Erstellt am 21. Mai 2014, 10:28

von Elisabeth Kirchmeir

Landwirt betrogen. Region / Eine Ungarin behauptete, schwer erkrankt zu sein. Bekannte gaben sich als Ärzte aus - Landwirt zahlte 140.000 Euro.

 |  NOEN, Erwin Wodicka
2011 hatte eine heute 36-jährige Ungarin den wohlhabenden 58-jährigen Landwirt aus dem Südburgenland kennengelernt. Die beiden gingen eine Beziehung ein, es gab auch sexuelle Kontakte. Es dauerte nicht lange, da begann die Ungarin, Geld von dem Landwirt herauszulocken. Sie behauptete, sie sei an Krebs erkrankt und benötige Geld für medizinische Behandlungen und Operationen.

Bauarbeiter in Tatplan eingeweiht

Später erzählte sie Lügengeschichten über ihre Mutter und ihren Sohn, die angeblich kurz hintereinander verstorben seien und für deren Beerdigung sie Geld benötige.

Der Landwirt zahlte, auch weil die Frau ihm versprochen hatte, er würde das Geld zurückbekommen, da sie noch Ansprüche aus Versicherungsverträgen und früheren Arbeitsverhältnissen habe. Im Dezember 2012 weihte die Ungarin einen 20-jährigen Bauarbeiter in den Tatplan ein. In weiterer Folge gab sich dieser als Schweizer Arzt mit Ordination in Budapest aus.

Der 20-Jährige, der gut Deutsch spricht, behauptete, er sei „Dr. Steinberger“ und würde die Ungarin behandeln, die an Brustkrebs leide.

Bekannte gaben sich als Ärzte aus

Später trat auch noch der 32-jährige Onkel des 20-Jährigen als Arzt auf, der unter anderem vorgab, er brauche Geld für die Behandlung nach einem Herzinfarkt und für die Begräbniskosten nach dem Unfalltod seiner Ehegattin.

Einmal übernahm die 18-jährige Freundin des 20-Jährigen Geld vom Landwirt, der bis zuletzt den Schwindlern geglaubt hatte. „Ich bin ein leichtgläubiger Mensch“, gab das Opfer der Machenschaften zu. Der 20-jährige „Dr. Steinberger“ sei äußerst überzeugend aufgetreten: „Er beherrschte das perfekt, entwickelte eine kriminelle Energie - ich habe ihm zu hundert Prozent vertraut“, sagte der Landwirt.

Angeklagte müssen 85.000 Euro zurückzahlen

Noch im Dezember 2013 hatte er 6.600 Euro an die Betrüger übergeben, insgesamt sollen ihm 140.000 Euro herausgelockt worden sein.

Die vier Ungarn mussten sich nun wegen schweren, teilweise gewerbsmäßigen Betruges vor Gericht verantworten. Sie verantworteten sich geständig, behaupteten aber, es habe sich um geringere Beträge gehandelt. Vorige Woche wurden alle vier Beteiligten zu (teil-)bedingten Haftstrafen zwischen sechs und 24 Monaten verurteilt. Die Haupttäterin blieb in Haft, alle anderen wurden enthaftet.

Insgesamt müssen die vier Angeklagten knapp 85.000 Euro an den Landwirt zurückzahlen, zusätzlich zu jenen 15.000 Euro, die der 32-jährige Angeklagte bereits im Gerichtssaal an das Opfer übergeben hatte. Die Urteile sind aber noch nicht rechtskräftig.

BVZ.at hatte bereits am Freitag von dem Prozess berichtet: