Erstellt am 08. August 2012, 00:00

„Protokoll der Grauslichkeiten“. MENSCHLICHKEIT / Unterkünfte für Asylwerber in herber Kritik. Klien: „Versiffte Matratzen und Schimpfer von den Wirten stehen im Südburgenland an der Tagesordnung.“

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VON VANESSA BRUCKNER

BEZIRK / Papa sehnt sich nach Arbeit und Aussprache, Mama vermisst ihre Familie, die Kinder leiden still mit. Das Leben als Asylwerber ist kein leichtes. Es geht aber noch schlimmer: eine Mutter darf nicht kochen, was für ihren kranken Sohn gesund wäre, psychologische Betreuung wird systematisch verhindert und manch Betreiber einer Asylpension scheint mehr als nur ungeeignet für diesen Job. Fotos, die der BVZ vorliegen, dokumentieren zudem teils hässliche Wohn- und Lebensbedingungen: Duschkabinen, in denen Dreck und Schimmel klebt, Gerümpel und Abfall auf den Gängen. Die Bilder stammen übrigens von Unterkünften bei uns, im Südburgenland.

Grohotolsky: „Untragbare  Zustände herrschen hier.“

13 Asylwerberunterkünfte gibt es in den Bezirken Oberwart und Güssing. Geführt werden diese Pensionen/Wirtshäuser meist von Leuten, die sich zwar aufs Geschäft verstehen, selten aber auf Asylwerber und ihre Schicksale. „Es kommt natürlich immer auf den Menschen an, dem die Pension gehört. Wir haben Vorzeigebeispiele und welche, die regelmäßig schockieren“, berichtet Dagmar Hanifl von der Diakonie Flüchtlingsdienst.

Ein besonders schwieriger Fall scheint jene Familie zu sein, die die größte Asylunterkunft in Stinatz betreibt: „Schreie und Schimpftiraden stehen dort an der Tagesordnung. Ich wurde von den Asylwerbern schon öfters gefragt, was das Wort Arschloch bedeutet“, erzählt Gerlinde Grohotolsky von der Bleiberechtsplattform Burgenland.

Die Bleiberechtsplattform besteht aus Ehrenamtlichen, die sich um Asylwerber in der Region kümmern. Das wiederum gefällt vielen Betreibern solcher Unterkünfte weniger. Allen voran jenen in Stinatz: „Dreimal bin ich schon rausgeschmissen worden“, so Grohotolsky. Offiziell dürfen allerdings nur Mitarbeiter der Diakonie in die Asylunterkünfte hinein.

Die Inhaber der Pension in Stinatz wollten keine Stellungnahme zu den Vorwürfen abgeben.

Neu: Deutschkurse ab  Herbst im Landessüden

Auch der Verein SOS Mitmensch macht die zuständige Landesregierung seit Jahren unermüdlich auf die Missstände in den Asylunterkünften aufmerksam: „Es gibt unzählige Protokolle, Bilder und Videos, aber in 99 Prozent der Fälle pfeift sich die Politik nichts“, kritisiert Rainer Klienvon SOS Mitmensch.

Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gibt es im Burgenland nämlich keine Qualitätskriterien für die Asylwerberunterbringung. Genau so einen Kriterienkatalog will man bis September aber erarbeiten, verspricht Christian Frasz vom Büro des zuständigen Landesrats Peter Rezar (SPÖ). „Standardkriterien gibt es ja, aber leider halten sich nicht immer alle Quartiergeber daran. Wir können nur einschreiten, wenn es Beschwerden gibt,“ so Frasz.

„Aber die gibt es zuhauf, den zuständigen Flüchtlingsbeauftragten des Landes, Stefan Kroyer, interessiert das nur nicht“, kontert Klien wütend. Die Vorwürfe der freiwilligen Helfer gegen Kroyer sind übrigens lange. Wie die BVZ hinter den Kulissen erfahren hat, arbeitet man in der Landesregierung aber schon an einer Lösung für „dieses Problem“. Kroyer selbst wollte telefonisch keine Stellungnahme zu der Kritik gegen seine Person abgeben.

Christian Frasz vom Landesbüro verspricht: „Es wird in Zukunft Konsequenzen haben, wenn sich Betreiber von Asylunterkünften nicht an die Kriterien halten oder sich wie die Kaiser aufführen, schließlich bekommen sie nicht wenig Geld dafür.“ Inwieweit es der Politik ernst mit dem Kriterienkatalog ist, wird sich weisen. Eine bahnbrechende Neuerung wurde vom zuständigen Landesrat vor wenigen Tagen zumindest unterzeichnet: Ab Herbst werden im Zuge der Grundversorgung Deutschkurse für Asylwerber im Südburgenland angeboten werden.