Erstellt am 03. Oktober 2012, 00:00

Spital: Neue Pläne sorgen für Wirbel. Gesundheit / Ärztevertreter schlagen Alarm und warnen vor „gewaltigem Qualitätsverlust“. Landesrat Peter Rezar schweigt vorerst.

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Von Michael Pekovics

OBERWART, REGION / Unter den Ärzten des Bezirks Oberwart brodelt es. In der Vorwoche wandten sie sich mit einer Resolution an die Öffentlichkeit. Sie warnen vor einem „gewaltigen Qualitätsverlust“, „enormer Belastung“ und „ernüchternden Erfahrungen mit dem bereits bestehenden internistischen Verbund Oberpullendorf/Güssing“.

Anlass für den Hilfeschrei der Oberwarter Bezirksärzte ist die anstehende Pensionierung von Primarius Heinrich Kiss, ärztlicher Leiter im Krankenhaus Oberwart. Laut Auskunft von Bezirksärztevertreter Johann Gschwandtner ist nämlich geplant, eine Verbundlösung in Form eines Mehrfachprimariats zu verwirklichen. Das heißt konkret: Der bereits bestehende Verbund Oberpullendorf/Güssing würde um das Krankenhaus Oberwart erweitert. „Das wurde bereits vom Vorstand der KRAGES entschieden. Dann gäbe es keinen einzigen Kardiologen mehr in Oberwart, die Ausbildung der Ärzte würde leiden, die Arbeitsbelastung für die Fachärzte würde steigen und womöglich zu einer Abwanderung führen“, warnt Gschwandtner.

Aus dem Büro von Landesrat Peter Rezar heißt es nur kurz angebunden „kein Kommentar“, KRAGES-Geschäftsführer Hannes Frech war zu Redaktionsschluss auf Urlaub. Wie von Gerhard Puhr, Leiter des internen Verbundes Oberpullendorf/Güssing, zu erfahren war, gibt es bereits Pläne, wie der Wegfall des Primariats in Oberwart kompensiert werden soll:

„Schwerpunkte nötig, 

„In vielen anderen Bundesländern gibt es bereits ähnliche Lösungen. Es wird künftig vor Ort an den einzelnen Standorten so etwas wie einen ‚leitenden Oberarzt‘ geben, der die Verantwortung trägt. Die Aufgabe des Verbund-Vorstandes wäre dann die Koordination.“ Puhr weiter: „Wenn man will, dass alle Spitäler erhalten bleiben, dann wird man in den einzelnen Häusern Schwerpunkte bilden müssen, um ökonomischer arbeiten zu können.“ Bestätigt werden diese Pläne von Burkhard Benedek, Vertreter der Güssinger Bezirksärzte: „Meines Wissens ist ein zusätzlicher Posten geplant, quasi ein leitender Oberarzt. Das ist für uns eine Lösung, mit der wir leben können.“

Weniger zufrieden ist Ärztekammer-Präsident Michael Lang, der zwar offiziell noch nicht informiert wurde, aber von den Plänen schon gehört hat: „Ich verstehe den Sinn nicht: Man will sparen und zieht eine zusätzliche Ebene ein. Diesem Oberarzt wird man auch nicht viel weniger zahlen müssen, als einem Primar.“ Sein Vorschlag: „Spezialisierte Primarärzte an den jeweiligen Standorten, die fixe Schwerpunkte zugeteilt bekommen. Das würde auch Geld sparen.“

Ab Dezember in Pension. Primarius Heinrich Kiss, ärztlicher Leiter im Krankenhaus Oberwart.