Erstellt am 21. Juni 2016, 13:32

von APA/Red

Theodor Kramer Preis 2016 an Stefan Horvath. Der Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil geht 2016 an den Oberwarter Autor Stefan Horvath und den Wiener Autor, Kritiker und Essayisten Gerhard Scheit.

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Die beiden teilen sich das Preisgeld, das heuer von 7.300 auf 8.000 Euro erhöht wurde, teilte die Theodor Kramer Gesellschaft am Dienstag mit. Die Preisverleihung findet am 10. September im Pfarrsaal Niederhollabrunn statt.

Stefan Horvath, als Sohn zweier KZ-Überlebender 1949 im burgenländischen Oberwart geboren, wuchs in der zweiten, 1946 entstandenen Oberwarter Roma-Siedlung auf. Als erster Rom durfte er die Hauptschule besuchen und begann mit 15 Jahren mangels Zukunftsperspektiven im Burgenlandals Bauhilfsarbeiter in Wien zu arbeiten.

In der Nacht auf 5. Februar 1995 wurde sein Sohn, Peter Sarközi, als einer von vier jungen Roma beim zweiten Rohrbomben-Anschlag von Franz Fuchs getötet. Noch am selben Tag, im Alter von 46 Jahren, begann Horvath zu schreiben.

"Er schreibt ohne Verbitterung, ohne Illusion"

Seine Bücher - darunter "Ich war nicht in Auschwitz" über die Erfahrungen seiner Elterngeneration sowie "Katzenstreu" über den Anschlag 1995 - seien "starke literarische Arbeiten über den alltäglichen Antiziganismus in Österreich, welche das Schweigen brechen, den Diskriminierungen, der erdrückenden Ungerechtigkeit, dem Hass ein Ende setzen wollen", heißt es in der Preisbegründung. "Stefan Horvath schreibt ohne Verbitterung, ohne Illusion, jedoch mit viel Hoffnung und meisterhaftem erzählerischem Können."

Gerhard Scheit, 1959 als Sohn eines Wiener Philharmonikers geboren, studierte Theaterwissenschaft, Deutsche Philologie, Philosophie und Politikwissenschaft an der Universität Wien und an der FU Berlin sowie Musik privat bei Georg Knepler in Ostberlin.

Er ist einer der Verfasser von "Orpheus im Exil" (1995), einer Bestandsaufnahme der Vertreibung der österreichischen Musik von 1938 bis 1945, veröffentlichte Bücher und Studien u.a. zur "Dramaturgie des Antisemitismus", zu Gustav Mahler sowie den Ursprüngen von Terror und gab drei Bände der neuen Werkausgabe Jean Amerys heraus.

Scheit ist auch Mitbegründer der Jura Soyfer Gesellschaft, Herausgeber der Zeitschrift "sans phrase" und lehrte an den Instituten für Musikwissenschaft und Politikwissenschaft.

"Sprachlich brilliante Essays"

"Wenn es in Österreich und Deutschland jemanden gibt, der seit über 30 Jahren konsequent profunde essayistische, philosophische und kämpferische Literatur zu Exil, Widerstand und Antisemitismus geschrieben hat, dann ist es Gerhard Scheit", heißt es in der Würdigung. "Mit seinen sprachlich brillanten Essays betritt er den weiten Weg zu einer schwierigen Heimkehr - zum denkenden, sein Handeln verantwortenden Menschen."

Mit dem Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil werden sowohl die literarische Qualität, als auch die Haltung und das Schicksal der Preisträger gewürdigt. Er wird seit 2001 alljährlich verliehen. Bisherige Preisträger waren u.a. Ruth Klüger, Elazar Benyoetz, Fred Wander, Milo Dor und im Vorjahr Hazel Rosenstrauch.

Gleich zwei Preisträger in einem Jahr gab es zuvor bereits vier Mal, zuletzt 2013 mit Margit Bartfeld-Feller und Manfred Wieninger. Im Anschluss an die Preisverleihung am 10. September sind Lesungen von Stefan Horvath und Gerhard Scheit geplant, darunter im Literaturhaus Salzburg (12.9.), im Psychosozialen Zentrum ESRA in Wien (6.10.) und im StifterHaus Linz (17.10.).