Erstellt am 16. Januar 2013, 00:00

„Loch-auf-Loch-zu“ von Finanzberater. Betrug /  Der Angeklagte soll Provisionsvorschüsse für Verträge kassiert haben, für die er selbst die Raten hätte zahlen sollen.

Von Elisabeth Kirchmeir

BEZIRK OBERWART / Dem 48-jährigen Wirtschaftsberater aus dem Bezirk Oberwart ging es, als er vorige Woche in Eisenstadt vor Richter Mag. Alfred Ellinger stand, sichtlich nicht gut. „Er leidet an einer Herzmuskelverdickung“, erklärte sein Anwalt. „Die Ärzte empfahlen ihm, sich keiner Stresssituation auszusetzen.“

Angeklagter musste 

Der Angeklagte musste mehrmals den Verhandlungssaal verlassen, der Richter brach die Verhandlung schließlich ab und vertagte den Prozess.

Vorgeworfen wird dem 48-Jährigen, dass von einem bekannten Finanzdienstleistungsunternehmen Provisionen für Verträge kassiert haben soll, die auf etwas seltsame Weise zustande gekommen waren und für die keine Raten bezahlt wurden. Dem Finanzdienstleistungsunternehmen soll dadurch ein Schaden von knapp 30.000 Euro entstanden sein.

Der Wirtschaftsberater bekannte sich in der Verhandlung nicht schuldig. Er gab zu, dass es bei der Abwicklung von Verträgen zu Problemen gekommen sei, jedoch habe er nicht die Absicht gehabt, das Unternehmen zu prellen.

Finanzverträge auch für Säugling abgeschlossen 

Insgesamt geht es um 20 Verträge für Finanzprodukte, die der Angeklagte für seine Mitarbeiterin und seinen Sohn, der sich damals noch im Säuglingsalter befand, von 2009 bis 2012 abgeschlossen hat. Die monatlichen Raten in der Höhe von 3.000 bis 4.000 Euro hätte er selbst bezahlen müssen, doch er blieb das Geld schuldig, die Verträge wurden storniert.

Die Provisionsvorschüsse waren bereits ausbezahlt worden. Wird ein Vertrag storniert, so muss üblicherweise auch die Provision zurückbezahlt werden. Das Verrechnungskonto des Angeklagten beim Finanzdienstleistungsunternehmen befindet sich jedoch mit rund 110.000 Euro im Minus.

„Damit ist er im Zeitraum meiner bisherigen Tätigkeit leider rekordverdächtig“, erklärte ein Prokurist des Finanzdienstleistungsunternehmens, der sich mit der Prüfung der faulen Verträge befasst. Ein derartig großes Minus lasse sich nur mit einer „Loch-auf-Loch-zu“-Methode erklären.