Erstellt am 18. März 2015, 10:01

von Vanessa Bruckner

Heiraten im Schloss?. Das Schloss Rotenturm soll zur Hochzeitslocation werden. Standesbeamte fürchten aber erhöhten Arbeitsaufwand und fordern jetzt einen Bezirksverband.

Noch nicht fix. Die Eigentümer des Schlosses Rotenturm planen, Hochzeiten auf dem Areal anzubieten.  |  NOEN
Bis dass der Tod sie scheidet - vorausgesetzt, dass sie ein Standesbeamter zuvor überhaupt traut. Das Südburgenland ist bei Brautpaaren äußerst beliebt. Hochzeitslocations wie „Das Hannersberg“, das Gasthaus „KOI“ in Oberdorf oder die „Träumerei“ in Maria Bild sind fast an jedem Wochenende, von Mai bis September, ausgebucht.

Gemeindebediensteten sehen es kritisch

Jetzt planen auch die Eigentümer des Schlosses Rotenturm, ihr Anwesen für Trauungen zur Verfügung zu stellen. Die Gemeindebediensteten des Ortes sehen dem allerdings kritisch entgegen, denn während die Wirtschaft davon profitiert, bringt eine neue Hochzeitslocation im Ort für die Standesbeamten vor allem eines: viel Arbeit, aber kaum Geld.

„Amtmänner haben eine inkludierte Überstundenpauschale, die müssen bei Trauungen am Wochenende umsonst arbeiten. Gemeindemitarbeiter bekommen zwar Geld dafür, allerdings bleibt da abzüglich der Steuern im Vergleich zum Arbeitsaufwand nicht viel über. In einigen Ortschaften haben Standesbeamte von Mai bis Oktober kaum bis gar kein freies Wochenende mehr“, gibt Christian Saurer, Gemeindemitarbeiter aus Rotenturm, zu bedenken.

Lang fordert landesweit gültige Regelung

Dass der Arbeitsaufwand für burgenländische Standesbeamte steigt, zeigt auch die Tatsache, dass immer mehr Brautpaare von Wien ins Burgenland kommen, um hier zu heiraten, denn Hochzeitslocations hierzulande sind vergleichsweise billiger.

Saurer fordert jetzt, wie viele seiner Amtskollegen, einen Standesbeamtenverband im Bezirk Oberwart zu gründen. Dadurch soll die Bürokratie und der Arbeitsaufwand für einzelne Orte weniger werden, da dann jeder Standesbeamte im ganzen Verbandsgebiet Trauungen vornehmen könnte und nicht, so wie derzeit, nur innerhalb seiner Gemeinde.

Gilbert Lang, Landesleiter der Standesbeamten Burgenland, spricht sich unterdessen gleich für eine landesweite Regelung aus. Allerdings liegt das in der Hand der Landesregierung.

Und dort tut sich zu dieser Thematik bis dato kaum bis gar nichts. Laut Informationen der zuständigen Abteilung II gab es bereits vor zehn Jahren Gesprächsrunden, allerdings ohne Erfolg. Die Wünsche der Standesbeamten seien bekannt, Konkretes sei innerhalb der Landesregierung aber noch nicht diskutiert worden.

Mehr zum Thema:


Info: Was ist ein Standesbeamtenverband?

Zu den Aufgabenbereichen zählen die Ausstellung von Geburtsurkunden sowie Ermittlungsverfahren für Eheschließungen.

Heiraten in den jeweiligen Heimatgemeinden ist natürlich weiter möglich, Heiratswillige müssen nur einmal zur Zentrale kommen.

Lesen Sie auf Seite 2: Landesleiter Gilbert Lang im Interview

Im Gespräch: „Gemeinde bestimmt den Trauungsort“

x  |  NOEN, BVZ
Landesleiter Gilbert Lang über die aktuelle Situation burgenländischer Standesbeamter.

Wie kann man die Standesbeamten motivieren, verstärkt Trauungen am Wochenende durchzuführen?
Gilbert Lang: „Natürlich zumindest mit der Abgeltung der Überstunden im Rahmen der normalen Lohnverrechnung, dies könnte auch in Form von einer Pauschale denkbar sein, oder mit angemessenem Zeitausgleich.“

„Standesbeamter ist lediglich eine Funktionsbezeichnung“

Wer legt die Trauungsörtlichkeit in der Gemeinde fest?
„Laut § 18 Abs. 1 des Personenstandsgesetzes hat die Personenstandsbehörde die Trauung in einer Form und an einem Ort vorzunehmen, die der Bedeutung der Ehe entsprechen. Dies wird in der Regel im Gemeindeamt sein. Im diesbezüglichen Erlass der bgld. Landesregierung wird dazu ausgeführt, dass es der Personenstandsbehörde obliegt, den Ort zu bestimmen, wo eine Trauung in der Gemeinde stattfinden kann. Die Personenstandsbehörde kann somit auch einen anderen Ort bestimmen, wenn dieser der Bedeutung der Ehe entspricht (Burgen, Schlösser usw.). Das heißt also, ausschließlich die Gemeinde bestimmt den Trauungsort in der Gemeinde, und nicht die Verlobten oder der Besitzer eines Anwesens oder sonstige Personen.“

Wie werden Standesbeamte bezahlt?                 
„Der Beamte oder der Vertragsbedienstete einer Gemeinde wird laut seiner Einstufung besoldet wie jeder andere öffentlich Bedienstete auch. Zum Standesbeamten wird man zwar bestellt, dies ist aber lediglich eine Funktionsbezeichnung.“

„Das Gesamtpaket wird gerne gebucht“

Gibt es einheitliche Regelungen im Burgenland bezüglich Trauungsorte, Trauungstermine oder Extra-Kosten?
„Nein, die gibt es nicht.“

Gibt es in den anderen Bundesländern diesbezüglich einheitliche Regelungen?
„Ja, zum Beispiel in Wien, der Steiermark, in Oberösterreich und auch in Niederösterreich.“

Wie beliebt sind Hochzeitslocations, beispielsweise die Burg Güssing, die ja Sie als Standesbeamter betreuen?
„Das Gesamtpaket Standesamt, Burgkapelle und Burgrestaurant wird gerne gebucht. Von Mai bis September sind jeden Samstag Trauungen, manchmal auch zwei oder drei an einem Tag. Pro Jahr kommen wir so im Schnitt auf circa 30 Trauungen auf Burg Güssing.“