Erstellt am 28. Mai 2014, 09:29

von Michael Pekovics

Lagerkampf um Jagd. Oberwart / Zwei Gruppen von Jägern „kämpfen“ um die Jagdpacht im Gebiet „Oberwart Nord“. Gibt es keine Einigung, wird die Jagd zur Versteigerung ausgeschrieben – in der ganzen EU.

Symbolfoto  |  NOEN, www.BilderBox.com (www.BilderBox.com)
Laut dem burgenländischen Jagdgesetz ist der Gemeinderat für die Vergabe der Jagdpachten in einer Gemeinde verantwortlich. In Oberwart gibt es derzeit zwei Jagdgebiete – Oberwart Süd mit 1.100 Hektar und Oberwart Nord mit 1.500 Hektar.

Sogar Amtsmissbrauchs-Verdacht im Raum

Für die kleinere Pacht gibt es nur eine Bewerbung, aber um die Pacht im Norden ist ein wilder Streit ausgebrochen: Auf der einen Seite steht eine Gruppe von circa zwölf Jägern mit dem bisherigen Jagdleiter Josef Kajter, auf der anderen Seite eine ebenso große Gruppe mit Tierarzt Thomas Neudecker und Gustav Benkö an der Spitze.

Im Zuge der Angelegenheit kam es sogar zu einer Anzeige wegen Verdacht des Amtsmissbrauchs gegen Kajter, die Staatsanwaltschaft Eisenstadt bestätigte diesbezügliche Ermittlungen der Polizei.

2/3-Mehrheit ist so gut wie ausgeschlossen

Gestern, Dienstag (nach Redaktionsschluss), traf sich der Jagdausschuss zu einer Sitzung, um über die Vergabe zu entscheiden. Dafür ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich, die aber unwahrscheinlich ist.

Im Gespräch mit der BVZ erklärt Neudecker seine Sicht der Dinge: „Wir sind circa zehn Oberwarter, die mit dem ehemaligen Jagdleiter nicht mehr können. Das beginnt bei abgehaltenen Sitzungen ohne Beschlussfähigkeit und endet bei Anzeigen gegen uns, weil sich Kajter bedroht fühlt. Wir sind nicht mehr bereit, uns beschmutzen zu lassen, das habe ich weder als Tierarzt noch als Jäger notwendig.“ Kajter war trotz mehrmaliger Versuche bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.

„Beide Lager sind total zerstritten“

Eine verzwickte Situation für die politischen Vertreter der Stadtgemeinde, schließlich handelt es sich bei allen beteiligten Personen um wahlberechtigte Bürger. „Ich hoffe auf eine Lösung, dass alle Oberwart Jäger jagen gehen können. Aber beim Runden Tisch im Rathaus hat sich heraus gestellt, dass beide Lager total zerstritten sind“, sagt Vize Dietmar Misik (SPÖ).

„Platz für alle hätten wir auf jeden Fall“, sagt auch Bürgermeister Georg Rosner, der „zwischenmenschliche Probleme“ als Ursache der Streitigkeiten vermutet. Seine Versuche, bereits im Vorfeld zu vermitteln, scheiterten: „Wenn es in der Sitzung am Dienstag zu keiner Einigung kommt, dann werden wir die Jagd ausschreiben müssen, und zwar EU-weit. Dann kommt die Versteigerung ins Landesamtsblatt, der Rufpreis wird von der Gemeinde festgelegt. Mitbieten kann dann aber jeder, der möchte, egal ob aus Oberwart, Österreich, Deutschland oder Italien.“ Für Neudecker wäre das die „politisch sauberste Lösung“.