gutes rauskommt, hat schon die Oma immer gesagt. Heute wissen wir, dass es lebensgefährlich werden kann, wenn man „gepanscht“ wird. Ein Ausdruck dafür, wenn einem, sogenannte, K.o.-Tropfen ins Getränk gemischt werden. Jetzt sind die ersten Vorfälle im Bezirk bekannt geworden.

„Ich bin umgefallen, war nicht mehr ansprechbar und bin erst am nächsten Tag im Krankenhaus wieder zu mir gekommen.“ Die 21-jährige Lisa K. geht bei einer Veranstaltung in Eisenberg buchstäblich zu Boden. Zwei Wochen später passiert dasselbe der 28-jährigen Nicole K. bei einem Konzert in Oberwart. Auch sie hat eine Gedächtnislücke von mehreren Stunden, klagt über extreme Übelkeit und Schwindel: „Ich habe an dem Abend zwei Achterl Wein getrunken, mehr nicht. Davon kippe ich normalerweise nicht gleich um.“

Von Security-Leuten aus der Halle getragen

Wer ihnen etwas ins Getränk gemischt hat, können beide Frauen nicht beantworten. Sie sind sich aber sicher, dass Drogen im Spiel gewesen sein müssen. „Das kann man mit einem Rausch nicht vergleichen. Ich war nicht betrunken, ich war vollkommen bewusstlos“, erzählt Lisa K., die von Sicherheitsleuten rausgetragen werden musste.

Ihre Mutter bringt sie sofort ins Krankenhaus Güssing. Dort gehen die Ärzte aber von einem Vollrausch aus. Etwas, das die 21-Jährige bis heute nicht versteht: „Es wurde kein Test durchgeführt. Wenn die von einem Rausch ausgehen, warum hat man den Alkoholtest verabsäumt oder mir nicht den Magen ausgepumpt?“

„Wir haben einen Drogentest gemacht, aber diese sind leider breit gefächert und sogenannte K.o.-Tropfen somit nur schwer nachzuweisen“, erklärt der Leiter der Internen Station in Güssing, Gerhard Puhr.

Lisa K. befindet sich nach dem Vorfall noch zwei Wochen im Krankenstand. Sie klagt über extreme Kreislaufbeschwerden und Übelkeit. Auch die Oberwarterin Nicole K. hat dieselben Symptome. Beide Frauen hatten am Ende aber Glück im Unglück, sie wurden keine Opfer von Gewalt und erholten sich auch körperlich wieder. Die Frage nach den Tätern, beschäftigt beide aber nach wie vor: „Da war eine Gruppe fremder Männer, die mir einen Drink spendieren wollten“, erzählt Nicole K. und ist sich sicher: „In Zukunft werde ich mein Glas beim Fortgehen nicht mehr aus den Augen lassen.“

„Hunde haben gebellt“

Die 28-jährige Oberwarterin Nicole K. ist davon überzeugt, dass Drogen im Spiel waren.

BVZ: Was ist an dem besagten Abend genau passiert?
Nicole K.: Ich war bei einer Veranstaltung in der Oberwarter Informhalle. Dort habe ich mit Freunden lediglich zwei Achterl Wein getrunken. Bereits nach kurzer Zeit wurde mir unglaublich schlecht, alles hat sich gedreht, ich konnte mich kaum mehr orientieren und bin auf die Toilette gewankt.

BVZ: Warum sind Sie so sicher, dass Drogen im Spiel waren?
Nicole K.: Ich bin kein Teenager mehr und weiß, wann es Zeit ist, mit dem Trinken aufzuhören. Außerdem hatte ich nur zwei Achterl getrunken, davon kippe ich normalerweise nicht gleich um. So etwas ist mir bis jetzt wirklich noch nie passiert. Ich konnte nicht mehr richtig gehen, keinen klaren Satz formulieren und hatte ein totales Blackout. Mir fehlen Stunden in meiner Erinnerung, da ist nichts.

BVZ: Wie erging es Ihnen am Tag danach? Haben Sie einen Arzt aufgesucht?
Nicole K.: Ein Freund hat mir später erzählt, dass er in der Früh´ bei mir zu Hause Sturm geläutet hat. Meine Hunde haben, so sagt er, wie verrückt in der Wohnung gebellt, aber ich hab davon rein gar nichts mitbekommen. Eigentlich unglaublich, denn jeder der mich kennt weiß, dass ich einen sehr leichten Schlaf habe. Der nächste Tag war die Hölle, ich hatte unglaubliche Kopfschmerzen und mir war extrem schlecht, ich konnte nichts essen. Zwei Tage später bin ich zum Hausarzt. Die Kopfschmerzen hielten sich eine Woche lang hartnäckig, außerdem war ich total fertig, richtig depressiv. Typische Symptome dafür, dass mir wohl jemand etwas ins Getränk gemischt hat – dieser Meinung ist übrigens auch mein Arzt.
  „Im Spital aufgewacht“

Lisa K. wird bewusstlos und braucht zwei Wochen, bis sie sich wieder erholt.

BVZ: Wo genau hat sich der
Vorfall zugetragen?
Lisa K.: Ich war mit Freundinnen bei einer Veranstaltung in Eisenberg. Bis dorthin hatte ich an diesem Abend keinen Schluck Alkohol getrunken. Wir waren zu fünft, jede von uns hat eine Runde Bacardi-Cola bestellt. Nach dem zweiten oder dritten Getränk, bin ich einfach umgefallen. Meine Cousine, die auch mit von der Partie war, konnte mich nicht mal mehr rausbringen. Scheinbar war eine Krankenschwester bei der Veranstaltung. Sie riet meinen Freundinnen, sofort mit mir ins Krankenhaus zu fahren. Am Ende wurde ich von Sicherheits-leuten aus der Halle getragen. Ich selbst weiß von all dem nichts mehr. Ich kann mich erst wieder erinnern, nachdem ich am nächsten Tag im Krankenhaus aufgewacht bin. Die anderen Mädels, die dasselbe wie ich getrunken hatten, hatten gar nichts. Ich vermute, dass mir jemand etwas ins Glas geschüttet hat, als ich es an der Bar abgestellt habe.

BVZ: Aber konkrete Beweise
haben Sie keine, oder?
Lisa K.: Leider nein, niemand hat etwas gesehen. Ich weiß aber, dass es an diesem Abend noch andere erwischt hat. Viele klagten über Übelkeit, einem andern Mädchen ging es auch extrem schlecht. Mich hat es wohl am schlimmsten erwischt.

BVZ: Wie lange haben die Symptome angehalten?
Lisa K.: Ich war eine Nacht im Krankenhaus und habe mich nur sehr langsam erholt. Die Kopfschmerzen waren gewaltig, ich konnte nichts essen und der Kreislauf machte total schlapp. Ich war nach dem Vorfall über zwei Wochen im Krankenstand, was auch total schlimm für mich war, da ich erst kurz davor einen neuen Job angefangen hatte.