Erstellt am 06. Juni 2012, 00:00

Schlecker schließt: 17 weitere Filialen in Gefahr?. KÜNDIGUNG / Aus für Geschäft in der Oberwart Lisztgasse. Mitarbeiterin erfuhr drei Tage vor der Schließung davon.

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VON VANESSA BRUCKNER

REGION / Als Anfang vom Ende würden „Schwarzmaler“ die Schließung der Schlecker Filiale in der Oberwarter Lisztgasse wohl bezeichnen. Menschlich gesehen war sie zumindest keinesfalls korrekt.

18 Schlecker-Filialen gab es bis vor wenigen Tagen noch in den drei südlichen Bezirken des Burgenlandes. Verkündet wurde die Schließung in Oberwart just am gleichen Tag, als auch das Aus von Schlecker Deutschland bekannt wurde. Noch in derselben Woche, am 2. Juni, schloss das Geschäft in Oberwart dann für immer seine Pforten. Bedenklich: Die Angestellte der Filiale erfuhr ebenfalls erst drei Tage vor der Schließung davon.

Kein Zusammenhang mit  Situation in Deutschland

Von der zuständigen Bezirksleiterin gab es zu der kurzfristigen Kündigung keine Stellungnahme. Auch die Betroffene selbst wollte nichts dazu sagen. Klaus Lughofer, Rechtsanwalt von Schlecker Österreich, lieferte schlussendlich Antworten: „Bei der Filiale in Oberwart handelte es sich um eine bereits geplante Schließung im Zuge sogenannter Rekonstruierungsmaßnahmen. Der Umsatz in Oberwart war zu gering und der Mietvertrag genau zu diesem Zeitpunkt kündbar. Die Schließung der Filiale in Oberwart hat aber nichts mit dem Konkurs des deutschen Mutterkonzerns zu tun. Das war ein, zugegeben, sehr dummer Zufall.“

Lughofer: „Drei Tage vorher,  das geht so nicht“!

Scharfe Worte gibt es von dem Juristen aber hinsichtlich der kurzfristigen Kündigung der Mitarbeiterin in Oberwart: „Die Kündigung verlief einvernehmlich. Der zuständigen Bezirksleitung wird man aber noch entsprechend klar machen, dass Kündigungen rechtzeitig ausgesprochen werden sollten. Drei Tage vorher, das geht so nicht.“

Laut Auskunft des Unternehmens sind die österreichischen Schleckerfilialen derzeit nicht von einer ganzheitlichen Schließung betroffen. Experten befürchten aber ein ähnliches Schicksal wie beim Konkurs von Quelle im Jahr 2009.

Zur Erinnerung: Durch den Konkurs des deutschen Quelle-Konzerns wurde auch die Österreich-Tochter mit in die Pleite gerissen. Handelsexperte Peter Schnedlitz von der Wirtschaftsuniversität Wien sagte gegenüber der AustriaPresseAgentur, dass er mit der Schließung von rund zehn Prozent aller Filialen in Österreich rechnet. Derzeit beschäftigt der Konzern in Österreich rund 3.000 Mitarbeiter in 970 Filialen. In den AMS-Geschäftsstellen der Bezirke Oberwart, Güssing und Jennersdorf sind bis dato noch keine weiteren Kündigungen eingelangt.

Wenige Tage nachdem das Info-Blatt (l.)

ausgehängt wurde, sperrte die Schlecker-Filiale in Oberwart zu. Wie lange Schlecker noch „For you vor Ort“ ist, wird die Zukunft zeigen.

VANESSA