Litzelsdorf

Erstellt am 15. Juli 2017, 08:49

von Vanessa Bruckner

Franz Potzmann: Burgenlands Möbel-Yogi. Franz Potzmann ist Kunsttischler. Und Visionär. Und hat obendrauf viel zu erzählen. Von Holz und der richtigen Politur - vor allem fürs Herz.

Unikat. Tischlermeister Franz Potzmann in seiner Werkstatt in Litzelsdorf. Seit mittlerweile zehn Jahren bietet er auch Restaurationskurse in seinen Räumlichkeiten an.  |  BVZ, Vanessa

Wäre er ein Baum, dann definitiv eine g´standende Eiche, denn Franz Potzmann, den haut so schnell nix um im Leben. Zumindest nicht im Berufsleben, denn hier hat es der 51-jährige Kunsttischler geschafft, sich ständig selbst neu zu erfinden.

Entscheidung nicht bereut

Der gelernte Bautechniker hat die Schulbank in der HTL gedrückt und danach seine berufliche Laufbahn in der Baubranche gestartet. „Aber irgendwann wurd es fad in dem Job und ich wusste, ich möchte etwas vollkommen Neues machen.“ Gesagt, gelernt und Tischlermeister geworden. Zugegeben, so einfach war es freilich nicht, aber Franz Potzmann hat die Entscheidung, den Beruf zu wechseln, bis heute nicht bereut. In seinem alten Bauernhof in Litzelsdorf hat sich der Südburgenländer auf die Restauration von alten Möbeln spezialisiert und ist heute als Kunsttischler tätig.

„Mit mir gibt es vielleicht noch zwei, drei andere im Burgenland, die das können, was ich mache. In der Stadt sind es freilich ein paar Kunsttischler mehr“, so Potzmann, der anfügt: „Ich restauriere eigentlich fast alles, was aus Holz gemacht wurde. Das taugt mir an meinem Beruf am meisten, die Abwechslung.“ Natürlich bleiben aber manche Möbelstücke in besonderer Erinnerung.

„Einmal durfte ich einen Tisch aus dem Schloss Belvedere restaurieren, der war weitaus mehr wert, als unsereins in einem Jahr verdienen kann. Da strengt man sich natürlich ganz besonders an.“

Teilnehmer sind so bunt wie deren Möbelstücke

Wie viele tausende Stunden er bereits in seiner Werkstatt verbracht hat, kann der gebürtige Bocksdorfer schon lange nicht mehr zählen, nur so viel: „Keine davon war umsonst.“

Und weil ihm sein Beruf so viel Freude bereitet, hat Franz Potzmann vor mittlerweile sieben Jahren beschlossen, sein Fachwissen an andere Menschen weiterzugeben, und bietet laufend Restaurationskurse in seiner Werkstatt an. „Im Schnitt sind es fünf Kurseinheiten pro Jahr zu je fünf Tagen mit maximal fünf Teilnehmern, sonst macht das Arbeiten einfach keinen Sinn, denn jedes Möbelstück braucht seine Zeit“, erklärt der Fachmann. Seine „Schüler“ reisen sogar extra aus dem Ausland an. „Ich habe immer wieder Teilnehmer aus Deutschland, Südtirol oder der Schweiz, aber auch viele Interessierte aus der Umgebung, was mich natürlich immer ganz besonders freut.“

Rund 600 Nächtigungen hat er der Region schon „eingebracht“, denn „fast alle nehmen ihren Partner oder gleich die ganze Familie zu mir nach Litzelsdorf mit“.

Restaurationskurse extrem beliebt

So bunt und vielfältig wie die Kursteilnehmer, so zauberhaft und unterschiedlich sind auch die Möbelstücke, die sie im Gepäck haben. „Die Leute besitzen wirklich die tollsten Sachen. Ich erinnere mich beispielsweise an ein Stück aus der Renaissance, eine furnierte Klosterarbeit, wirklich ganz außergewöhnlich. So etwas sieht man sonst meist nur auf Bildern. Da macht die Restauration natürlich gleich doppelt so viel Spaß.“

Sieben Stunden täglich dauern die Kurse, die Franz Potzmann auf seinem idyllischen Hof in Litzelsdorf anbietet.

Außerdem organisiert der Tausendsassa auch gemeinsame Ausflüge wie beispielsweise ins Thonet Museum nach Friedberg aber auch kulinarische Abstecher im Südburgenland stehen am Programm. „Fad wird den Leuten bei mir bestimmt nicht. Und ein Möbelstück restaurieren, hat vor allem auch eine meditative Wirkung. Das ist wie Yoga mit einer Extra-Politur obendrauf.“