Erstellt am 19. Dezember 2012, 00:00

Mittendrin im Wahnsinn. Schussattentat an US-Schule / Klaus Radakovics ist während des Massakers in Newtown. Auch Kinder seiner Arbeitskollegen wurden vom Amokläufer getötet. Ein Tatsachenbericht.

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Von Carina Ganster

OBERWART, NEWTOWN / Die Welt blickte am Freitag bestürzt und traurig nach Newtown an die US-amerikanische Ostküste. Ein 20-jähriger Mann hatte in der Sandy-Hook-Volksschule 20 Kinder sowie sechs Erwachsene erschossen. Dann tötete er sich selbst. Der Oberwarter Klaus Radakovics, der gerade ein Praktikum bei der „RB International Finance USA“ macht, war an seinem Arbeitsplatz direkt betroffen. „Eine Kollegin hat mir mitgeteilt, dass es in einer Schule zu einer Schießerei gekommen ist. Kollegen haben auch Kinder in dieser Volksschule. Am späten Vormittag kurze Entwarnung, die Kinder des einen Kollegen sind nicht unter den Verletzten. Über die Nichte (Bild rechts) eines anderen Kollegen gab es keine Meldung. Die Stimmung im Büro war fassungslos und entsetzt. Es wurde nicht gesprochen, einfach fassungslos auf den Bildschirm gestarrt“, schildert Radakovics die Stunden. „Niemand wollte es wahrhaben, viele Kollegen hatten Tränen in den Augen. Die Bestürzung war einfach riesengroß. Gegen 15 Uhr wurden wir darüber informiert, dass die Nichte unseres Kollegen tot ist.“

Unter dem Schock der Erlebnisse blockten der Oberwarter und seine Mitbewohner jeglichen Informationsfluss ab, die Bestürzung war zu stark. „Bei solchen Ereignissen lernt man die Sicherheit, die Infrastruktur und das Leben in Österreich zu schätzen. Auch wenn in Österreich nicht alles perfekt läuft, solche unbeschreiblichen Taten passieren – speziell im Südburgenland – einfach nicht und hoffentlich auch nie“, sagt Radakovics, der Kritik an der Medienberichterstattung in den USA übt. „Die TV-Stationen haben unmittelbar nach dem Amoklauf Kinder, die dem Projektilhagel knapp entgangen sind, interviewt. Da wurde eine moralische Grenze überschritten.“

Klaus Radakovics war während des Massakers an einer US-Schule in Newtown nur 15 Kilometer entfernt.

Der Arbeitskollege von Klaus Radakovics verlor bei dem Amoklauf in der Schule seine Nichte.zVg