Erstellt am 18. September 2013, 00:00

Tracht:Tradition im Heute. Come Back / Immer mehr schlüpfen immer lieber in Dirndl und Lederhose. Tracht ist Kult – auch im Burgenland. Ein Bericht über traditionelle Wurzeln mit viel Farbe und Faden.

Tracht ist auch bei Kindern gefragt. Sebastian und Philipp Hölsche, Charlotte Reitwieser und Liselotte Schmidtberger (v.l.) am Kirtag bei Wachter-Wieslers Ratschen. Foto: Pekovics  |  NOEN, Pekovics
Von Vanessa Bruckner

Comeback / „Würde jede Dame auf dieser Welt ein Dirndl tragen, gäbe es keine Hässlichkeit mehr.“ Diese Feststellung stammt von niemand geringerem als Vivienne Westwood. Die weltbekannte Designerin outete sich als Fan des Dirndls - und ist damit nicht alleine.

Symbol für Region, Religion, Familienstand und Beruf

Auch im Burgenland erfreut sich die Tracht stetig wachsender Beliebtheit. Was viele nicht wissen: Selbstverständlich hat auch unser Land seine eigenen Trachten.

Die burgenländischen Trachten zählen zu den vielfältigsten überhaupt. Aber leider auch zu den am wenigsten bekannten. Nur im Südburgenland trägt man die Tracht besonders traditionell: Viele alte Formen wie etwa der „Brustfleck” sind bis heute erhalten geblieben. Trachten symbolisierten nicht nur die Herkunft aus einer Region, sondern auch die eigene Religion, den Familienstand und den Beruf. Eine junge Frau aus dem Nordburgenland wird sich also vollkommen anders gekleidet haben als eine verheiratete Mutter aus dem Landessüden.

„Jedes Gebiet im Land hatte seine eigene Tracht und sein eigenes Dirndl“, weiß Expertin Theresa Kenyeri. Sie ist eine von drei Damen, die das Rechnitzer Alltagsdirndl „neu aufgelegt“ haben. 2011 befanden die Rechnitzerinnen, dass es an der Zeit war, fast Vergessenes wieder aus dem verstaubten Kleiderschrank der Vergangenheit zu holen.

„Trachten sind beliebt wie nie zuvor“

„Wir haben uns von einer Expertin eine detaillierte Beschreibung geholt, wie das Rechnitzer Alltagsdirndl damals ausgesehen hat. Als Stoff haben wir uns für den Blaudruck entschieden, etwas typisch Burgenländisches musste es unbedingt sein,“ erzählt Kenyeri. Der Schnitt des Rechnitzer Alltagsdirndl ist ein alter, die Umsetzung allerdings komplett neu.

Eine Tatsache, die sich bei den Trachten von heute immer wieder findet. „Trachten sind beliebt wie nie zuvor“, weiß auch eine Mitarbeiterin des Modeunternehmens Hiebaum, das sich auf Dirndln und Lederhosen spezialisiert hat. „In den letzten Jahren ist die Tracht auch bei der Jugend immer beliebter geworden. Das hat sicher auch mit den speziellen Veranstaltungen zu tun. Da ein Oktoberfest, dort ein Kirtag – zu denen gehört ein Dirndl und die Lederne einfach dazu.“

„Dass die Tracht einem gewissen Modetrend folgt, ist nicht abzustreiten“, weiß auch Theresa Kenyeri, die aber wiederum ganz klar sagt: „Ein Dirndl trägt man trotzdem länger als einen Modetrend.“