Erstellt am 24. März 2015, 14:03

von Michael Pekovics

210 Jobs weg: Aus für Triumph. Der Produktionsstandort des Wäschekonzerns Triumph in Oberwart wird per 31. Juli geschlossen, mehr als 200 vorwiegend weibliche Mitarbeiter stehen ohne Job da.

 |  NOEN, Michael Pekovics
Die schlechte Nachricht wurde den Angestellten im Rahmen einer Betriebsversammlung um 8.30 Uhr überbracht. Zusätzlich zu den 210 Arbeitsplätzen in Oberwart werden auch in Wiener Neustadt und in den Triumph-Filialen rund 210 Jobs abgebaut.

AMS hofft nun auf eine Auffangstiftung

Gegen Mittag soll es ein erstes Treffen zwischen Vertretern des Arbeitsmarktservice und der Gewerkschaft geben. Die Schließung des Werks ist für den Arbeitsmarkt deshalb so problematisch, weil in Oberwart vorwiegend Frauen arbeiten - Durchschnittsalter 47 Jahre.

Endgültig geschlossen werden soll der Standort in Oberwart per 31. Juli. Erst 2013 sperten die Triumph-Werke in Oberpullendorf und Aspang zu, 2010 kam das Aus für das Werk in Hartberg mit 300 Beschäftigten.



Das Arbeitsmarktservice hofft nun auf eine Auffangstiftung, die müsste aber vom Unternehmen ausgehen, weil es sich um eine Betriebsschließung handelt. Einfach wird die Vermittlung der nun arbeitslosen Frauen nicht - in Oberpullendorf sind die Nachwirkungen bis heute zu spüren.

Standortzusagen "wohl nichts wert"

Standortzusagen, die das Unternehmen gegeben habe, seien wohl nichts wert, ärgerten sich die beiden Arbeitnehmervertreter Gerald Kreuzer (ProGE) und Paul Prusa (GPA) heute in einer Aussendung. Einmal mehr würden die Arbeitnehmer für die Fehler des Managements zahlen.

Die Nachfrage nach den Produkten stimme, allerdings gebe es Pressemeldungen wonach die Qualität der in Asien gefertigten Produkte nicht passen würde. Dies bestreitet das Unternehmen, es gebe dazu auch keine entsprechenden Presseberichte.

Triumph (Marken: Triumph, Sloggi, Mamabel, Trication) ist ein inhabergeführtes Unternehmen mit 49 Tochtergesellschaften in 120 Märkten. Heuriges Werbe-Testimonial ist die australische Pop-Sängerin Kylie Minogue. Gegründet wurde das Unternehmen 1886 von dem Korsettmacher Johann Gottfried Spiesshofer und dem Kaufmann Michael Braun im Württembergischen Heubach.

Bürgermeister bestürzt

Oberwarts Bürgermeister Georg Rosner zeigt sich bestürzt über die Schließung des Triumph-Werkes in seiner Stadt, es gab keine Vorwarnung für diesen Schritt: "Ich habe aus den Medien davon erfahren. Die Nachricht hat mich vollkommen überrascht. Für mich ist das sehr schlimm, weil auch viele Einzelschicksale dahinter stehen. Immerhin beschäftigt Triumph mehr als 200 Mitarbeiter/-innen in Oberwart."

Außerdem sei die Schließung für die Stadt und die gesamte Region ein schwerer Schlag - die Arbeitsmarktsituation gestalte sich im Südburgenland ohnehin schwierig. "Diese Firmenschließung verschlimmert die Situation zusehends." 

Rosner ist mittlerweile in Kontakt mit der Firmenzentrale in Wiener Neustadt, Gespräche laufen. Er will sich für den Standort Oberwart mit all seiner Kraft einsetzen und fordert dabei auch Unterstützung von Seiten des Landes und der Sozialpartner. "Sollte es wirklich zu einer Schließung kommen, ist mir wichtig, dass für die betroffenen Mitarbeiter/-innen ein guter Sozialplan erstellt wird", erklärt der Bürgermeister abschließend.

