Erstellt am 15. April 2016, 13:07

von NÖN Redaktion

Mann schoss unter Drogeneinfluss: 10 Monate Haft. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab.

 |  NOEN, privat

Weil er im Jänner unter Drogeneinfluss um sich geschossen und dabei seine Lebensgefährtin schwer verletzt haben soll, ist ein 50-jähriger Südburgenländer am Donnerstag in Eisenstadt zu zehn Monaten Haft und Einweisung in eine Anstalt für entwöhnungsbedürftige Rechtsbrecher verurteilt worden.

Der Beschuldigte, ein ausgebildeter Diplomkrankenpfleger, der sich in den vergangenen Jahren als freiberuflicher Musiker betätigt hatte, musste sich wegen Begehung einer mit Strafe bedrohten Handlung im Zustand voller Berauschung und Vergehen nach dem Waffengesetz vor Eintelrichter Alexander Glanz verantworten. Vor Gericht erzählte der Mann, dass er einen 160 Jahre alten Gutshof im Südburgenland umbauen wollte, den er gemietet hatte.

"Es war ein Schock für mich"

Doch statt das Mietverhältnis in ein dauerhaftes umzuwandeln, habe ihm seine Vermieterin im Herbst des Vorjahres mitgeteilt, "dass ich dieses Anwesen mit Sack und Pack räumen muss. Das war natürlich ein Schock für mich. Ich wollte dort eine Kultur- und Kunstdomäne einrichten", schilderte der 50-Jährige. In der Folge habe er begonnen, seine Sachen "busweise" zu seinen Eltern zu bringen.

Am 14. Jänner, als der Umzug noch nicht abgeschlossen war, kam es dann zu dem Zwischenfall, bei dem seine 38-jährige Lebensgefährtin schwer verletzt wurde. Zuvor habe er - nach zweijähriger Abstinenz von harten Drogen - Kokain gekauft, erzählte der Beschuldigte. "Ich habe nicht gedacht, dass Kokain eine so fatale Auswirkung auf mich haben könnte". Nachdem er die Droge an zwei Tagen zu sich genommen habe, habe er "massiv halluziniert": "Ich habe gedacht, jemand will mich umbringen."

"Au, mich hats erwischt"

Als er dann auch noch Schritte im Haus hörte, habe er zwei Waffen aus dem Kasten genommen, geladen sowie entsichert und eine davon seiner Freundin gegeben. Er könne sich noch erinnern, dass er im Vorzimmer einen Mann vermutete, deshalb habe er seine Freundin in eine Ecke gezogen. Dabei seien beide über einen CD-Ständer gefallen und er habe einen Schuss gehört.

Der Richter wollte wissen, ob er sich auch noch erinnern könne, dass seine Freundin gesagt habe: "Schatzi, du hast mich angeschossen". "Sie hat gesagt: 'Au, mich hat's erwischt'", antwortete der Burgenländer. Vor dem Sturz habe er einige Schuss in Richtung Wohnzimmer abgefeuert. Und schließlich erinnere er sich auch daran, dass er später zu den Polizisten gesagt habe: "Bitte erschießt mich."

Eindeutig nicht zurechnungsfähig

"Er war nicht er selber, es ist schwierig zu beschreiben", gab die 38-Jährige zu Protokoll. Sie hatte einen Oberschenkeldurchschuss an der Rückseite des linken Beines erlitten. Zum Glück waren keine großen Blutgefäße verletzt worden. "Das war ganz sicher nicht geplant", meinte die Frau. Ihrer Meinung nach sei der Beschuldigte "eindeutig nicht zurechnungsfähig" gewesen, als der Schuss fiel.

"Es hat zum Tatzeitpunkt jedenfalls Zurechnungsunfähigkeit vorgelegen", kam der psychiatrische Sachverständige zur selben Schlussfolgerung. Der Angeklagte habe sich allerdings aufgrund seiner Vorgeschichte der Wirkung der Drogen bewusst sein müssen.

Richter Glanz sprach den 50-Jährigen schuldig und verurteilte ihn zu einer zehnmonatigen Haftstrafe und zur Einweisung. Bezüglich eines weiteren Vorfalls, bei dem er bei seinen Eltern im Haus mit einer abgesägten Schrotflinte umhergegangen sein soll, wurde der Beschuldigte vom Vorwurf, die Mutter bedroht zu haben, frei gesprochen.

Der Beschuldigte stimmte zu, eine Therapie machen zu wollen. "Nicht die Haft plagt mich - das Gewissen", meinte er im Hinblick auf die Verletzung seiner Freundin.

BVZ.at berichtete: