Erstellt am 19. Februar 2014, 10:01

von Vanessa Bruckner

Problem: „Taxi bitte!“. Bezirk / Wenn eine Kundschaft drei Taxis auf einmal bestellt und Kollegen die Landesgrenzen „überfahren“. Taxifahrer haben es oft nicht leicht, wissen sich aber meist zu helfen.

Aufmerksam. Taxifahrer Gunther Eibisberger fährt seine Kunden seit 20 Jahren sicher durch die Gegend. Foto: Vanessa  |  NOEN, Vanessa
Von Vanessa Bruckner

Der Kunde auf der Rückbank ist sturzbetrunken und schläft. Eine Adresse nennt er nicht, bloß die Ortschaft, in der er angeblich wohnt. „Und auch die war nicht richtig,“ erzählt Taxifahrer Gunther Eibisberger schmunzelnd.

x  |  NOEN, Vanessa
Letztendlich hat dann der Pfarrer geholfen. Eibisberger: „Bei einer von drei Kirchen hat der Pfarrer den Kunden im Auto erkannt und meinte erfreut „Ach, der Herr kommt zur Messe, das ist aber schön.“

Ganze Bücher könnten sie mit Geschichten füllen, sind sich die Taxifahrer der Region einig. Aber weder die Kundschaft noch die damit verbundenen Probleme sind immer zum Lachen. Größte Problematik für die Berufsgruppe: Ein Kunde ruft gleichzeitig mehrere Taxis.

Wer mehrere Taxis ruft, begeht eine Straftat

„Dann stehst du vor der genannten Adresse und der Kunde sitzt aber schon in einem anderen Taxi“, ärgert sich Unternehmer und Fahrer Hannes Pasquali. Was allerdings viele nicht wissen: Wer ein Taxi ruft, geht damit einen verbindlichen Vertrag ein.

„Dabei wird der sogenannte Beförderungsvertrag wirksam. Wenn jemand drei Taxis bestellt, muss er laut Gesetz auch alle drei bezahlen“, informiert Patrick Poten, Obmann der Fachgruppe Beförderungsgewerbe. „Das passiert mindestens einmal pro Woche“, berichtet Fahrer Gunther Eibisberger.

Ist der Kunde nicht einsichtig, wird dessen Nummer an die Polizei weitergegeben. „Im schlechtesten Fall muss dieser dann nicht nur die Fahrt- und Wartezeit bezahlen, sondern auch noch Ermittlungsgebüren bis zu 1.000 Euro berappen.“

Gute Taxifahrer können auf Kommando schlafen

Ein weiteres Problem: Wenn die Jugend über den Landesgrenzen Party feiert und dann ein Taxi aus der Steiermark ruft.

„Am Wochenende fahren oft 15 Autos von Unternehmen aus der Steiermark und mehr herum. Die Konkurrenz verhält sich hier nicht fair“, meint Eibisberger, der bereits seit 20 Jahren fährt und ein alter Hase im Geschäft ist. Die Hochzeit für das Taxigeschäft ist von Samstag auf Sonntag zwischen zwei und sechs Uhr morgens.

60 Prozent des Einkommens eines Taxiunternehmens machen Kranken- und Schülertransporte beziehungsweise Flughafentransfers aus. Grundgebühren wie beispielsweise in Wien gibt es hierzulande nicht. Man bezahlt pro Kilometer.

Amüsant: „Kutscher, komm her bitte“

Die Bezeichnung „Taxler“ hört die Berufsgruppe nicht so gerne, Taxifahrer wird bevorzugt. „Kutscher, komm her bitte“, findet Eibisberger wiederum amüsant. Schlafen tut man in diesem Job „etappenweise“, die richtig guten Taxifahrer können „auf Kommando schlafen“, fügt der 54-jährige Pinkafelder hinzu.

Die Highlights sind Silvester und Faschingsdienstag. „Da hab ich immer Müllsäcke im Auto“, verrät Pasquali. „Oft braucht man Nerven aus Stahl, aber irgendwann steigt jeder Gast mal aus.“ Vom Sex auf der Rückbank bis zur Party – „wir haben oft das volle Leben bei uns in den Autos“, fügt Kollege Eibisberger lachend an und sagt nachdenklich, „ich sollte wirklich noch ein Buch schreiben …“