Mitarbeiterinnen vor finanziellem Ruin

Burgenlands Grüne Landessprecherin Regina Petrik hat sich am Dienstag in einer Aussendung zur geplanten Schließung des Werkes des Wäscheherstellers Triumph in Oberwart "erschüttert" gezeigt. Petrik schlug ein neues Geschäftsmodell vor, in dem Näherinnen eine eigene Firma gründen - eine Art "Nähwerkstatt" für Einzelstücke, besondere Aufträge von Firmen aus der Region und für Reparaturarbeiten.

Die Politikerin hat im vergangenen Juli im Rahmen ihrer Jobtour, bei der sie jeden Monat eine andere Arbeit in unterschiedlichsten Branchen ausgeübt hat, auch im Oberwarter Triumphwerk an der Nähmaschine gearbeitet. Am Montagvormittag sei sie noch auf Besuch bei ihren ehemaligen Arbeitskolleginnen gewesen. "Die Kolleginnen waren alle guter Dinge. Ich habe noch bei der Werksleiterin nachgefragt, ob der Standort eh sicher wäre. Am Nachmittag fuhr sie dann zu jener schicksalsträchtigen Sitzung, in der die Schließung des Werks in Oberwart verlautbart wurde."

x  |  NOEN, zVg
Regina Petrik mit Werksleiterin Roswitha Plesser in der Produktionshalle in Oberwart.

Petrik schlägt neues Geschäftsmodell vor

Während die Schließung des Standorts Oberpullendorf langfristig vorbereitet wurde, treffe diese Mitteilung die Näherinnen wie ein Blitz. Erst kürzlich wurden große Maschinen geliefert und die Arbeiterinnen in Halle 2 auf eine neue Produktionsart eingelernt. "Viele meiner ehemaligen Kolleginnen sind Alleinerzieherinnen oder alleinstehend. Sie stehen vor dem finanziellen Ruin."

Für die von Petrik vorgeschlagene "Nähwerkstatt" solle "dann das Land Förderungen und der Triumphkonzern die Maschinen zur Verfügung stellen", so die Landessprecherin. "Ich halte es für wichtig, dass gerade die älteren Arbeitnehmerinnen nicht einfach mit diversen Sozialplänen auf ein Abstellgleis gestellt werden. Die haben sich mehr verdient. Ich werde alles mir mögliche tun, dass die betroffenen Frauen zuversichtlich in die Zukunft schauen können."

Triumph: Wenig Höhen, viele Tiefen

Die Geschichte der Triumph in Oberwart ist vielfältig und war vor allem in den vergangenen fünf Jahren abwechslungsreich. Phasen von guter Auftragslage wechselten sich mit Kurzarbeit ab - immer wieder wurden Jobs gestrichen und Arbeitsstiftungen mussten eingerichtet werden. Hier ein Rückblick ab dem Jahr 2009.
  • Triumph-Standorte gab es früher auch in Rechnitz (Schließung 1994) und Schattendorf (Schließung 1997).

  •  Im Juli 2009 wirkte sich die weltweite Rezession auch auf die Standorte in Ostösterreich aus, rund 800 Mitarbeiter wurden in die Kurzarbeit geschickt. Auch Oberwart war mit 269 Mitarbeitern davon betroffen. Diese Phase dauerte rund ein halbes Jahr.

  • 2010 wurde das Triumph-Werk in Hartberg geschlossen, zahlreiche Burgenländerinnen waren betroffen.

  • Im Juli 2012 bangten wieder 264 Mitarbeiter am Standort in Oberwart und ihre Kollegen in Oberpullendorf und Aspang um ihre Jobs. Diese Phase dauerte bis Anfang 2013, aber nur in Oberwart, wo eine neue Fertigungstechnik angekündigt wurde – in Oberpullendorf und Aspang wurde die Kurzarbeit verlängert.

  • Dann kam im April 2013 das endgültige Aus für den Standort in Oberpullendorf mit 112 Mitarbeiterinnen. Insgesamt waren von der Kündigungswelle 350 der 1.490 Mitarbeiter an allen vier Standorten in Oberpullendorf, Oberwart, Aspang und Wiener Neustadt betroffen. Im Rahmen eines Sozialplans einigten sich dann Unternehmen und die Gewerkschaft darauf, dass 45 Mitarbeiter in Oberwart gehen müssen, in Wiener Neustadt waren 50 Menschen betroffen.

  • Im November 2013 startete ein eigener Umschulungslehrgang für 76 ehemalige Triumph-Mitarbeiterinnen mit dem Schwerpunkt Soziales.