Erstellt am 17. Mai 2016, 11:34

von Vanessa Bruckner

Scarabeusdream: Kunst schweigt nicht!. Das Pinkafelder Musik Duo „Scarabeusdream“ polarisiert mit Vorliebe. Ihr neues Album verpflichtet quasi zum Diskurs. Die BVZ bat Bernd Supper und Hannes Moser zum Interview. Kein Wort umsonst.

Scarabeusdream  |  NOEN, Julia Sternthal

Die zwei machen es einem nicht einfach – schreibt beispielsweise das Medium FM4. Gemeint ist in diesem Fall ihre Musik. Hannes Moser, der sein Schlagzeug streichelt, spielt und im nächsten Moment wie wild geworden darauf eindrischt. Bernd Supper am Piano ebenso.

Singen tun beide. Mal laut, dann wieder ganz leise, aber stets im Moment und mit Worten, die so treffen, wie Finger die Klaviertasten und Sticks die Drums. 

Seit 10 Jahren tritt das Duo gemeinsam auf. Längst sind sie über den elterlichen Dachboden als Bühne hinausgewachsen. Ihr neues Album „tacet tacet tacet“ wird in Fachkreisen hochgelobt. Höchste Zeit also, die beiden Südburgenländer zum Gespräch zu bitten.
 
BVZ: tacet. tacet. tacet. Wofür steht der Titel eures neuen Albums?
Supper: Tacet ist eine Bezeichnung aus der Partiturschreibweise für Musiker, die diese zum Schweigen auffordert. Schweigen ist für uns allerdings nichts Angenehmes, nicht Natürliches. Es impliziert, dass man über etwas schweigt – etwas verschweigt. Kunst darf nie schweigen! Sonst wird sie zur Unterhaltung. In unserer Musik sagen wir, was wir zu sagen haben. Oft werden auch Fragen aufgeworfen. Allerdings will große, komplexe Antworten heute leider kaum jemand hören.
 
BVZ: Wie meinst du das?
Supper: Verschweigen hat viel mit einfachen Antworten zu tun. Man spart ein paar Details aus und lässt ein wenig Information weg. Das macht sowohl die Antwort als auch das Verstehen einfacher – aber es ist dann eben nur noch die halbe Wahrheit. Politik wird in den letzten Jahren so gemacht: Eine gekünstelte Harmonie wird erzeugt. Damit sind wir allerdings überhaupt nicht einverstanden.
 
BVZ: Mittlerweile spielt ihr auch auf internationalen Bühnen. Wie waren eure Anfänge als Band und wie schwer war es, den Sprung hinaus zu schaffen?
Moser: Unser erstes Konzert haben wir am Dachboden meines Elternhauses gegeben. Den haben wir mit Dämmwolle ausgestattet und dann Flyer in Wien und Graz verteilt. Ganze sechs Leute haben den Weg damals nach Sinnersdorf gefunden (lacht). In England haben wir geguckt, in welchen Clubs Konzerte stattfinden, sind dort hingefahren, haben unsere Sachen aufgebaut und einfach ohne zu fragen gespielt. Wenn man raus will in die Welt, muss man zuerst anfangen, weiter zu denken und zu handeln.
Weitblick – der fehlt hierzulande oft sehr. Vor allem in der Kunst.

x  |  NOEN, Daniel Terler

BVZ: Wofür steht eure Musik?
Moser: Uns als Musiker ist der Diskurs das Allerwichtigste. Bernd und ich sind oft nicht der gleichen Meinung. Wir respektieren einander, aber es gibt Reibereien. Aus Reibung wird dann Energie – aber positive Energie. Einen solchen Zugang vermissen wir sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft sehr.
 
BVZ: Ihr zwei kommt aus Pinkafeld, wie auch Norbert Hofer, der für die FPÖ um das Amt des Bundespräsidenten kandidiert…
Supper: Es ist meiner Meinung nach bedenklich, dass viele Leuten in unserer Heimatgemeinde Hofer offensichtlich aus dem einen Grund wählen, nämlich dass er aus der gleichen Ortschaft stammt. Für mich spielt es keine Rolle ob Norbert Hofer aus Pinkafeld kommt. Vielmehr sollte man sich doch die Frage stellen: Wofür steht er und wofür nicht? Es ist doch grundsätzlich nicht entscheidend, woher ein Mensch kommt, sondern wer er ist. Es wäre wirklich, wirklich wünschenswert, dass sich die Leute hier mehr Gedanken darüber machen, wofür der Politiker Norbert Hofer inhaltlich überhaupt einsteht.
 
Moser: Auch wenn er mein Verwandter wäre, würde ich ihn nicht wählen. Hofer suggeriert ein Menschenbild, mit dem ich mich ganz klar nicht identifizieren kann.


Hintergrund:

Mehr Informationen zur Band auf: scarabeusdream.com
Album ist soeben erschienen und erhältlich auf stonefree.co.at