Erstellt am 27. Juni 2012, 00:00

Nahversorger am Ende?. GREISSLER I / 100 Ortsteile im Burgenland haben keinen Lebensmittelhändler mehr. Im Landessüden scheint das Greißlersterben nicht aufzuhalten zu sein.

VON VANESSA BRUCKNER

BEZIRK / „Die Anzahl der Nahversorger hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch reduziert“, bringt es Jürgen Rathmanner von der Wirtschaftskammer Burgenland auf den Punkt. Gab es 1995 noch rund 700 Lebensmittelhändler im Burgenland, sind es heute nur mehr 485.

Schlechte Prognosen,  neue Geschäftsmodelle

Auch die Zahlen im Bezirk Oberwart sprechen für sich. 2001 betrieben noch 87 Unternehmer ein Nahversorgergeschäft im Bezirk. Heute, 11 Jahre später, sind es nur noch 66 an der Zahl. Ähnlich schlecht sind die Zahlen in den anderen beiden Bezirken des Südburgenlandes. Im Bezirk Güssing sperrten in den letzten elf Jahren 13 Greißler zu, in Jennersdorf schmissen in Summe sechs Geschäftsleute das Handtuch.

Es gibt aber auch positive Beispiele für Wiederansiedelungen von Lebensmittelgeschäften. Tanja Stöckl betreibt in Mariasdorf ein Geschäft, das Zukunft haben könnte: „Wir sind Tankstelle, Kaffeehaus, Lottoannahmestelle und Lebensmittelladen in einem“, so die Inhaberin. „Dieses Wirtschaftsmodell habe ich mir von der Schweiz abgeschaut. Wir verkaufen unsere Ware zu normalen Preisen, wie man sie vom Großmarkt kennt. Ich habe damals eine Förderung von der WiBaG in der Höhe von 20 Prozent des Investitionsvolumen bekommen“, berichtet die Geschäftsfrau. „Ohne dieses Geld hätte ich mich nicht drüber getraut.“

Rathmanner: „Jetzt sind  die Gemeinden gefragt!“

Diese Art von finanzieller Unterstützung gibt es aktuell nicht mehr“, berichtet Rathmanner. Dafür bekommen heute Gemeinden vom Land eine Förderung für den Bau von öffentlichen Gebäuden, um darin einen Nahversorger anzusiedeln. „In der Steiermark gibt es Modellgemeinden, die ihren Greißlern monatlich Geld zuschießen, um sie am Leben zu erhalten“, so der Experte. Und weiter: „Viele haben erkannt, dass ohne Nahversorger das gesellschaftliche Leben im Ort abnimmt. Die Gemeinden müssen in Zukunft richtig erfinderisch werden, um ihre Greißler am Leben zu erhalten“.