Erstellt am 20. April 2016, 10:31

von Wolfgang Millendorfer

Musiker schoss im Wahn. Musiker schoss trotz Waffenverbot um sich und traf Freundin in Oberschenkel. Das Urteil lautet zehn Monate Haft und Therapie plus einen symbolischen Euro Schmerzensgeld.

 |  NOEN, Erwin Wodicka (Erwin Wodicka)

Der 50-jährige Angeklagte werde sich einer Therapie stellen, schickte die Verteidigung zu Beginn des Prozesses voraus. Zum Großteil der Anklage zeigte sich der Südburgenländer geständig.

Mietvertrags-Kündigung führte zum „Desaster“

Auslöser für seine Taten seien schwere Halluzinationen, gewissermaßen ein „Bewusstseinskollaps“, in Folge seines Drogenkonsums gewesen, führte der Angeklagte aus. Trotz eines Waffenverbotes schoss der 50-Jährige im Jänner dieses Jahres in seinem Haus im Südburgenland um sich, wobei seine Lebensgefährtin einen Durchschuss am Oberschenkel erlitt.

Nach einem zweitägigen Aufenthalt in der Psychiatrie griff der Südburgenländer kurz danach erneut zu Kokain. Im Haus seiner Eltern hantierte er mit einer abgesägten Schrotflinte, was der Mutter große Angst einjagte.

Er habe die Waffe jedoch nur verstecken wollen und habe niemanden bedroht, versicherte der Angeklagte. Dabei betonte der 50-Jährige, seit zwanzig Jahren zwar immer wieder zu Cannabis gegriffen, jedoch die Finger von harten Drogen gelassen zu haben. Zum „Desaster“ im Jänner hätte die Kündigung seines Mietvertrages geführt.

„Habe im Vorzimmer einen Mann vermutet“

Auf dem Hof in einer 350-Seelen-Gemeinde wollte sich der 50-Jährige ein neues Leben aufbauen und seiner Musiker-Karriere widmen. „Ich wurde richtig manisch, als ich das Haus räumen musste. Ich habe täglich zwei Liter Kaffee getrunken, Cannabis und Medikamente zu mir genommen. Das Kokain hat dem Fass den Boden ausgeschlagen.“

Im Rauschzustand und unter massiven Verfolgungsängsten griff der Angeklagte zur Waffe. „Ich habe im Vorzimmer einen Mann vermutet.“ Seiner Lebensgefährtin drückte er eine Pistole in die Hand und forderte sie auf, ebenfalls zu feuern. Dabei seien sie, so der Angeklagte, über einen CD-Ständer gestolpert, wobei sich ein Schuss gelöst habe, der die Lebensgefährtin traf.

Laut Privatbeteiligten-Vertreter hätten sich „die Wogen inzwischen geglättet“. Die Lebensgefährtin, die sich ihrer Aussage entschlug, beteiligte sich mit einer symbolischen Forderung von einem Euro an dem Verfahren. Verurteilt wurde der Mann zu zehn Monaten Haft. Zusätzlich muss er in Therapie.

Vor zwei Jahren hatte der Künstler bereits einmal mit einem Auftritt vor Gericht medial für Aufsehen gesorgt: Damals war er wegen Störung der Totenruhe zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte aus einem Karner 111 Skelettteile, darunter 56 Totenschädel geholt, und einige Gebeine am Flohmarkt ausgestellt.

BVZ.at hatte berichtet: