Erstellt am 26. Januar 2011, 00:00

Lehrlinge bitte kommen. ARBEITSMARKT / Sowohl im Bezirk Güssing, als auch im Bezirk Jennersdorf gibt es mehr offene Lehrstellen als Suchende.

VON SARAH WAGNER UND CARINA GANSTER

BEZIRKE / Der Mangel an Lehrstellen ist zu einem Dauerthema geworden, das vor dem Hintergrund von mehreren Tausend Jugendlichen, die momentan keine Lehrstelle in Aussicht haben, an Aktualität gewonnen hat. Doch sind die Lehrstellen wirklich so rar, oder sind die Anforderungen der Unternehmer gestiegen? Fast genau zu Ende des Semesters müssen sich wieder viele Jugendliche entscheiden, ob sie weiterhin die Schule besuchen, oder sich auf die Suche nach einer Lehrstelle machen.

Kein leichtes Unterfangen, weder für die Jugendlichen, noch für die Betriebe in der Region. Die Anforderungen werden immer höher und die Motivation der Jugendlichen sinkt stetig. Für die Jugendlichen, die nach der obligatorischen Schulzeit nicht direkt den Weg über das Gymnasium zu den Hochschulen einschlagen, stellt eine Lehrstelle eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Berufsleben dar. Ohne abgeschlossene Lehre sind die Einkommensperspektiven deutlich reduziert, bleibt der berufliche Aufstieg oft begrenzt und ist das Risiko der Arbeitslosigkeit erhöht. Die Wirtschaft findet keine brauchbaren Lehrlinge mehr.„Viele Schulabgänger sind einfach zu schlecht für einen Ausbildungsplatz“, sagt Harald Braun, Chef des AMS in Jennersdorf. Schockiert zeigt sich Braun auch von den Lehrstellenabbrüchen im vergangenen Jahr. „Die Zahl ist so hoch, wie schon lange nicht mehr. Im letzten Jahr haben fünf Jugendliche die Lehre abgebrochen.“

Im Bezirksvergleich ist eines ganz klar. In Güssing und Jennersdorf gibt es mehr offene Stellen als Lehrstellensuchende, im Bezirk Oberwart sieht die Sache ganz anders aus. Dort sind 64 Jugendliche auf Lehrstellensuche und nur 26 Lehrstellen sind frei. Es ist quer durch alle Branchen schwierig für Betriebe, Lehrlinge zu finden, vor allem im Gastgewerbe, wegen der unregelmäßigen Diensteinteilung. „Außerdem ist, so wie in Stegersbach, der gehobene Tourismus im Vormarsch, wo es gute Bezahlung und geregelte Dienstzeiten gibt. Trotzdem finden sich wenig Lehrlinge. Die Jugendlichen gehören sensibilisiert, da der Tourismus in der Region eine ganz große Chance darstellt“, meint AMS Stegersbach-Chef Manfred Herist. Auch im Balance Resort Stegersbach ist man ständig auf Lehrlingssuche. „Wir bieten jedes Jahr sechs bis sieben Jugendlichen eine Lehrstelle an. Es gibt wenige Berufe, in denen man am Tag nach seinem Lehrabschluss in der ganzen Welt sofort einen Job bekommen kann – der Tourismus gehört dazu“, meint , Balance Ressort Direktor Manfred Kucher.

Auch Landesrätin Verena Dunst spricht sich dafür aus, dass Vorurteile gegen Tourismus abgebaut werden, Mut gemacht und die Branche „Tourismus“ als Chance erkannt wird: „Denn auch hier ist Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch in der Praxis realisierbar.“

 


FRAGE DER WOCHE

Josef Puchas, Hotelier, Stegersbach: „Offenheit, Freundlichkeit, Aufrichtigkeit und Herzlichkeit ist mir in meinem Unternehmen wichtig, also die elementaren Grundbedürfnisse Bitte und Danke sagen selbstverständlich auch. Der praktische Hausverstand zählt und nicht nur die Noten.“

Josef Unger, Geschäftsführer, Unger Steel Group: „Wir sind mit den Lehrlingen und deren Leistung sehr zufrieden. Fachkräfte sind von großer Bedeutung – deshalb legen wir großen Wert auf die Ausbildung und bieten nach dem Lehrabschluss die Möglichkeit, als Facharbeiter tätig zu sein.“

Karl Reiter, Hotelier aus Bad Tatzmannsdorf: „Für uns ist das Menschliche wichtiger als das Sachliche. Wir suchen permanent. Die Lehrlinge müssen keine Künstler sein, aber fleißig. Es gibt oft Lehrlinge, die schlechte Zeugnisse hatten, es aber zu exzellenten Arbeitern gebracht haben.“