Erstellt am 18. Januar 2012, 00:00

Wirbel um „Heimstätte“. DISKUSSION / Geplante „Heimstätte für Jung und Alt“ sorgt für Kritik von Anrainern, die die schöne Natur schützen wollen. Viele Bürger haben dafür kein Verständnis.

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VON SILKE ROIS

MARKT ALLHAU / Die 16. Änderung des Flächenwidmungsplanes hat es in sich. Es geht um ein Projekt der gebürtigen Markt Allhauerin Dr. Ulrike Habeler, die nach Allhau zurückkehren und auf ihrem geerbten 1,7 Hektar großen Grundstück in den Oberbergen mit ihrem Mann eine „Heimstätte für Jung und Alt“ errichten will.

„Seit 25 Jahren reden wir davon, ich habe meine Ausbildung dahin gehend ausgerichtet, nun möchten wir diesen Traum verwirklichen“, so Habeler. Das Besondere wäre, nach dem Motto „Jung und Alt Zusammenhalt“, Altenbetreuung und Kinderbetreuung zu verbinden – das heißt: Alte Menschen, die niemanden haben, der sich um sie kümmert, und kleine Kinder, deren Eltern nicht für sie sorgen, würden gemeinsam in einem „lockeren Siedlungsbau“ leben (siehe Infobox) und von Pflegern und Sozialpädagogen betreut werden. „Verschiedene Studien und Beispiele in Japan zeigen, wie sehr Kinder und alte Menschen von einem Zusammenleben profitieren und sich gegenseitig gut tun“, erklärt Habeler. „Dabei zu helfen, die Mauer zwischen Jung und Alt zu durchbrechen“, ist eines der langfristigen Ziele.

„Sind gegen den Standort,  nicht gegen das Projekt!“

Nicht das Projekt, wohl aber der Standort beziehungsweise die geplante Umwidmung in den Oberbergen von Grün- in Bauland hat einige Kritiker bei der Bürgerversammlung im übervollen Saal des Gasthaus Stumpfel auf den Plan gerufen, drei Stunden lang wurde lautstark disktuiert.

Zehn BürgerInnen, „so viele wie noch nie“, so Ortschef Hermann Pferschy (ÖVP), haben Einwände gegen die Umwidmung eingebracht. Auch eine Unterschriftenliste mit 36 Unterschriften existiert bereits. „Verbauung der wunderschönen Landschaft“, mehr Verkehr und mehr Lärm, die Tatsache, dass das Konzept noch nicht ganz ausgereift ist, und die Frage, ob das Ganze im Ortskern nicht besser wäre, waren die Hautpunkte der Kritik, die vorgebracht wurden. Die Befürworter wiederum – gemessen an der Stimmung bei der Versammlung in der Überzahl – können den Widerstand nicht nachvollziehen („es wird ja keine Wurstfabrik dort hingebaut“), bewerten die Argumente als „Ausreden“, hören bei den Kritikern „sehr viel Egoismus“ heraus, und finden, dass ein Sozialprojekt wie dieses, das „zu einem Vorzeigeprojekt werden könnte“, die „Landschaft nicht verschandeln“, sondern das „wunderschöne Platzerl noch wertvoller machen würde.“ Man könne sich über so eine Initiative freuen, und manchmal müsse man auch Veränderungen und Entwicklungen zulassen.

Es „sind ja keine Rabauken, die dort einziehen würden“, erläutert Psychologe Wolfgang Habeler, sondern „Menschen, die Ruhe und eine schöne Natur suchen.“ Bei den Kindern handle es sich nicht um schwer erziehbare Jugendliche, sondern um kleine Kinder zwischen 0 und 5 Jahren, die Fürsorge brauchen, stellt Ulrike Habeler klar. Sie hofft, „dass sich der Widerstand legt und die Menschen merken, dass hier etwas Sinnvolles geplant ist.“

Anfang Feber werden die Einwände im Gemeinderat behandelt, sagt Pferschy. „Es war gut, dass wir ausführlich diskutiert haben“, meint er nach der Versammlung. Er geht davon aus, dass die Änderung des Flächenwidmungsplans positiv behandelt und seitens der Gemeinde der Startschuss für das Projekt gegeben wird. Das letzte Wort in dieser Sache aber hat die Landesregierung, Abteilung Raumordnung, die die Genehmigung dafür erteilen muss.

Regina Hagenauer, Wolfgang und Ulrike Habeler, Hermann Pferschy und Josef Fleck vor dem Allhauer Flächenwidmungsplan.

ROIS