Erstellt am 11. Dezember 2014, 10:21

von Vanessa Bruckner

Rechnitzer Asylwirbel. Nach Schlägerei zwischen Einheimischen und Asylwerbern ermittelt jetzt die Polizei. Recherchen ergaben, dass sich Vorfall ganz anders zugetragen haben dürfte.

Zu Besuch. Landeshauptmannstellvertreter Franz Steindl nutzte kürzlich die Gelegenheit, um mit Bewohnern und Mitarbeitern des Diakonie Flüchtlingsdienst in Rechnitz ins Gespräch zu kommen.  |  NOEN, zVg

Da wurde wohl nicht nur ordentlich zugelangt, sondern auch ordentlich gelogen.

, wurden bei einem Raufhandel zwischen Asylwerber und Einheimischen vor zehn Tagen drei Personen verletzt.

Laut eigenen Angaben seien die Herren nachts am Weg in die Disco gewesen, als plötzlich in Rechnitz lebende Asylwerber auf sie losgegangen seien. Auch einen Elektroschocker hätten die jungen Männer aus Syrien gegen sie eingesetzt - so die Aussage eines Beteiligten.

Krawall und ausländerfeindliche Parolen

Ausführliche Recherchen ergaben nun, dass die betrunkenen Männer im Hof des Asylheimes mit ausländerfeindlichen Parolen Krawall geschlagen haben sollen. „Die haben das Quartier der Asylwerber überfallen und nicht umgekehrt“, bringt es Pascal Steiner vom Diakonie Flüchtlingsdienst auf den Punkt.

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In der ehemaligen Pension in Rechnitz wohnen derzeit syrische Familien und zwei junge Männer, ebenfalls Asylwerber.

Der Vorfall ereignete sich mitten in der Nacht, einer der jungen Männer aus der Pension ist dann in den Hof gegangen, um nachzusehen, was los sei. Dabei hatte er ein Feuerzeug in der Hand um sich Licht zu verschaffen.

„Das Feuerzeug war der vermeintliche Elektroschocker, mit dem die Einheimischen angeblich verletzt wurden, was vollkommener Blödsinn ist“, berichtet Steiner und sagt weiter, „das war nicht der erste Vorfall gegen Ausländer in Rechnitz. Auch unsere Jungs aus dem Haus der Jugend werden immer wieder, im Schulbus oder auf der Straße, beschimpft. Es schockiert mich, dass Menschen, die in Österreich Schutz suchen, hier wieder angegriffen werden.“

Bürgermeister will mehr Aufklärungsarbeit

Auch die Betreiberin der Asylwerberunterkunft, in welcher sich der Vorfall zugetragen hat, meldete sich zu Wort.

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Theresia Wusits: „Ich wurde mitten in der Nacht wach von dem Lärm. Die besagten Einheimischen sind in den Hof meines Grundstückes eingedrungen, haben lautstark an die Rollos geklopft und die Asylwerber beleidigt. Ich kann zu tausend Prozent bestätigen, dass die Asylwerber, die bei mir wohnen, vollkommen unschuldig sind. Das ganze Haus war ruhig, jeder hat geschlafen, bis die Trunkenbolde eingefallen sind. Ich bin dann sofort raus und habe geschrien, dass sie verschwinden sollen. Daraufhin wurde auch ich beschimpft. Es ist eine Schande, weil die Leute, die bei mir im Haus wohnen, allesamt gute und anständige Menschen sind, es gab noch nie Probleme. So etwas haben sie nicht verdient.“

Rechnitz' Bürgermeister Engelbert Kenyeri: „Der Vorfall ist mehr als bedenklich und ein Fall für die Justiz, aber Gott sei Dank nicht der Regelfall in der Gemeinde. Trotzdem planen wir in Zukunft noch mehr Infoveranstaltungen, um noch intensivere Aufklärungsarbeit zu leisten“, verspricht der Bürgermeister.

Die BVZ hatte berichtet:


Asylwerber in Rechnitz - die Fakten

Aktuell leben 110 Asylwerber in Rechnitz davon:

- 31 Kinder

- 36 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahre

- 21 Frauen und 12 Männer zwischen 18 und 20 Jahre

Der Großteil stammt aus Syrien gefolgt von Flüchtlingen aus Afghanistan, Somalia, Libyen und der Mongolei. In Österreich gab es Anfang 2013 rund 22.400 offene Asylverfahren. Setzt man diese Zahl in Relation zur Einwohnerzahl Österreichs, machen Asylsuchende etwa 0,27 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. In den vergangenen fünf Jahren haben jährlich zwischen 11.000 und 17.500 Menschen um Asyl angesucht.