Erstellt am 08. Dezember 2010, 00:00

Verjährt - Freispruch!. MISSBRAUCH / Das Opfer ist schwer traumatisiert - der Täter konnte die Folgen bei der Tat laut Richter nicht vorhersehen.

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BEZIRK OBERWART / Mit einem Freispruch endete vorige Woche der Prozess gegen einen 27-jährigen Mann, der eine heute 21-jährige Frau sexuell missbraucht haben soll, als diese zwischen zehn und zwölf Jahre alt war.

„Der Schöffensenat stellte nicht in Frage, dass die Straftaten stattgefunden haben“, erläuterte Gerichtspräsident Dr. Karl Mitterhöfer das Urteil. Man habe auch keinen Zweifel daran, dass die junge Frau wegen der wiederholten Übergriffe - insgesamt sollen es zwölf gewesen sein - schwer traumatisiert wurde.

„Für Angeklagten waren  Folgen nicht vorhersehbar“

„Für den Angeklagten konnte es aber nicht vorhersehbar sein, dass die relativ geringen Übergriffe so schwere Folgen nach sich ziehen würden“, erklärte Dr. Mitterhöfer. Der Angeklagte war 16, als er seine Nachbarin erstmals unsittlich berührt haben soll.

Wie mehrere Zeugen bestätigten, sei der Jugendliche in seiner Entwicklung etwas zurückgeblieben gewesen. „Möglicherweise befand er sich damals erst auf dem Stand eines Zwölfjährigen“, so Mitterhöfer. Sind für den Täter die Folgen seiner Tathandlungen nicht vorhersehbar, so verjähren derartige Handlungen bereits nach fünf Jahren.

Die Folgen für die junge  Frau waren dramatisch

Die Folgen für die junge Frau waren dramatisch. Sie habe jahrelang unter Schmerzen gelitten, ohne dass eine Ursache erkennbar war. 2008 erzählte sie einer Psychiaterin am Krankenhaus Eisenstadt erstmals von den Übergriffen. Erst danach wagte sie, sich auch gegenüber ihren Eltern zu öffnen.

Der Angeklagte hatte bestritten, das Mädchen jemals unsittlich berührt zu haben. Seine Eltern gaben zu Protokoll, ihr Sohn habe dazu gar keine Gelegenheit gehabt.

Dem widersprachen die Eltern des Opfers und Zeugen, die in der Vorwoche aussagten. „Es handelt sich um einen kleinen Ort mit einer dichten Gemeinschaft“, fasste der leitende Staatsanwalt Dr. Wolfgang Swoboda die Ergebnisse zusammen. „Natürlich ist man sich ständig über den Weg gelaufen.“