Erstellt am 15. Dezember 2010, 00:00

Lesen und Verstehen mehr fördern. PISA-STUDIE / Sieben burgenländische Schulen haben beim PISA-Test mitgemacht. Die BVZ hat mit den Landesschulinspektoren gesprochen.

In einem Punkt sind sich alle Schulinspektoren einig: Die schlechte Lesekompetenz der Schüler muss verbessert werden. Hier müssen alle Schulformen mit anpacken.  |  NOEN
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VON EVA-MARIA LEEB

BURGENLAND / Österreichs Schüler landen in der PISA-Studie vor allem bei der Lesekompetenz weit hinten. Auch sieben Schulen im Burgenland haben an der Studie teilgenommen. Getestet wurden 15- bis 16-jährige Schüler in den verschiedensten Schultypen, wie HAK, AHS, Berufsschule, Polytechnikum oder Sonderschule.

Nicht nur die Schulen, auch  die Eltern sind gefordert

Auf die Frage, warum die Lesekompetenz der Schüler so schlecht ist, sagt Mag. Nikolaus Steiger, Landesschulinspektor der Berufsbildenden mittleren und höheren Schulen: „PISA, als Sprachtest gesehen, stellt unsere Lesekultur auf den Prüfstand. Es gibt genug Studien zum Leseverhalten, die belegen, dass das Leseinteresse kontinuierlich sinkt. Der erste Einbruch erfolgt zwischen dem achten und zehnten Lebensjahr, der zweite zwischen dem 11. und 13. Lebensjahr. Durch diesen ‚Leseknick‘ geht dann viel an Kompetenz verloren beziehungsweise unterbleibt eine Weiterentwicklung.“

Mag. Jürgen Neuwirth, Landesschulinspektor der Allgemein bildenden höheren Schulen, sagt dazu: „Die Lesekompetenz wächst, wie auch viele andere Kompetenzen, durch Beschäftigung mit der Materie. Da jedoch Schüler bereits ab der Volksschule immer weniger aus eigenen Stücken lesen, fehlt hier einfach die Übung. Die Unterrichtzeit reicht sicher nicht für alle Schüler aus, um die für sie notwendige Übung zur Festigung der Lesekompetenzen zu erlangen. Daher ist es besonders wichtig, dass die Kinder auch zu Hause zum Lesen motiviert werden. Die Schule kann und muss hier Impulse setzen, um den Kindern das Lesen schmackhaft zu machen. Allerdings ist auch die Unterstützung der Eltern unbedingt notwendig.“

Dem kann auch Ing. Friedrich Luisser, Landesschulinspektor der berufsbildenden Pflichtschulen nur zustimmen: „Aus meiner Sicht wird zu wenig gelesen - vor allem meine ich, dass wir uns zu wenig Zeit zum Üben und Festigen nehmen. Hier sind Eltern und Lehrpersonen sicher gefordert.“

Erwin Deutsch, Landesschulinspektor der allgemeinbildenden Pflichtschulen weist darauf hin, „dass unsere Schüler beim Ermitteln von Informationen relativ gut sind, aber beim Kombinieren und Interpretieren schlechter sind. Relativ schwach sind sie, wenn sie den Inhalt oder die Struktur eines Tests zu reflektieren oder zu bewerten haben.“

Im Durchschnitt würden sich die österreichischen Schüler also seltener als anderswo aktiv mit dem Gelesenen auseinandersetzen, hier liege anscheinend ein Mangel. Im Vergleich zu anderen OECD-Ländern würden, laut Deutsch, die Schüler weniger oft dazu angeregt, die Bedeutung eines Textes zu erklären, das Gelesene mit dem Vorwissen zu verknüpfen und mit dem Leben in Bezug zu setzen. Das sei aber nur ein Aspekt. „Der Bereich der Früherziehung, also im Kindergarten und in der Vorschule, genießt in Österreich nicht den gleichen Stellenwert wie in anderen Ländern. Auch die gesamte Problematik der frühen Selektion schon im Alter von zehn Jahren muss hinterfragt werden, genauso wie der gesamte Bereich der Lehrerausbildung. Bei genauerer Analyse der PISA-Ergebnisse gibt es bestimmt noch mehr Punkte, die berücksichtigt werden müssten.“