Erstellt am 17. April 2013, 00:00

Polizist vor Gericht. Amtsmissbrauch / Stark alkoholisiert wollte Polizist in Bordell die Ausweise der Prostituierten sehen.

REGION / Wegen des Vorwurfs des Amtsmissbrauchs muss sich ein Polizist aus dem Bezirk Güssing vor Gericht verantworten. Er hatte sich am 20. Dezember nach einer Polizeiweihnachtsfeier mit seinem Pkw zu einem Bordell im Bezirk Oberwart begeben. Später wurde eine Alkoholisierung von zwei Promille festgestellt. „Warum fuhren Sie dorthin?“, wollte am Montag dieser Woche Richterin Karin Knöchl vom zwischenzeitlich suspendierten Polizisten wissen. „Weil ich fett war“, lautete die ehrliche Antwort. „Ich hatte noch Geld und dachte mir, jetzt kaufe ich mir eine Frau.“ Er bestellte in dem Bordell ein Bier. Daraufhin habe sich ihm eine Prostituierte genähert und ihre Dienste angeboten.

Was dann passierte, schilderte Staatsanwalt Heinz Prinke so: „Er zeigte seinen Polizeiausweis und verlangte den Ausweis der Dame.“ Der Polizist habe den Lokalbetreiber holen lassen und diesem mitgeteilt, dass er als Polizist für sein Lokal zuständig sei und daher die „Deckel“ (Ausweise der Prostituierten) kontrolliert. „Der Lokalbetreiber weiß aber über Polizeikontrollen Bescheid“, so der Staatsanwalt. „Er weiß, dass nicht nur ein betrunkener, sondern fünf oder sechs Polizisten kommen. Außerdem hatte eine Kontrolle – zum Pech des Angeklagten – einen Tag davor stattgefunden“, so Prinke weiter. Als der Polizist das Lokal nicht verlassen wollte, ohne die Ausweise zu sehen, sei die Polizei gerufen worden.

„Wenn ich etwas kaufe, 

Anders die Schilderung des Angeklagten, der sich nicht schuldig bekennt: „Ich wollte mir keine Krankheit holen oder eine Illegale erwischen. Daher wollte ich die Kontrollkarten sehen.“ Er habe die Ausweise der Prostituierten „als Kunde“ sehen wollen, nicht als Polizist. „Das steht mir zu, wenn ich etwas kaufe, dass ich es mir anschaue“, so der Polizist. Der Lokalbetreiber habe ihn aber erkannt, daraufhin habe er, so der Angeklagte, seinen Ausweis gezeigt und gesagt: „Ich bin aber nicht im Dienst.“

Der Bezirkspolizeikommandant bestätigte, dass Rotlichtkontrollen von mehreren Polizeibeamten und vor allem von besonders geschulten Organen durchgeführt werden. Die Situation im Bordell sei kein Anlass gewesen, dass sich der Polizist unbedingt hätte „in Dienst stellen“ müssen. Das habe, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, der Angeklagte durch die Ausweiskontrolle aber getan. Der Prozess wurde vertagt, weitere Zeugen werden befragt.