Erstellt am 11. Juli 2012, 09:15

Sanfter Druck auf Mitglieder. MICHAEL PEKOVICS über Gewerkschafter, die ihre Sache wohl etwas zu ernst nehmen.

 |  NOEN
Wer seinen Job ernst nimmt, versucht ihn gut zu machen. Das gilt wohl auch für jenen Betriebsrat, der einem Mitarbeiter, der der Gewerkschaft den Rücken kehren wollte, ein Dokument mit dem Titel „Gewerkschaftsgegner“ vorlegte. Damit hat er weit übers Ziel hinaus geschossen. Es kann nicht sein, dass Mitgliedern, die nach einem Austrittsforumlar verlangen, ein Schreiben mit offiziellem Logo ausgehändigt wird, in dem steht, dass „der Arbeitgeber ermächtigt wird, den Gegenwert der durch die Gewerkschaften erreichten Verbesserungen … in bar einzubehalten“.

Auch wenn eine Unterschrift faktisch natürlich keine rechtlichen Auswirkungen hätte, so reicht das doch, um unwissende Arbeitnehmer unter Druck zu setzen. Der Betriebsrat argumentiert, er hätte nur vermitteln wollen, was die Gewerkschaft alles leistet. Dafür hätte aber auch ein – sicher leicht aufzutreibender – Folder gereicht. Dieses Verhalten ist eines Betriebsrats einfach nicht würdig –  auch wenn er vielleicht nur versucht hat, seinen Job gut zu machen. Dafür ist die „Drohung“ des Gehaltsverlusts einfach zu ernst.