Erstellt am 11. Juli 2012, 00:00

ÖGB: Druck bei Austritt?. GEWERKSCHAFT / Betriebsrat legt Arbeiter, der austreten will, Dokument vor, in dem von Gehaltseinbußen zu lesen ist.

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VON MICHAEL PEKOVICS

REGION / Rund 18.000 Mitglieder hat der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) in den Bezirken Oberpullendorf, Oberwart, Güssing und Jennersdorf. Ein ehemaliges Mitglied hat der BVZ ein Dokument zugespielt, das ihm, als er bekannt gab, austreten zu wollen, von seinem Betriebsrat übergeben wurde und auf dem das Logo der Gewerkschaft Bau-Holz zu finden ist. Darin ist zu lesen, dass (der Austretende) mit seiner Unterschrift den „Arbeitgeber ermächtigt, den Gegenwert der durch die Gewerkschaften erreichten Verbesserungen bei der Lohn- und Gehaltszahlung in bar einzubehalten und für wohltätige Zwecke zu verwenden“.

Laut Landesgeschäftsführer Karl Marhold ist das kein offizielles Dokument: „Dieses Flugblatt war vor Jahren im Umlauf, ich wusste nicht, dass es davon noch welche gibt. Das ist nicht offizielle Linie der Gewerkschaft, ich weiß nicht, was sich die Schreiberlinge damals gedacht haben.“

Der Betriebsrat, der das Dokument seinem Mitarbeiter aushändigte, rechtfertigt sich im Gespräch mit der BVZ: „Der Mitarbeiter sagte mir, er wolle austreten – dazu braucht es aber ein Formular. Das Richtige hatte ich nicht bei der Hand, irgendwo habe ich aber diesen Zettel gefunden und ihm gegeben.“ Den Vorwurf, er habe durch das Flugblatt Druck auf den Mitarbeiter ausüben wollen, lässt er nicht gelten: „Ich kann ja keinen zwingen, bei uns zu bleiben und wollte nur informieren, welche Vorteile eine Mitgliedschaft hat.“ Dem Mitarbeiter war das egal, er legte eine handschriftliche Erklärung über seinen Austritt vor und ist nicht mehr Mitglied. Marhold will jedenfalls „das Gespräch mit dem Betriebsrat suchen, so geht das nicht“.

Das Dokument hat durch das Logo der Gewerkschaft Bau-Holz einen offiziellen Charakter.