Erstellt am 24. August 2011, 00:00

Schlimme Vorwürfe. VERLEUMDET / Eine 16-jährige Jugendliche behauptete, ihr Stiefvater habe sie vergewaltigt. Jetzt stand sie selbst vor Gericht.

OBERWART / Einer Freundin und einem Freund erzählte die 16-Jährige schreckliche Dinge: Ihr Stiefvater habe sie begrapscht, ins Gesicht geschlagen, zu Halloween 2010 Sex von ihr gefordert und sie achtmal vergewaltigt, seit sie 13 Jahre alt war. Doch dann stellte sich heraus, dass die junge Frau gelogen hatte.

Anklage wegen falscher  Beweissaussage erhoben

 

„Es war zu 100 Prozent nicht so“, erklärte die 16-Jährige vorige Woche am Landesgericht Eisenstadt vor Richterin Dr. Andrea Rosensteiner. Die Staatsanwaltschaft hatte Anklage wegen Verleumdung und falscher Beweisaussage erhoben, weil die Jugendliche ihren Stiefvater zu Unrecht einer behördlichen Verfolgung ausgesetzt hatte. „Wie kommen Sie zu so schwerwiegenden Vorwürfen? Mit 16 weiß man ja schon, was das nach sich zieht“, wunderte sich die Richterin. „Seit der kleine Bruder auf der Welt ist, hat sich alles verschlimmert. Es gab nur mehr Zoff zu Hause“, antwortete die Beschuldigte.

Ihr Freund hatte die Polizei verständigt und als sie im Februar 2011 zur Einvernahme vorgeladen wurde, bestätigte die Jugendliche vorerst die im Freundeskreis kolportierten Vorwürfe. „Ich wollte meinen Stiefvater aus dem Haus haben. Dass er ins Gefängnis kommt, wusste ich nicht“, so die 16-Jährige.

Erst als sie erfuhr, welche rechtlichen Maßnahmen ihrem Stiefvater drohen, zog sie die Anschuldigungen zurück. Vor Gericht bekannte sie sich schuldig - auch zur Tatsache, dass sie im April 2011 mit einem Schlagring in der Handtasche zur gerichtlichen Einvernahme erschienen war. Sie habe nicht gewusst, dass es sich um eine verbotene Waffe handelt, erklärte die Jugendliche damals gegenüber dem Wachpersonal in der Eingangsschleuse des Gerichtsgebäudes.

Dr. Rosensteiner sprach die junge Frau schuldig, verzichtete aber wegen des jugendlichen Alters auf den Ausspruch einer Strafe. Lässt sich die Jugendliche zwei Jahre lang nichts zuschulden kommen, so wird von einer Bestrafung gänzlich abgesehen.

Die 16-Jährige nahm das Urteil an.