Erstellt am 25. Januar 2012, 00:00

„Werden Strukturen ändern“. TOURISMUS / Der Ausstieg Bad Tatzmannsdorfs aus dem Regionalverband könnte eine große Strukturreform im Tourismus einläuten – für das gesamte Burgenland.

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VON MICHAEL PEKOVICS

BAD TATZMANNSDORF / In der Vorwoche wurde bekannt, dass der Kurort aus dem regionalen Tourismusverband Oberwart-Bad Tatzmannsdorf aussteigen und keinen Mitgliedsbeitrag mehr zahlen wird. Zuerst wurde vermutet, dass persönliche Differenzen zwischen Landesrätin Michaela Resetar und Bürgermeister Ernst Karner dahinter stecken. Der Hintergrund für den Entschluss des Gemeinderates und der Bad Tatzmannsdorfer Unternehmen dürfte aber ein anderer sein als vermutet – eventuell sogar mit Auswirkungen auf das gesamte Burgenland.

Karner: „Kräfte bündeln und  Strukturen durchleuchten“

Aber warum hat der Gemeinderat überhaupt beschlossen, aus dem Regionalverband auszusteigen? Karner: „Ich habe Geschäftsführer Hans Peter Neun über den geplanten Austritt schon Ende 2011 schriftlich informiert. Wir sind gemeinsam mit den Unternehmen zum Entschluss gekommen, dass wir die Kräfte bündeln und die bestehenden Strukturen kritisch durchleuchten müssen.“ In dieselbe Kerbe schlägt auch AVITA-Geschäftsführer Peter Prisching: „Wir müssen einfach darüber nachdenken, wie wir alles schlanker und effizienter gestalten können.“

Neun: „Ohne uns gäbe es  viele Dinge gar nicht“

Für Hans Peter Neun, Geschäftsführer des Regionalverbandes, kommen diese Vorschläge überraschend. „Uns gibt es seit 18 Jahren, ich weiß nicht, welche Strukturen überdacht werden sollen“, fragt Neun. „Am 30. Jänner haben wir eine Vorstandssitzung, dort werden wir darüber beraten, wie wir weiter vorgehen wollen und Druck auf Bad Tatzmannsdorf ausüben können.“ Neun erinnert daran, dass „es ohne uns keine Schmankerlwirte, keine Paradiesbetriebe und keinen Alpannonia-Wanderweg geben würde. Nur weil es jetzt ein neues Gesetz gibt, dass auch Kurorte die Nächtigungstaxe abliefern müssen, wird auf uns, die wir gute Arbeit machen, hingehaut.“

Resetar: „Nicht in Regionen,  sondern in Themen denken“

Landesrätin Michaela Resetar versucht im Gespräch mit der BVZ die Situation zu beruhigen: „Jeder Verband, jede Ebene hat seine Berechtigung. Aber wir werden gewisse Strukturen ändern müssen, konkrete Pläne gibt es aber noch nicht.“ Resetar gibt dennoch Einblick in die Richtung, in die es gehen könnte: „Wir dürfen nicht mehr in Regionen, sondern in Themen denken. Aber dazu braucht es Koordinatoren – sowohl für den Ort, als auch für den Bezirk. Und für das Land sowieso.“ Rudolf Luipersbeck, Direktor der Kurbad AG, ist ähnlicher Meinung: „Es genügt, wenn wir das Burgenland vermarkten. Ich glaube nicht, dass wir in Zukunft so viele verschiedene Strukturen brauchen, wie wir sie jetzt haben.“ Für Bad Tatzmannsdorfs Tourismusdirektor Dietmar Lindau ist der Austritt gar „ein Zeichen, um endlich Veränderungen einzuleiten. Wir wollten schon vor zwei Jahren Themen anstatt Regionen bewerben. Das Zusammenspiel der einzelnen Akteure gehört einfach überdacht.“

Tourismusdirektor Dietmar Lindau: „Das ist ein Zeichen, um Veränderungen einzuläuten.“

Geschäftsführer Hans Peter Neun: „Wenn der Tourismus wächst, muss auch der Unterbau wachsen.“

Landesrätin Michaela Resetar: „Jeder hat seine Berechtigung, aber wir werden etwas ändern.“

Bürgermeister Ernst Karner: „Sind bereit mit der Region zu kooperieren. Aber es gibt zu viele Ebenen.“