Erstellt am 13. August 2014, 10:11

von Michael Pekovics

Extremer Regensommer macht viele Probleme. Häufung von lokalen Wetterphänomenen gibt Meteorologen Rätsel auf. Neben dem Wetter ist auch die zunehmende Versiegelung für Überschwemmungen verantwortlich.

Lokale Wetterphänomen. Gewitter sind oft lokale Wetterereignisse und können deshalb auch schwer gemessen werden. Tatsächlich kommt es immer wieder vor, dass es in einer Gemeinde regnet, während nur wenige Kilometer weiter noch die Sonne scheint. Im südlichen Burgenland waren heuer unter anderem schon Neusiedl bei Güssing (Bild), Mogersdorf und Dt. Kaltenbrunn betroffen. Foto: zVg/F  |  NOEN, zVg/F

Am Montag war es schon wieder so weit:  Heftige Regenschauer gingen über dem Südburgenland nieder , wie so oft in diesem Sommer mussten zahlreiche Feuerwehren ausrücken, um Keller auszupumpen und Straßen freizumachen.

Wasserdampf an schwülen Tagen als eine der „Zutaten“

Laut Experten der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) hat sich in den vergangenen 200 Jahren die Eintrittswahrscheinlichkeit extrem niederschlagsreicher Monate kaum verändert.

x  |  NOEN, ZAMG

„Wir haben aber festgestellt, dass es mehr schwüle Tage gibt, an denen die Luft mehr Wasserdampf aufnimmt, was eine der Zutaten für ein schweres Gewitter ist (siehe Grafik links)“, sagt Johanna Oberzaucher, gibt aber zu bedenken, dass auch andere Faktoren wie die zunehmende Versiegelung des Bodens verantwortlich für lokale Überschwemmungen sein kann.

Das bestätigt auch Ziviltechniker Andreas Höhenberger („Höhenberger Engineering“): „Wenn das Wasser nicht mehr versickern kann, wird der beste Kanal zu klein. Neue Siedlungen entstehen, aber die Rohre sind dieselben wie vor 40 Jahren – das kann nicht gut gehen.“

„Der Kanal schafft diese Wassermassen nicht“

Eine Änderung dieses Status Quo sei nur mit großem finanziellen Aufwand möglich. In Oberwart ist vor allem das Gebiet rund um den Dr. Emmerich Gyenge-Platz immer wieder von Überschwemmungen betroffen. Derzeit werden die bei einer Befahrung des Kanals gewonnen Daten ausgewertet, um danach Maßnahmen setzen zu können.

„Dort kommt alles zusammen, der Kanal schafft diese Wassermassen nicht“, sagt Stadtchef Georg Rosner, der sich wie OSG-Geschäftsführer Alfred Kollar eine Lösung im Zuge der anstehenden Straßensanierung (Badgasse bis Hyrtlgasse) wünscht: „Eventuell in Verbindung mit dem neuen Projekt am ehemaligen Magnet-Areal“, sagt Kollar.

Schutzlos ausgeliefert ist man Hochwasserereignissen aber nicht, wie Bettina Krumpl-Rogatsch („K.-R. Water & Energy“) betont: „Ein Fehler ist mangelnde Vorsorge, oft entstehen Schäden nicht durch Hochwasser, sondern durch Wasser vom Hausdach. Aber jedes Haus ist anders, nicht jede Maßnahme ist für jeden geeignet.“


Nützliche Tipps bei Hochwasser und Überschwemmungen

Vorsorge-Maßnahmen
Es gibt ausreichend Möglichkeiten, sich bereits im Vorfeld vor Hochwasser zu schützen. „Aber jedes Haus ist anders, viel ist von den lokalen Gegebenheiten abhängig“, weiß die Hochwasserexpertin Bettina Krumpl-Rogatsch („K.-R. Water & Energy“).

Vorbereitung auf den Notfall
Notgepäck und Dokumente vorbereiten, falls das Haus evakuiert werden muss. Wasser, Strom, Gas, Heizung, Öl etc. abschalten. Gegenstände, die nicht nass werden dürfen, nicht im Keller lassen. Das Fahrzeug in Sicherheit bringen.

Während des Hochwassers
Jedes Hochwasserereignis verläuft anders, ziehen Sie keine Rückschlüsse aus früheren Ereignissen. Verfolgen Sie die Wetterprognosen (zum Beispiel auf www.zamg.ac.at), schalten Sie Radio und Fernsehen ein, um keine Warnhinweise zu verpassen. Achten Sie beim Autofahren auf Aquaplanung, Treibgut oder eventuell mögliche Murenabgänge.

Pkw und Hochwasser
Zeichnet sich ein Hochwassers ab, bringen Sie Ihren Pkw aus der Garage. Dringt Wasser in den Motorraum ein, kann es zu erheblichen Schäden kommen. Stellen Sie nach längeren Fahrten den Motor ab, wenn sie durch hoch stehendes Wasser fahren müssen, andernfalls kann der Katalysator springen. Wenn das Fahrzeug bis zur Ölwann oder sogar bis über die Räder im Wasser stand, starten Sie den Motor nicht, sondern schleppen das Fahrzeug in die nächste Werkstätte.

Nach dem Hochwasser
Informieren Sie Ihre Gemeinde und Versicherung über eventuelle Schäden durch das Wasser. Beginnen Sie sofort mit den Aufräumarbeiten, um die Seuchengefahr durch Tierkadaver zu minimieren. Abgelagerter Schlamm muss sofort entfernt werden, damit er nicht verhärtet. Entkeimen Sie ihren Hausbrunnen und lassen Sie die Wasserqualität überprüfen. Trocknen Sie das Mauerwerk ihres Hauses, um Schimmelpilzverfall zu verhindern.


Niederschläge Juli:

RECHNITZ
2011 57,8 Millimeter
2012  134,0 Millimeter
2013 17,0 Millimeter
2014 192,8 Millimeter
30. Juli 70,4 Millimeter

EISENBERG
2011 84,8 Millimeter
2012 107,6 Millimeter
2013  17,8 Millimeter
2014 185,0 Millimeter
30. Juli 49,2 Millimeter

DEUTSCH SCHÜTZEN
2011 128,8 Millimeter
2012 124,6 Millimeter
2013  18,6 Millimeter
2014 180,2 Millimeter
30. Juli 51,6 Millimeter

Quelle: www.wein-terroir.at