Erstellt am 24. Juli 2013, 00:00

Mit Ochse in die Freiheit. Ungewöhnliches Gespann / Eine junge Frau aus Deutschland zieht mit Ochse und Hund
durch die Lande. Dabei landete das ungewöhnliche Trio in Großpetersdorf.

Ausnahmeerscheinung(en). Ochse »Lothar«, Eva Scheinost und Hündin »Piz« wandern gemeinsam durch dick und dünn und viele Länder. Vanessa  |  NOEN, Vanessa
Von Vanessa Bruckner

GROSSPETERSDORF / Die Frage nach dem „Warum“ nervt Eva schon, aber „das ist eben der Preis für mein Leben auf Reisen“, weiß die resolute 31-Jährige. Deshalb antwortet Eva zum gefühlten tausendsten Mal auf alle Fragen, die ihr die neugierige Journalistin vis-á-vis stellt. Mal mehr, mal weniger gerne - aber dabei immer so ehrlich, dass es fast schon ein bisserl unangenehm ist. Nicht der Eva, sondern mir, also derjenigen, die sie mit Fragen löchert.

„Pferde mag ich nicht, also kaufte ich Lothar"

Warum sie also mit einem Ochsen vor einem Karren monatelang allein durch die Lande zieht?! „Die Antwort auf diese Frage wechselt mit jeder meiner Reisen. Das Warum, das ändert sich nämlich und am Ende auch immer mich selbst“, erklärt Eva Scheinost, die aus Passau im benachbarten Deutschland stammt.

„Das“ hat sie schon einmal gemacht. Vor fünf Jahren, da packte sie auch einen Rucksack und einen Karren und machte sich auf den Weg. Allerdings zog sie den Karren damals selbst, heute macht das der Lothar für die Eva. Lothar ist ein Ochse, ein recht stattlicher noch dazu. Dabei bereut es die Eva schon des Öfteren, den Lothar mit auf Reisen genommen zu haben. „Ich wollte luxuriöser reisen als beim letzten Mal. Pferde mag ich nicht, also hab ich mir einen Ochsen gekauft. Letzten Endes muss ich feststellen, dass ich ohne Lothar vor dem Karren schneller unterwegs sein könnte“, so Eva schmunzelnd.

Zwei T-Shirts, zwei Hosen, Socken und Unterwäsche - mehr braucht die hübsche junge Frau aus Passau nicht. Sie schläft im Zelt, Lothar auf der Wiese. Und dann ist da noch die vife „Piz“— Evas Hündin, die den ganzen Tag damit beschäftigt ist, Lothar auf dem rechten Weg zu halten. Fünf Stunden pro Tag laufen die Drei, dann machen sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz. „Ich frage nach einer Wiese, auf der ich mein Zelt und Lothar parken darf“, erklärt die junge Wandersfrau. So landete sie kürzlich auch in Großpetersdorf am Josefshof. „Zuerst dachte ich, ich seh nicht recht, als das Mädl mit Ochse und Hund vor unserem Tor stand“, erzählt Mario Pichlmaier lachend.

„Die Menschen sind gar nicht so schlecht"

Eigentlich wollte Eva ja Richtung Westen laufen. „Aber Großpetersdorf ist doch eher im Süd-Osten“, gesteht die gelernte Bildhauerin lachend. Wie lange sie unterwegs sein wird, weiß die Frau auf Reisen nicht. Und noch einmal auf das „Warum“ zurückgekommen, sagt Eva abschließend: „Es ist jeden Tag eine kleine Sensation für sich, wenn ich erlebe, wie offen die Leute mir gegenüber sind. Weit weg von Fernsehen und Zeitung stellst du am Ende fest, dass die Menschen gar nicht so schlecht sind, ganz im Gegenteil. Die Frage nach einem Schlafplatz ist allerdings fast immer teuer erkauft, schließlich muss ich dafür jeden Tag aufs Neue meine Geschichte erzählen, mich und mein Handeln erklären. Aber alles hat seinen Preis. Sind wir jetzt mit dem Interview fertig?“ Ja, sind wir. Danke Eva und gute Reise!