Erstellt am 05. August 2015, 06:46

von Vanessa Bruckner

Okodo: „Sie wollten mich opfern“. Wer in Oberwart einkauft, kennt den gebürtigen Nigerianer John Okodo vielleicht. Die BVZ hat ihn nach seiner Geschichte gefragt.

Freundlich. John Okodo kam schwer verletzt auf einem Boot nach Europa. Heute lebt er in Wolfau. Foto: VB  |  NOEN, Vanessa Bruckner
Er heißt John, ist 35 Jahre alt und manchmal kaufen ihm die Leute etwas zu essen oder sogar eine seiner Zeitungen ab.

Und er lächelt. Fast immer. Wie der Mann aus Nigeria das schafft, fragt man sich allerdings, wenn man seine Geschichte kennt.

„Ich war ein Einzelkind, was in meinem Land ja eher die Ausnahme ist. Als dann meine Eltern starben, wollten mich die Einwohner aus meinem Heimatdorf für ein Ritual, das Geld und Segen verspricht, opfern.“

Als wir von der BVZ nachfragen, was genau er denn mit „opfern“ meine, bringt es der 35-jährige Asylwerber in einem Satz auf den Punkt. „Sie wollten mich umbringen.“

Gefährliche Reise ohne Plan und Ziel

John Okodo floh daraufhin aus seinem Dorf und suchte Schutz bei der Polizei - vergeblich. „Die tun nichts.“

Also flüchtete der Nigerianer nach Libyen, wo er acht Monate lang lebte. „Ich hatte dort sogar Arbeit, aber auch dieses Land ist sehr gefährlich, weil dort Krieg herrscht. Die Rebellen haben mich schwer verletzt. Ein Mann hat mir das Leben gerettet und mich mit auf ein Boot Richtung Italien genommen. Ich war lange Zeit bewusstlos und kann mich nicht mehr an allzu viel erinnern.“

Nach drei Tagen und Nächten auf hoher See erreichte John Okodo gemeinsam mit 150 anderen Flüchtlingen im Boot die Küste vor Lampedusa.

„Ein Schlepper hat mich dann nach Österreich gebracht. Ich hatte kein Geld, es ist schon ein Wunder, dass ich überhaupt hier bin, zumal es ja nicht mein Plan war, nach Österreich zu flüchten.“

Nach vier Monaten im Flüchtlingslager Traiskirchen kommt John nach Wolfau, wo er heute lebt. Täglich fährt er mit dem Bus nach Oberwart, um Zeitungen zu verkaufen. „Das darf ich, ganz offiziell. Aber richtig arbeiten lassen sie mich nicht.“ Die Menschen hier seien freundlich zu ihm - großteils. „Egal wo du bist, Hass gibt es überall. Liebe aber auch.“