Erstellt am 21. März 2012, 00:00

Pflege: Fast alles ist belegt. BEDARF STEIGT / Bis zur Evaluierung 2013 wird es im Süden keine neuen Pflegeplätze mit Unterstützung des Landes geben. Dass der Bedarf steigt, darin sind sich alle einig.

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VON MICHAEL PEKOVICS

REGION / Die demografische Entwicklung ist nicht zu leugnen: In den kommenden Jahren wird der Bedarf an Pflegeplätzen ständig steigen. 2018 werden mehr als 80.000 Burgenländer über 60 Jahre alt sein, 2030 bereits 100.000. Bis 2018 wird die Gruppe der über 85-Jährigen um 1.000 auf rund 8.500 steigen. Nach der Volksabstimmung über den Umbau des Hotels GIP in ein Pflegeheim hat die BVZ die Situation in den drei südlichen Bezirken näher beleuchtet.

Auffallend ist, dass in der kürzlich neu geschaffenen Pflegeplatzbörse des Landes relativ viele freie Tagesbetreuungs- aber kaum Langzeitbetreuungsplätze vorhanden sind. Für Josef Berghofer, Leiter des Haus St. Vinzenz in Pinkafeld, ist die Pflegeplatzbörse „praktisch, weil man alle Angebote sofort auf einen Blick vor sich hat. Aber für alles, was darüber hinaus geht, muss man sich vor Ort beim jeweiligen Heim informieren“.

„Oberwart sehr knapp,  südlich ist es besser“

 

Berghofer weiß, wovon er spricht. Schließlich ist er Vorsitzender der 2008 gegründeten „Arbeitsgemeinschaft Pflegeheim Burgenland“ ( www.burgenland.lebensweltheim.at ). Ein Verband, dem mit 30 Heimen mehr als 80 Prozent aller Einrichtungen des Landes angehören. Für Berghofer ist klar, dass der Bedarf an Pflegebetten mittelfristig „auf jeden Fall“ steigen wird: „Da wird es regional aber große Unterschiede geben. Und viel hängt davon ab, wie es mit dem Pflegeregress weitergeht“, wagt Berghofer einen Blick in die Zukunft. „Derzeit sind die Kapazitäten im Bezirk Oberwart sehr knapp, im Bezirk Oberpullendorf gibt es mehr Betten als Bedarf und in Güssing und Jennersdorf dürfte das Angebot genau richtig sein.“

„Ein Problem ist, dass sich  viele mehrfach anmelden“

 

Tatsächlich ist es im Bezirk Oberwart relativ schwer, einen Pflegeplatz zu bekommen (siehe Artikel rechte Seite). Verschärft wird die Situation dadurch, dass aus dem geplanten Pflegeheim in Großpetersdorf (vorerst) nichts wird und der Bezirk dadurch 29 Tagsatzvereinbarungen mit dem Land verliert. Das Problem des steigenden Bedarf kennt auch Hans Sepp Böhm vom evangelischen Altenwohn- und Pflegeheim in Oberwart: „Viele Menschen warten auf freie Plätze. Ein Problem ist, dass sich viele Personen in mehreren Heimen anmelden und dann auf mehreren Wartelisten stehen.“ Ein Abgleich sei aus Datenschutzgründen nur schwer möglich. Dem widerspricht aber Berghofer: „Die Heime kooperieren zwar gut miteinander, stehen aber dennoch in einem gewissen Wettbewerb.“ Teilweise sind die Wartelisten für einen Pflegeplatz relativ lang. „In Strem stehen sechs Personen auf der Warteliste, in Olbendorf 14“, erzählt Manuela Garger vom Samariterbund.

Landesrat Peter Rezar (SPÖ), weiß, dass „der Bedarf mittel- und langfristig sicher steigen wird“, sieht derzeit aber „eher im Nord- als im Südburgenalnd Bedarf“, denn: „Die drei südlichen Bezirke verfügen über 89 Heimplätze pro 1.000 Bewohner über 75 Jahren, der Norden nur über 67 Plätze.“ Rezar betont aber, dass in dringenden Fällen „jeder einen Platz bekommt, zum Beispiel im Rahmen der Überleitungspflege in den Krankenhäusern“. Vor der Evaluierung im Jahr 2013 werde es aber „sicher keine neuen Pflegeheime mit Unterstützung des Landes im Südburgenland geben“.

Start von Pilotprojekt mit  „echtem betreuten Wohnen“

 

Eine neue Form der Pflege wird am 27. März in Pinkafeld „geboren“ (siehe Spalte linke Seite). Das Haus St. Vinzenz hat ein Pilotprojekt entwickelt, wo „betreutes Wohnen wirklich betreutes Wohnen ist“, kann sich Berghofer einen Seitenhieb auf die Angebote der Wohnbauträger nicht verkneifen. Die Eckpunkte des neuen Pilotprojekts: am Vormittag anwesende Betreuungsperson, 24 Stunden-Rufbereitschaft, garantierter Heimplatz wenn notwendig. „Wenn der Pflegemarkt entlastet werden soll, muss man was gescheites machen“, sagt Berghofer.