Erstellt am 01. August 2012, 00:00

Leben, einmal anders …. BEWUSSTSEIN / Der Josefshof in Großpetersdorf ist mehr, als bloß ein alter Gutshof. Er ist eine Hommage an alte Lebensweisen. Eine „gelebte“ Hommage, wohlgemerkt!

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VON VANESSA BRUCKNER

GROßPETERSDORF / „Josefshof“, steht da. Tor auf, Tor zu und reinspaziert. Klingel gibt’s keine. Wozu auch, schließlich ist unangemeldeter Besuch immer willkommen. Ein Blick nach rechts: da kraxeln vier Jungs auf einem Baumhaus herum und spielen lautstark Indianer, oder sonst was. Auf jeden Fall scheinen sie mächtig viel Spaß zu haben. Es folgen Lara, der Hund, Sonnenblume die Katze, Franz-Josef, seines Zeichens Hausesel und jede Menge andere Tiere. Neben herrlichen Pflanzen, Ackerland, einer alten Wehr inklusive Teich zum Planschen ist der Josefshof an sich ein alter Gutshof am Rande von Großpetersdorf. Hier leben Mario, Margit und Conny mit ihren vier Kindern – auf etwas andere Art und Weise, wie es der Großteil der Gesellschaft eben so gewohnt ist.

„Tausendprozent Bio“ und  eine Waschmaschine

„Der Josefshof ist ein Verein zu Erhaltung guter, alter Lebensweisen“, erklärt mir die 32-jährige Conny. „Wir sind weder Aussteiger, noch Esoterik-Freaks und schon gar keine Kommune.“ Eher eine WG, in der die Bewohner die gleichen Interessen und Werte teilen – das trifft`s schon eher. Das Leben am Josefshof ist vollkommen auf Mutter Natur ausgerichtet und auf das, was sie zu bieten hat. Die frische Milch gibt’s von der Kuh, Gemüse, Obst und alles andere, was Mensch zum Leben braucht, stammt ebenfalls ausschließlich aus eigenem Anbau. „Wir betreiben eine Landwirtschaft ohne jegliche Förderungen vom Staat“, berichtet Mario, und Margit fügt hinzu: „Ein Leben wie zu Großmutters Zeiten eben. Nur in Kombination mit modernen, praktischen Dingen wie beispielsweise einer Waschmaschine.“ Auf Wäsche waschen im Fluss steht sich nämlich keiner der Bewohner sonderlich.

Einen „Ab-Hof Verkauf“ der tausendprozentig biologischen Produkte des Josefshofes gibt es nicht. Trotzdem schlendert eine Dame mit Einkaufskorb über den Hof. „Wir geben unsere Sachen gegen eine freie Spende her. Bei uns dreht sich nicht alles ums Geld“, so Mario. Schaden sei ihnen durch diese Lebensweise noch nie entstanden.

Gästeliste: vom Minister bis  hin zur Hausfrau und Mutter

Der Hof ist bei Insidern und Freunden beliebt und bekannt. Erntehelfer, jemand der ein WC installieren kann oder einfach nur ein netter Freund, der Holz hackt – kein Thema. Am Hof hilft jeder gerne mit. Julia Graf aus Großpetersdorf ist eine davon: Sie schaut mit ihren Kindern regelmäßig am Josefshof vorbei: „Ich finde es unglaublich schön, dass meine kleinen Töchter hier noch zusehen können, woher die Milch kommt. Ich selbst packe auch gerne mit an.“

Der 14-Jährige Kai stammt aus Großpetersdorf und hilft in den Ferien Vormittags ein wenig am Josefshof mit. „Meine Mama will nicht, dass ich den ganzen Tag Computer spiele“, erklärt er schmunzelnd. Wenige Minuten später trudelt ein anderer Bub aus dem Ort ein. „Dem gefällt es hier auch und außerdem ist er bei uns gut aufgehoben, bis seine Eltern von der Arbeit nach Hause kommen,“ sagt Mario. Das glaubt man ihm sofort, denn traumhafter als am Josefshof, kann ein Kind die Ferien nicht verbringen.

Aber auch Erwachsene lieben den Hof. Menschen mit Burnout, Nachbarn, die auf einen Kaffeetratsch vorbeikommen, oder ein Polizist und sogar ein Minister, die bei der Heuernte einfach mal abschalten wollen – jeder, der ehrliches Interesse am Hof und seinen Bewohner zeigt, ist herzlich willkommen. Was dieser Ort ausstrahlt, liegt mit Sicherheit vor allem an seinen Bewohnern. Genau kann man es gar nicht so recht erklären. Conny versucht es zumindest: „Wie wir am Josefshof leben, wär vor 80 Jahren nichts Besonderes gewesen. Heute eben schon.“

Benny, Mario, Margit, Timmy, Leon, Conny und Hündin Lara leben seit einigen Jahren am Josefshof. Tochter Ira fehlt auf dem Bild. Sie arbeitet als Gärtnerin. „Unsere Älteste hat ihre Liebe zur Natur zum Beruf gemacht“, freut sich Papa Mario Pichlmaier.

VANESSA

Der kleine Leon beim Kuscheln mit seiner „Freundin“. Der Junge liebt das Leben auf dem alten Gutshof und hat eine ganz besonders herzliche Beziehung zu seinen vierbeinigen Freunden.