Erstellt am 28. Dezember 2011, 00:00

Mutter kämpft um Sohn – gegen die eigenen Eltern. FAMILIENSTREIT / Großeltern und Mutter ringen um Sorgerecht für den zehnjährigen Max. 2006 wurde es der Mutter zugesprochen, 2011 dann wieder entzogen.

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VON MICHAEL PEKOVICS

BEZIRK OBERWART / Seit 2006 wird der heute zehnjährige Max zwischen seiner Mutter, ihrer Schwester und seinen Großeltern hin- und hergerissen. Seine Mutter Petra H. (38), sie wohnte einige Jahre in Pinkafeld, ist verzweifelt. Die dreifache Mutter (19-jährige Tochter, zwei Söhne mit acht und zehn Jahren) ist fassungslos über das Urteil des Bezirksgerichts Oberwart. Dort wurde nämlich entschieden, dass das Sorgerecht auf Tante und Onkel von Max übergeht.

Die Vorgeschichte: Frau H. nahm im Jahr 2002 nach der Geburt von Max das Angebot ihrer Eltern, sich einige Zeit um ihn zu kümmern, an. Damals sei sie emotional und psychisch stark belastet gewesen. 2004 zog sie von Wien nach Pinkafeld, um sich ihrem Sohn anzunähern. „Schon damals wollten mir meine Eltern meinen Max nicht zurück geben“, klagt H. 2005 entschloss sie sich, ihren Sohn mit polizeilicher Hilfe zu sich zu holen. Ein Jahr darauf beantragten die Großeltern von Max das Sorgerecht – und verloren den Fall. Ein kinderpsychologisches Gutachten attestierte der dreifachen Mutter „keine Einschränkung der Erziehungsfähigkeit“.

Im Oktober 2010 zeigten die Eltern Frau H. wegen Kindesmisshandlung an. Das Verfahren wurde im September 2011 ergebnislos eingestellt. „Obwohl die Ermittlungen noch nicht beendet waren, wurde mir dennoch im Mai 2011 das Sorgerecht entzogen und meiner Schwester und ihrem Mann, die ständig mit meinen Eltern zusammen sind, übertragen“, sagt die verzweifelte Mutter, die mit ihrem Anwalt einen Rekursantrag beim Bezirksgericht Oberwart eingebracht hat. Auch deswegen, weil „wichtige Zeugen, wie zum Beispiel eine Mitarbeiterin der Jugendwohlfahrt, gar nicht geladen waren“.

„Die Leidtragenden sind  immer nur die Kinder“

„Die Leidtragenden sind immer die Kinder“, sagt einer, der es wissen muss: DDr. Erwin Schranz war lange Jahre Richter und hatte mit dem Fall zu tun. Konkret könne er sich nicht äußern, meint aber, dass „grundsätzlich immer zum Wohl des Kindes zu entscheiden ist“.

Unter der Situation leidet neben der Mutter vor allem Lukas, der jüngere Bruder von Max. „Er hat in Max immer einen Beschützer gehabt, vermisst ihn sehr und fragt immer nach ihm“, sagt Frau H., die behauptet, dass „Max von meinen Eltern beeinflusst wird, sie reden ihm ein, dass ich als Mutter für ihn schlecht bin“. Diese Behauptung wird auch durch einen Bericht des Heilpädagogischen Zentrums in Rust (Juni 2011) untermauert. Darin ist zu lesen, dass sich „Max in einem ständigen Loyalitätskonflikt befindet“ und „die Äußerungen, dass er seine Mama nicht mag, aufgesetzt, automatisiert und emotionslos sowie aus dem Zusammenhang gerissen wirken“.

Die Brüder Max (10) und Lukas (8) leben derzeit getrennt – Lukas bei seiner Mutter Petra H., Max bei seiner Tante. Seit 2006 wird um das Sorgerecht von Max gestritten – zwischen Petra H. und ihren Eltern.

ZVG