Erstellt am 07. August 2014, 11:05

von Claudia Hochwarter und Vanessa Bruckner

Ein Sammler sammelt ... alles.. Zu Besuch bei Hans Studer, der wiederum ein Unikat seiner „Spezies“ ist. Es gibt nichts, was der Kreativbolzen aus Kemeten nicht hat. Ungelogen!

»Teufelsrad«. Es gibt fast nichts, was Hans Studer nicht hat. Dieses hundert Kilo schwere Monstrum aus Eisen und Holz ist eines seiner Lieblingsspielzeuge. Kein Wunder, der Schnäppchenjäger hat ein Faible für alles, was fährt.  |  NOEN, Hochwarter

Zeit. Die braucht man, um alle Schätze von Hans Studer begutachten zu können. In jedem Gebäude, in jedem Winkel seines Grundstückes finden sich unzählige Dinge. Von Schaukelpferden oder Dreiradler über diverse Oldtimer bis hin zu riesigen Mahlsteinen sowie Schwung- und Zahnrädern. Doch des Studers eigentliche Leidenschaft sind Kurbelgeräte jeglicher Art, wie Bröselreiben, Fleischwölfe, kurbelbetriebene Nähmaschinen, Bleistiftspitzer oder Kaffeemühlen. Besonders jene Stücke mit kunstvoll verzierten Kurbeln haben es dem Kemeter angetan. „Früher haben die Menschen noch viel mehr Wert auf schöne Details gelegt“, erzählt Hans Studer beim Durchstöbern und zeigt auf ein Stück, dessen Griff einem Fisch ähnelt.

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Seine Schätze findet der leidenschaftliche Sammler überall und irgendwo: auf Flohmärkten oder Haushaltsauflösungen sowie Schrottplätzen oder Sammlerbörsen. Auch die Dorfbewohner oder andere Sammler tragen ihm immer wieder Dinge zu. „Man kennt sich,“ verrät Studer. Auch Ebay hat der gebürtige Hocharter ausprobiert: „Das ist enorm aufwendig und zahlt sich am Ende nicht aus, danke, aber das brauch ich nicht.“

Bei so vielen unterschiedlichen Sammlungen den Überblick zu behalten, erscheint nicht leicht. Herr Studer allerdings weiß selbstverständlich ganz genau, wo sich „dieses eine Teil“ unter Hunderten anderen befindet.

Auf die Frage nach seinem ganz persönlichem Lieblingsstück führt uns der Kreativbolzen schnurstracks in die Garage. Und ja, sein liebstes Teil ist definitiv nicht zu übersehen, denn es füllt den gesamten Raum aus: ein Kranwagen Magirus KW 16 mit 25 Tonnen Eigengewicht aus dem Jahr 1965. Der Bergewagen, der einst der Wiener Feuerwehr gehörte, ist sein größter Schatz, noch dazu mit Seltenheitswert. Weltweit wurden davon nur 39 Stück gebaut.

Pedale aus Hufeisen und genetische Leidenschaft

Auf die Frage, ob er sich schon mal von etwas aus seiner Sammlung getrennt hat, antwortet Studer: „Notgedrungen musste ich einiges hergeben. Ich habe beispielsweise einen Großteil meiner Honda Monkeys verkauft. Nur drei habe ich behalten, zwei für meine Söhne und eine für mich.“

Die zwei Studer-Jungs, der eine drei und der andere fünf Jahre alt, teilen die Leidenschaft ihres Vaters sichtlich. Die beiden Vifzacks kennen alle Gerätschaften in der Sammlung ihres Vaters nicht nur beim Namen, sondern wissen auch ganz genau, um welche Typen und Marken es sich handelt.

Nicht nur industriell gefertigte, motorisierte Fahrzeuge besitzt Hans Studer, auch selbst zusammengebaute aus Metall, die mittels Pedale, beispielsweise aus Hufeisen, zu bewegen sind. Solche Einfälle sind nicht selten bei dem Tüftler, der uns am Ende verrät: „Mein nächstes Projekt ist es, einen Pkw-Anhänger als Wandermuseum umfunktionieren. Man könnte ihn mit verschiedenen Exponaten füllen.“ Ob er sich angesichts der Menge an Möglichkeiten auf die wenigen Stücke, die in einen Hänger passen, beschränken kann, ist fraglich. Vielleicht wäre ein Lkw-Anhänger doch die bessere Entscheidung.