Erstellt am 03. Dezember 2014, 09:53

von NÖN Redaktion

Reinhard Goger: Ein Mann für 92 Schulen. Bezirksschulinspektor Reinhard Goger trat mit 1. Dezember seine Pension an. Zuletzt betreute er 5.726 Schüler und 756 Lehrer.

 |  NOEN, zVg/LSR

„Wenn einem die Arbeit Freude bereitet, sind viele Krisensituationen keine negativen Krisensituationen. Und die Arbeit hat mir Freude bereitet“, kann Reinhard Goger nach 21 Jahren als Bezirksschulinspektor positive Bilanz ziehen. 1993 übernahm er die Funktion im Bezirk Oberwart, 2011 kam dann der Bezirk Oberpullendorf hinzu. Zuletzt war Goger für 92 Schulen mit über 5.000 Schülern und knapp 800 Lehrern zuständig. Gute Rahmenbedingungen, verantwortungsvoll agierende Direktoren sowie seine Erfahrung (siehe Lebenslauf) hätten ihm dabei geholfen.

„Früher wurde Direktoren alles vorgeschrieben. Ich habe den Ansatz verfolgt, eine Verantwortungskultur zu entwickeln, sich als Lehrer verantwortlich zu fühlen für das Weiterkommen der Schüler, als Direktor verantwortlich für die Kultur der Schule, so dass sich Schüler, Lehrer und Eltern wohl fühlen“, so Goger, dem dies gut gelungen zu sein scheint. „Mein Credo war Eigenständigkeit und Verantwortlichkeit den Schülern gegenüber und damit der Gesellschaft, denn Schüler sind die Gesellschaft von Morgen.“

Highlight: „Aufbau des Bildungsmanagements“

Als Bezirksschulinspektor startete er viele pädagogische Initiativen wie den Ausbau des Sonderpädagogischem Zentrums Oberwart/Oberpullendorf als zentrale Anlaufstelle und Fortbildungsmöglichkeit für Lehrer und Direktoren bei Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf, Team-Teaching an ein- bis dreiklassigen Volksschulen und später den Neuen Mittelschulen, die Weiterentwicklung der Hauptschulen zu innovativen Hauptschulen mit autonomen Schwerpunkten, eigenen Konzepten und Stundentafeln.

Gogers persönliches „Highlight“ war aber der Aufbau eines regionalen Bildungsmanagements im Bezirk Oberwart mit Intensivierung der Kooperation innerhalb der Schulen bzw. den unterschiedlichen Schularten und mit außerschulischen Organisationen und Institutionen.

Motto: "Jeden Tag weise gestalten"

Durch die Bildung einer „Region in der Region“ entsteht eine professionelle pädagogische Kooperation zwischen der Neuen Mittelschule den Zubringer-Volksschulen und den ihnen vorgelagerten Kindergärten, wie sie Goger in Markt Allhau besonders gelungen umgesetzt sieht. „Dies ist zu einem Vorzeigeprojekt in ganz Österreich geworden“, so Goger „Ich bin wirklich stolz, dass alle mitgemacht haben. Auch wenn es Rückschläge gegeben hat, muss man damit konstruktiv umgehen. Aus Scheitern lernen ist ganz wichtig.“

Als Motto für seine Pension hat er sich „Jeden Tag weise gestalten“ gewählt. So möchte er mal richtig gut ausspannen, sich erholen, schlafen, in Ruhe Bücher lesen und Freunde treffen. Und auch ein großes Projekt verrät er schmunzelnd: „Ich überlege ein Ruhestandshaus zu bauen – alles auf einer Ebene, leicht zugänglich, mit nur kleinem Garten, also wenig Arbeit.“

Wer künftig die Bildungsdirektion Süd leitet, ist noch ungewiss.


Zur Person

  • Reinhard Goger hat nicht nur das Lehramt für Volksschulen und Hauptschulen (Englisch, Musikerziehung, Geographie und Wirtschaftskunde) inne sondern ist auch Mag. phil. (Pädagogik, Psychologie, Philosophie) und Dr. phil (Erziehungswissenschaft, Soziologie).

  • Vor seiner Tätigkeit als Bezirksschulinspektor war er Volksschullehrer, Hauptschullehrer sowie Lehrer der Polytechnischen Schule, der Fachschule für wirtschaftliche Berufe und der Bundesbildungsanstalt für Kindergartenpädagogik sowie Lehrbeauftragter und Abteilungsleiter am Pädagogischen Institut Eisenstadt, dem er später als Direktor vorstand. Außerdem war er wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Association for Teacher Education in Europe in Brüssel.

  • Außerdem arbeitete er in verschiedenen Arbeitsgruppen des Bildungsministeriums mit wie zum Beispiel für die neue Dienstanweisung für die österreichische Schulaufsicht oder die Schulmanagementausbildung für DirektorInnen aller Schularten Österreichs.