Erstellt am 25. April 2012, 00:00

Mutter kämpft gegen Spital. TRAGISCH / Mutter fordert Schadenersatz wegen Behandlungsfehler bei der Geburt ihrer behinderten Tochter. Rechtsstreit mit der KRAGES läuft seit mehr als drei Jahren.

OBERWART, STEGERSBACH / Seit dreieinhalb Jahren kämpft eine 39-jährige Mutter aus Stegersbach vor Gericht gegen die KRAGES (burgenländische Krankenanstaltengesellschaft). Der Vorwurf: Behandlungsfehler und ein verweigerter Kaiserschnitt sollen verantwortlich dafür sein, dass ihre vierjährige Tochter seit der Geburt behindert ist.

Der Vorfall ereignete sich am 21. Februar 2008, kurz nach Mitternacht: Die damals 35-jährige Schwangere kam mit starken Blutungen und Schmerzen ins Krankenhaus Oberwart. Erst acht Stunden nach der Aufnahme untersuchte der Oberarzt die Frau, die sich nach einem Kaiserschnitt erkundigte. Laut ihr hieß es darauf aber nur, dass eine Geburt nun mal nicht lustig und alles in Ordnung sei. Das Kind kam dann gegen 14 Uhr zur Welt, die Mutter hatte während und auch nach der Geburt starke Blutungen. Der Säugling wurde reanimiert, ist aber seit der Geburt schwer behindert und muss rund um die Uhr betreut werden.

Gutachten sieht ärztlichen  Behandlungfehler

Dem Gericht liegt ein Gutachten vor, dass die Meinung der Mutter bestätigt, nämlich dass ein ärztlicher Behandlungsfehler vorliegt. Der zentrale Satz im Gutachten: „Die Behandlung wurde nicht lege artis (Anmerkung: nicht nach den Regeln der ärztlichen Heilkunst) durchgeführt … Diese Versäumnisse haben schließlich zu einem katastrophalen Ergebnis geführt.“

Der Fall war in der Vorwoche auch Thema in der ORF-Sendung „Ein Fall für Resetarits“. Vor wenigen Wochen hat das Gericht ein neuerliches Gutachten verlangt, das klären soll, ob die Vierjährige vielleicht schon vor der Geburt behindert gewesen war. Im Krankenhaus Oberwart ist man sich jedenfalls keiner Schuld bewusst. Gegenüber dem ORF sagte Martin Fabsits, Vorstand des gynäkologisch-geburtshilflichen Verbundes Mitte-Süd, dass „die Entwicklung und der Ausgang aufgrund der Herzton-Frequenzkurve nicht vorhersehbar gewesen sind“. Und die KRAGES argumentiert damit, dass die Unterversorgung mit Sauerstoff vielleicht schon im Mutterbauch begonnen habe. Sogar Gerald Bachinger, Sprecher der österreichischen Patientenanwälte, hat sich eingeschaltet: „Im Gutachten ist von klaren Fehlern auf sachlicher Ebene zu lesen. Es macht mich betroffen, wie mit der Familie und dem Behandlungsfehler umgegangen wird.“

Für die Familie geht es darum, dass die kostenintensiven Therapien ihrer Tochter finanziell gesichert sind. Und die sind hoch: Allein ein Therapiestuhl kostet 6.000 Euro. Für die Mutter ist es unverständlich, warum noch immer gestritten wird – und das trotz eines Gutachtens, dass sie in ihrer Meinung bestätigt.