Erstellt am 28. August 2013, 00:00

Stolz und Unbehagen. Für Letztere hat neben vielen Emotionen aber auch der finanzielle Aspekt Bedeutung.

Kleine Schwestern habens gut. Tessa Mayer (6) wurde von ihrer großen Schwester Laura (7) gut auf den ersten Schultag vorbereitet. Bei Mama Elke klingt beim zweiten Kind »etwas Wehmut« durch, weil »die Kindergartenzeit aus ist«. Foto: zVg/Pinter  |  NOEN, zVg/Pinter
Von Michael Pekovics

Wie die Zeit vergeht / Wer kann sich noch an den eigenen ersten Schultag erinnern? Und wer an den ersten seines Kindes? Die zweite Frage werden wohl mehr Eltern mit „ja“ beantworten als die erste – und das hat gute Gründe.

Hin- und hergerissen sind zwischen Stolz und Wehmut

Denn nicht nur für die Kinder ist der erste Schultag etwas Besonderes, sondern auch für die Eltern, die vielfach hin- und hergerissen sind zwischen Stolz und Wehmut, zwischen Freude und Unbehagen darüber, dass „die Zeit doch so schnell vergeht“.

Sagt zumindest Rika Oswald, deren Tochter Laura am 2. September zum ersten Mal die Volksschule Oberwart als Schülerin besuchen wird.

„Gerade mal hat der Kindergarten angefangen – und schon geht die Schule los“, klingt bei der Mutter etwas Wehmut durch. „Aber ich glaube, ich bin nervöser als sie. Das ist vielleicht deswegen, weil wir ja nicht wissen, was jetzt alles auf uns zukommt.“

Vorbereitung beginnt oft schon ein Jahr zuvor

Die Vorbereitung auf den ersten Schultag beginnt für die meisten Taferlklassler schon im Kindergarten beziehungsweise in der Vorschule. So wie die sechsjährige Oberwarterin Laura wurde auch Matteo Sancho Jani als Vorschulkind auf den sogenannten Beginn des „Ernst des Lebens“ vorbereitet.

Diesem Satz kann Mama Judith Jani-Fank wenig abgewinnen, denn: „Die Schule ist einfach eine weitere Stufe der Entwicklung – und darauf freuen wir uns als Eltern aber auch Matteo – er vor allem auf das Wiedersehen mit seinen Freunden aus der Vorschule.“

Jani-Fank hat im Vorfeld vor allem auf die Selbstständigkeit Wert gelegt: „Gutes soziales Verhalten ist wichtig, wie etwa selbstständig Schuhe binden zu können. Das war uns wichtig.“ Angst, dass Matteo mit der Schule nicht klar kommt, hat seine Mutter nicht: „Er ist ein Wettkampftyp, der Herausforderungen braucht.“

Markenware für die Kleinen: Finanzieller Druck oft groß

Etwas unsicherer ist da schon ein Vater, der getrennt von seiner Ex-Freundin und Tochter lebt und anonym bleiben will: „Ich bin stolz, aber habe auch Angst davor, ob meine Kleine schon bereit für das Ganze ist. Kurz gesagt: Ich bin voller Hoffnung und Ängsten.“ Er weist im Gespräch mit der BVZ auch auf den finanziellen Aspekt hin: „Der Schulbeginn ist natürlich auch mit erheblichen Mehrkosten verbunden, es gibt zum Beispiel auch einen Sprung bei den Alimenten.“

Seitens des Landes gibt es für alle Erstklässler ein einkommensunabhängiges Schulstartgeld in der Höhe von 100 Euro. „Vor allem für Alleinerziehende ist die finanzielle Belastung groß, im heurigen Budget sind 250.000 Euro für das Schulstartgeld vorgesehen“, informiert Familienlandesrätin Verena Dunst. „Es muss aber auch nicht immer die teure Markenschultasche sein“, gibt Jugendanwalt Christian Reumann zu bedenken.

Tatsächlich ist es so, dass Eltern ihren Kindern Markenware kaufen, damit es nicht zu einem Außenseiter wird. „Die Zeit heute ist leider so hart“, bestätigt Tanja Pinter aus Grodnau. Die Erfahrung hat sie von ihrem Sohn Kevin, der die 2. Klasse der NMS Oberschützen besucht. Deshalb weiß seine kleine Schwester Lena auch, was am ersten Schultag das Wichtigste ist. „Die Schultüte, hat er gesagt“, lacht Mama Tanja. „Weil so viel Naschzeug drinnen ist. Aber ich bin froh, dass er Lena erklärt hat, wie der erste Tag abläuft.“

„Jetzt beginnt die Zeit des Abnabelns“

Auch Elke Mayer aus Markt Allhau ist in der glücklichen Lage, den ersten Schultag eines Kindes nun bereits schon zum zweiten Mal zu erleben. „Bei Laura (7) war es Stolz und Freude, bei Tessa (6) Wehmut und Freude, einfach weil die Zeit im Kindergarten zu Ende und jene der Pflichten beginnt.“

Außerdem bemerke man, so die Mama, dass mit der Schule „die Zeit des Abnabelns beginnt und man seine Kinder nicht mehr beschützen und behüten kann, wie man es aber gerne tun würde“. So wie auch in vielen anderen Gemeinden wurde auch im Kindergarten Markt Allhau viel Wert auf die Vorbereitung gelegt.

„Zusätzlich sind wir den Weg von und zur Bushaltestelle mehrmals zu Fuß gegangen. Gut ist, dass die Kinder zu Beginn von einer Lehrerin zum Bus gebracht werden.“ Schmackhaft musste Elke Mayer der sechsjährigen Tessa die Schule nicht machen, weil „ein angehendes Schulkind zu sein, ist etwas Besonderes“. Und wie ist es, wenn man als Mama das Kind am ersten Schultag verlassen muss? „Wenn alles gut geht, ist es gut. Wenn beim Kind Tränen fließen, dann sicher bei der Mama auch …“