Erstellt am 26. August 2015, 10:06

von Vanessa Bruckner

24.500 Likes für Jarou. Sein Schwiegervater wollte ihn töten, ihm blieb nur die Flucht. Heute verkauft Jarou Jablani Zeitungen und wird durch ein Facebook-Posting bekannt. Das ist seine Geschichte.

Stadtbekannt. Jarou Jablani (Foto) verkauft täglich Zeitungen in Pinkafeld - auf Facebook wurde er bekannt. Fotos: VB, zVg  |  NOEN, VB, zVg
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Ein junger, schwarzer Mann beim Staubsaugen vor einer Geschäftsfiliale in Pinkafeld. 24.500 „gefällt mir“ bekommt das Bild auf Facebook.

Die Kommentare unter dem Posting sprechen für sich – Jarou kennt und mag man in Pinkafeld und darüber hinaus. Die BVZ hat den 20-jährigen Nigerianer zu Wort kommen lassen.

BVZ: Weißt du eigentlich von dem Foto auf Facebook?
Jarou: Ja, ein Mann hat mich kürzlich darauf angesprochen. Aber ganz verstanden hab ich es nicht.

BVZ: Das Bild zeigt dich, wie du mit dem Staubsauger hantierst. Du hast dafür bereits 24.500 likes bekommen?
Wirklich? Das ist ja toll.

BVZ: Hilfst du dem Reinigungspersonal öfter mal?
Ich stehe hier jeden Tag und verkaufe Zeitungen, mehr arbeiten darf ich ja nicht. Alle Mitarbeiter kennen mich und auch die meisten Kunden. Ich schau, dass vor der Filiale immer alles sauber ist. Das ist mir wichtig. Und wenn man mal beim Saubermachen hilft, hilft mir das auch, weil ich das Gefühl habe, ich kann etwas tun. Arbeiten.

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BVZ: Warum lebst du heute in Österreich?
Du kennst die Situation in Nigeria, dann weißt du Bescheid. Zu Terror und Krieg kam noch hinzu, dass ich Zeuge eines Mordes wurde. Die wollten mich deshalb auch töten. Mein eigener Schwiegervater steckte dahinter. Er ist der Boss dieses Clans. Dass ich seine Tochter geheiratet habe, hat ihm nie gepasst. Er hat mich krankenhausreif schlagen lassen. Ich bin nach Libyen geflüchtet, aber dort war es auch gefährlich, deshalb hab ich geschaut, dass ich es mit dem Boot nach Europa schaffe. Von Italien bin ich mit dem Zug nach Österreich und lebe jetzt in einer Flüchtlinspension in Wolfau.

BVZ: Und wo ist deine Frau heute?
Sie und unsere zwei Kinder sind noch in Nigeria, für sie wäre die Flucht zu anstrengend gewesen. Ich musste flüchten, sonst würde ich nicht mehr leben. Es geht ihnen soweit gut, sie haben genug zu essen und wir telefonieren, so oft es geht. Ich brauche einen Job, damit ich sie zu mir nach Österreich holen kann, aber mit zehn verkauften Zeitungen am Tag schaffe ich das nicht. Schau, ich hab ein Foto. Das ist meine Frau mit meiner Tochter und meinem Sohn, er ist drei Jahre alt, das Mädchen sechs.

BVZ: Du siehst aber selbst noch sehr jung aus … Das sind wirklich deine Kinder?
Ja, ich war 14, als meine Tochter zur Welt kam, meine Frau 12. Das ist bei uns in Nigeria keine Seltenheit. Ich vermisse die drei sehr. Von meiner Mutter habe ich seit Monaten nichts gehört, ich weiß nicht, ob sie noch lebt, ob es ihr gut geht. Das macht mich verrückt.