Erstellt am 15. Februar 2012, 00:00

Niessl auf Bedarfs-Linie. VERKEHR I / Laut Studie des Verkehrsverbunds Ostregion kein Potenzial für Linienverkehr im Südburgenland. Das Land fördert bedarfsorientierte Systeme.

Entlang der Hauptroute G1 (rot) wurden Regionen definiert und zusammen gefasst. Auf der blauen Linie fahren bis zu vier Kurse pro Tag.  |  NOEN
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VON MICHAEL PEKOVICS

REGION / Landeshauptmann Hans Niessl präsentierte in der Vorwoche das lang ersehnte Verkehrskonzept für das Südburgenland. Basierend auf einer Studie des VOR (Verkehrsverbund Ostregion) sieht es die Forcierung von bedarfsorientierten Systemen vor. „Für Linienverkehr ist das Südburgenland zu dünn besiedelt“, erklärt Niessl. „Rufbusse oder Sammeltaxis sind die beste Lösung. Die Menschen können dorthin gebracht werden, wohin sie wollen.“ Unterstützt wird Niessl von Landesverkehrskoordinator Peter Zinggl: „Mit diesem System wurden in anderen Bundesländern schon gute Erfahrungen gemacht, sogar österreichweit geht der Trend in diese Richtung.“

Neun Regionen definiert,  Fördertöpfe stehen bereit

Insgesamt wurden neun Bedarfsregionen definiert, in einer davon funktioniert das System bereits (siehe rechte Seite). Bis zu fünf Gemeinden können sich zusammenschließen und einen Antrag auf Förderung stellen, aber auch einzelne Gemeinden können Dorfbusse umsetzen. Konzeption und Anschaffung werden aus Mitteln der Dorferneuerung gefördert, der laufende Betrieb vom Land mit 200.000 Euro pro Jahr unterstützt. Die Mobilitätszentrale des Landes steht den Gemeinden dabei in beratender Funktion beiseite. „Voraussetzung bei der Planung ist aber immer, dass die Dorfbusse an bestehende Buslinien anschließen“, betont Zinggl, der sich darüber ärgert, dass „immer so getan wird, als gäbe es im Südburgenland gar keinen öffentlichen Verkehr“. Dabei sei das Gebiet geradezu eine „Vorzeigeregion, was Bussysteme betrifft“. Zinggl verweist auf die Linie G1, die über zwei Hauptachsen in Richtung Oberwart und weiter nach Wien fährt. Etwas verhalten meldet sich die ÖVP zu Wort: „Klar ist, dass das Papier nur ein erster Schritt zur längst überfälligen Neuformulierung des burgenländischen Verkehrskonzeptes sein kann“, sagt Verkehrssprecher Thomas Steiner.

„Niessl zieht groteske  Schlüsse aus der Studie“

Härter geht da schon ÖVP-Nationalrat Franz Glaser zur Sache: „Das sind groteske Schlüsse, die Niessl aus der von ihm bestellten Studie zieht. Die verkehrspolitische Verantwortung wird auf die Gemeinden abgeschoben.“ Ähnlich der Grüne Landessprecher Michel Reimon: „Eine Farce. Alle Experten sind sich einig, dass der öffentliche Verkehr ausgebaut werden muss und das Land pumpt Geld in den Norden und in eine unnötige S7. Mit diesem Betrag könnte man im Süden ein Verkehrsnetz errichten, das alle Stückerl spielt.“

Bahn: Shuttle nach Friedberg  und Pläne für Jennersdorf

Auch für die Einstellung des Bahn-Personenverkehrs von Oberwart nach Friedberg stellte Niessl eine Lösung vor: In der Früh und am Abend sollen jeweils vier Busse die Pendler von Oberwart zum Bahnhof nach Friedberg bringen. Außerdem ist laut Niessl „die Einrichtung von Eilzügen von Jennersdorf über Ungarn nach Eisenstadt und Wien eine Perspektive für die Zukunft“. Das findet Zustimmung der Initiative „Pro Bahn“: „Dadurch wäre es möglich, über Großpetersdorf und Steinamanger auch Oberwart wieder an das Bahnnetz anzuschließen“, sagt Sprecher Dietrich Wertz. Er wünscht sich dennoch „nordburgenländische Verhältnisse für den südlichen Öffi-Bereich: Sonst ist der Süden bald wirklich dünn besiedelt.“