Erstellt am 25. Februar 2015, 06:40

von Michael Pekovics

Kanalsystem: Sorge um „gefährliche Gase“. Bezirkshauptmannschaft überprüft Kanal und Druckleitung in Neuhaus in der Wart. Anrainerin vermutet Austritt von gefährlichem Gasgemisch, der Bürgermeister beruhigt.

 |  NOEN, Feuerwehr
Die Probleme mit dem Kanal beziehungsweise der Druckleitung, mit der die Abwässer von der Brunnengasse und des Panoramaweges in den Hauptkanal gepumpt werden, sind im Mischendorfer Ortsteil schon länger bekannt.

Eine Anrainerin, die zusätzlich auch als Expertin auf dem Gebiet der Umwelttoxikologie gilt, vermutet nun gesundheitliche Schäden durch ein austretendes und ihrer Meinung nach „gefährliches Gasgemisch“.

„Mein Sohn ist im Bad zusammengebrochen“

„Anfang Feber ist mein Sohn im Bad zusammengebrochen, alle Symptome deuteten auf eine Vergiftung hin“, sagt Bettina Krumpl-Rogatsch, die die Gemeinde bereits 2013 als Expertin über die möglicherweise gefährlichen Gase informiert hat.

Dieses Gemisch aus Ammoniak, Buttersäure, Skatol, Mercaptane, Methan und Schwefelwasserstoff entsteht, weil beim Sammeln der Abwässer zweier Gassen kein Sauerstoff vorhanden ist. Wird dann in den Hauptkanal abgepumpt, entweichen die Gase und könnten dabei laut Krumpl-Rogatsch die erlaubten Messwerte um ein Vielfaches übersteigen.

Sie vermutet sogar, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Gas und einiger Todesfälle geben könnte. „Vier unmittelbare Nachbarn sind bereits an einer Blutung gestorben, zwei Menschen im Dorf sind an einem Carotisriss verblutet“, hat Krumpl-Rogatsch recherchiert und deshalb die Polizei und die Bezirkshauptmannschaft informiert.

Panscht Gemeinde „mit Substanzen herum“?

Bürgermeister Martin Csebits versucht zu beruhigen: „Wir messen täglich und haben noch nichts Gesundheitsschädliches feststellen können. Wenn überhaupt, tritt nur dann Gas aus, wenn abgepumpt wird – und das sind nur ein paar Minuten pro Tag.“

Sobald das Pumpen beendet sei, gäbe es überhaupt keinen Messwert mehr. Seitens der Bezirkshauptmannschaft findet diese Woche ein Lokalaugenschein statt, wie Bezirkshauptmann Helmut Nemeth im Gespräch mit der BVZ bestätigte: „Unabhängig davon, dass sich das Problem mit der baulichen Änderung der Kanalisation ohnehin erledigen wird, gehen wir der Sache natürlich nach.“

Krumpl-Rogatsch fordert aber die „sofortige Abschaltung und Leerung der Druckleitung, eine Abwasseruntersuchung, Probenentnahmen sowie die Herausgabe der Pump- und Messprotokolle“. Sie vermutet nämlich, dass die Gemeinde „mit Substanzen herum panscht, um die Werte zu verfälschen, weil es „verdächtig oft nach Chlor riecht“.

Das schließt Csebits im Gespräch mit der BVZ aber aus und verweist außerdem auf den baldigen Start des neuen Kanalprojekts: „Wir arbeiten seit zwei Jahren daran und werden noch heuer mit dem Bau beginnen.“